28. März 2022
VdK-Zeitung Archiv

Preise vergleichen lohnt sich

Pflegebedürftigen stehen monatlich 40 Euro für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch zu

„Gratis-Pflegehilfsmittel im Wert von bis zu 40 Euro. Die Kosten trägt Ihre Pflegekasse“: Mit Worten wie diesen bieten Firmen an, monatlich eine Box mit verschiedenen Hygieneartikeln zu liefern. Viele Menschen wissen nicht, dass ihnen diese Leistung überhaupt zusteht und dass sie nicht zwingend eine Box bestellen müssen.

Was sind Pflegehilfsmittel zum Verbrauch?
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch sind einmalig zu verwendende Hilfsmittel, die die Pflege erleichtern und pflegende Angehörige schützen sollen. Dazu zählen etwa Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen, saugende Bettschutzeinlagen, Mundschutz, Fingerlinge, Schutzschürzen und Einmallätzchen. Die Pflegekassen stellen Pflegebedürftigen eine monatliche Pflege­hilfsmittel-Pauschale in Höhe von 40 Euro zur Verfügung. Diese Pauschale muss beantragt werden. Eine Zuzahlungspflicht gibt es nicht.

Wer hat Anspruch?
Alle Pflegebedürftigen ab Pflegegrad 1, die von Pflegepersonen zu Hause versorgt werden. Sie können die Pflegehilfsmittel entweder selbst einkaufen, ein Abo bei einer Apotheke abschließen oder einen Boxenlieferanten beauftragen.

Was ist der Vorteil von Boxen?
Die Anbieter werben mit einer schnellen und unkomplizierten Bestellung und der bequemen Lieferung nach Hause. Auch die Antragstellung und die Abrechnung werden übernommen. Dazu muss eine Abtretungserklärung unterschrieben werden. Mit diesem Service treffen diese Firmen eine Marktlücke: Denn wer zu Hause einen Pflegebedürftigen versorgt, hat meist nur wenig Zeit, sich um anderes zu kümmern.

Was bekommt man für diese 40 Euro, wenn man eine ­Box bestellt?
Das ist äußerst unterschiedlich und hängt nicht nur vom Anbieter, sondern auch vom Bestellzeitpunkt ab. Grund dafür ist, dass die Vertragspreise wegen der Corona-­Pandemie ausgesetzt wurden. In den vergangenen Monaten kam es zu starken Preisschwankungen, die ungefiltert an die Kunden weitergegeben wurden.
Wegen des Inhalts der Hilfsmittel-­Boxen hat der VdK Deutschland mehrere Zuschriften bekommen.Ein Mitglied etwa hatte Waren im Wert von nur etwa 25 Euro (Preisniveau von Internet­apotheken) erhalten. Berücksichtigt man, dass der Händler die Hilfsmittel zum Großhandels­preis bezogen hat, ist die Differenz zum tatsächlichen Warenwert noch größer. Hinzu kommt, dass viele Anbieter von den 40 Euro auch noch die Kosten für Verpackung und Versand abziehen.

Was sollte die Box eines seriösen Anbieters enthalten?
Auf jeden Fall sollte der Warenwert bei etwa 40 Euro liegen.

Was muss ich bei Abschluss des Vertrags beachten?
Unter den Anbietern gibt es leider einige schwarze Schafe. So kann es etwa vorkommen, dass bereits während des Bestellvorgangs unbemerkt zusätzliche Leistungen angeboten werden, die man aus eigener Tasche zahlen muss.

Was kann ich tun, wenn meine Box überteuert ist?
Man kann sich nach einem anderen Anbieter umsehen und seine Box kündigen. Dies sollte schriftlich entweder per Fax, E-Mail oder Brief erfolgen. Die Angabe eines Grunds ist nicht notwendig.

Wo kann ich mich über die verschiedenen Anbieter informieren?
Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Anbietern. Die Inhalte der Box sind wählbar und lassen sich gut miteinander vergleichen. In die Suche sollten aber auch die Händler vor Ort miteinbezogen werden. Orientieren kann man sich an den gängigen Einzelhandels­preisen.

Ich habe keinen Computer. Gibt es Alternativen zu einer Bestellung im Internet?
Auch Apotheken und Sanitätsfachgeschäfte vor Ort können solche Boxen zusammenstellen und nach Hause liefern. Viele übernehmen zusätzlich die Antragstellung zur Kostenübernahme an die Pflegekasse. Auch hier lohnt sich ein Preisvergleich.

Kann ich mir statt einer Box die benötigten Pflegehilfsmittel auch selbst kaufen?
Ja, es besteht die Möglichkeit, die Pflegehilfsmittel zum Beispiel in einem Drogeriemarkt oder bei einer Online-Apotheke selbst zu kaufen. Der Vorteil ist, dass man von den Preisschwankungen des jeweiligen Anbieters unabhängig ist und günstige Angebote nutzen kann.

Was muss ich tun, damit mir die Kasse die 40 Euro erstattet?
Wer die Pflegehilfsmittel zum Verbrauch selbst besorgen möchte, muss einen Antrag auf Kostenübernahme ausfüllen und monatlich die Quittungen an die Pflegekasse schicken. Den Antrag sendet die Kasse auf Anfrage zu. Benötigt jemand dauerhaft Pflegehilfsmittel, sollte sie oder er sich mit der Pflegekasse absprechen. Bei manchen Kassen ist es ab einem bestimmten Zeitraum nicht mehr notwendig, die Quittungen einzureichen. Die Rechnungen sollten dennoch mindestens ein Jahr aufbewahrt werden.

Annette Liebmann

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