24. März 2022
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Immobilienbesitzer müssen handeln

Grundsteuer: Sechs Millionen Grundstücke in Bayern werden neu bewertet

Die im Jahr 2025 in Kraft tretende Grundsteuerreform wird Grund- und Immobilieneigentümerinnen und -eigentümer schon in diesem Jahr fordern. Sie müssen zwischen dem 1. Juli und dem 31. Oktober 2022 eine extra Grundsteuererklärung beim Finanzamt einreichen.

Haus
Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien und Grundstücken sind von der neuen Grundsteuerreform betroffen. | © Pixabay

Hintergrund: 2018 hatte das Bundesverfassungsgericht das derzeitige Besteuerungssystem von Grundstücken und Bauwerken für verfassungswidrig erklärt. Die Einheitswerte von 1935 in Ost- und 1964 in Westdeutschland gehören Ende 2024 der Vergangenheit an. Bis dahin haben die Finanzämter einen riesigen Verwaltungsakt zu stemmen. Sie müssen rund 36 Millionen Datensätze erneuern, um jedes einzelne Grundstück neu bewerten zu können.

Gigantischer Aufwand

Aufgrund des Urteils hat der Gesetzgeber Ende 2019 ein Gesetzes­paket zur Reform des Grundsteuer- und Bewertungsrechts verabschiedet. Das alte Prozedere wird allerdings wegen des gigantischen Umstellungsaufwands noch weitere fünf Jahre ab der Gesetzesverkündung angewendet.

Um die neue Grundsteuer zu ermitteln, müssen im ersten Schritt alle dafür notwendigen Daten von den Eigentümern selbst erhoben werden. Dies muss dieses Jahr passieren, damit die neue Grundsteuer fristgerecht umgesetzt werden kann. Mittels der Angaben aus der Grundsteuererklärung wird von den Finanzämtern im zweiten Schritt ein Grundsteuerwert berechnet. Neu ist, dass der Wert des Grundstücks jetzt anders ermittelt wird. Ihm wird künftig der Bodenrichtwert und eine statistisch ermittelte Nettokaltmiete anstatt des Einheitswertes zugrunde gelegt. Im dritten Schritt wird diese Kennzahl mit einer gesetzlich festgeschriebenen Steuermesszahl multipliziert, um den Grundsteuer­messbetrag zu erhalten.

Bekommen die Grundbesitzer vom Finanzamt einen Bescheid über den Grundsteuerwert oder den Grundsteuermessbetrag, ist erst mal noch nichts zu zahlen. Diese Mitteilungen dienen rein der Information der Steuerpflichtigen. Die neu ermittelte Kennzahl wird von den Finanzämtern auch an die zuständigen Gemeinden weitergereicht. So wenden die Städte und Gemeinden im vierten Schritt ihren individuellen Hebesatz an und berechnen die Grundsteuer.

Immobilienbesitzer stellen sich derzeit die Frage, was sich für sie ändert. Laut der Lohnsteuerhilfe Bayern wird es für den einen oder anderen zu Verschiebungen kommen. Manche werden mehr als zuvor berappen müssen, manche dafür weniger. Für die Gemeinden besteht jedoch die Vorgabe, dass die Einnahmen durch die Neuregelung insgesamt auf dem gleichen Niveau bleiben sollen. Der einzelne Eigentümer wird erst im Jahr 2025 erfahren, was die Reform für ihn persönlich bedeutet. Denn erst dann werden die neuen Grundsteuerbescheide durch die jeweilige Gemeinde oder Stadt mit der Zahlungsaufforderung verschickt.

Der Bund hat 2019 ein zentrales Modell zur Neuberechnung vorgelegt, aber den Bundesländern ist es gestattet, davon abzuweichen. Die Mehrheit der Länder hat das Berechnungsmodell des Bundes vollständig übernommen. Von der Öffnungsklausel Gebrauch gemacht haben aber Baden-Württem­berg, Bayern, Hamburg, Hessen und Niedersachsen.

In Bayern muss die neue Grundsteuer für rund sechs Millionen Grundstücke berechnet werden. „Dafür bietet die Steuerverwaltung ein vielfältiges Serviceangebot, beispielsweise können im Bayern­Atlas wichtige Daten für die anstehende Grundsteuererklärung kostenlos online abgerufen werden. Wir wollen alle betroffenen Bürger, Unternehmen und Kommunen auf diesem Weg mitnehmen“, sagt Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker.

Falsche Berichte

In den Medien wird vereinzelt berichtet, dass Lohnsteuerhilfevereine bei der Grundsteuererklärung beraten dürften. Dies ist aber nicht richtig und gemäß Steuerberatungsgesetz für Lohnsteuer­hilfevereine nicht zulässig, heißt es dazu von der Lohnsteuerhilfe Bayern. Das Gesetz erlaubt es Lohnsteuerhilfevereinen nicht, bei der Erstellung zu helfen. Mit der Ausfüllhilfe von Formularen wäre es auch nicht getan, da die Bescheide geprüft werden sollten und vielleicht Einspruch eingelegt werden muss.

Für Fragen rund um die Grundsteuerreform können Betroffene die Webseite www.steuerchatbot.de der Finanzbehörden nutzen oder sich an eine Steuerberatungskanzlei wenden.

Mirko Besch

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