24. März 2022
VdK-Zeitung Archiv

„Ich heize mein Zimmer nicht mehr“

Wie eine 62-jährige Rentnerin auf die steigenden Verbraucherpreise reagiert

Ob tanken, einkaufen oder heizen – die Verbraucherpreise steigen immer weiter an. Besonders einkommensschwache Haushalte geraten finanziell an ihre Grenzen. Die VdK-ZEITUNG hat mit einer betroffenen Rentnerin gesprochen.

Christa Woller
VdK-Mitglied Christa Woller spart beim Heizen und Einkaufen. | © Screenshot/BR-Fernsehen/Quer

VdK-Mitglied Christa Woller sitzt gern auf einer Bank im Stadtpark in Grafing bei München und wirft ihrer Hündin Maggie einen Ball zu, den der Schnauzer-Pudel­Mischling brav zurückbringt. „Ein Hund bewahrt vor Einsamkeit und hält im Alter mobil“, ist die 62-Jährige überzeugt. Wenn die Seniorin derzeit andere Hundeliebhaber trifft, sind die gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise ein häufiges Gesprächsthema. Dabei sind sich alle einig: Wer ohnehin schon wenig Geld zur Verfügung hat, den trifft es besonders hart. Betroffene müssen tiefer in die Tasche greifen und sich noch mehr einschränken.

So erlebt es auch Christa Woller. Die Rentnerin versucht, etwa beim Heizen zu sparen. Für ihre günstige Drei-Zimmer-Wohnung ist sie sehr dankbar, zumal ihr 36-jähriger schwerbehinderter Sohn bei ihr wohnt. „Ich heize nur das Wohnzimmer, Martins Zimmer sowie das Bad.“ Nachts regelt die Mieterin die Temperatur auf 15 Grad herunter. Ihr Zimmer und die Küche heizt sie nicht mehr. All das berichtet die Rentnerin in der Sendung „quer“ des Bayerischen Rundfunks vom 10. Februar. Der Beitrag beschäftigt sich mit den Themen steigende Verbraucherpreise und Inflationsangst.

Ende Mai vergangenen Jahres ist Christa Woller aufgrund gesundheitlicher Probleme mit Abschlägen in Rente gegangen. Sie bezieht eine monatliche Altersrente für schwerbehinderte Menschen in Höhe von 950 Euro. Die Kaltmiete für ihre 75-Quadratmeter-Wohnung beträgt 750 Euro. Die Nebenkosten liegen bei 180 Euro. Weil ihr pflegebedürftiger Sohn bei ihr lebt, stehen ihr zusätzlich 545 Euro Pflegegeld zur Verfügung.

Viel Teilzeit

Die gelernte Arzthelferin, die drei Söhne großzog, hat eine typisch weibliche Erwerbsbiografie. Rund zehn Jahre lang arbeitete sie ganztags in ihrem Beruf, ehe 1985 ihr erster Sohn zur Welt kam. Später half die junge Mutter vier bis fünf Stunden am Tag in der Schreinerei ihrer Schwieger­eltern aus, ohne für diese Arbeit bei der Rentenversicherung gemeldet zu sein. „Den Familienbetrieb zu unterstützen, war für mich selbstverständlich“, sagt die 62-Jährige. Nachdem die Schreinerei schließen musste, war sie insgesamt 21 Jahre in einem medizinischen Labor in Teilzeit beschäftigt. Und nicht zuletzt hat die Scheidung von ihrem Ehemann zu ihrer heute schwierigen finanziellen Situation beigetragen.

Auch der Sozialverband VdK sorgt sich angesichts der immensen Preissteigerungen für Energie um sozial benachteiligte Menschen: „Der Staat muss einen sozialen Ausgleich für Einkommensschwache schaffen“, fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele. Zum Beispiel, indem das Wohngeld für Menschen mit geringem Einkommen jährlich an die steigenden Energiekosten angepasst wird.

Gesund einkaufen

Nicht nur beim Heizen, auch beim Einkaufen von Lebensmitteln versucht Christa Woller zu sparen. Gleichzeitig möchte sie ihrer Familie, vor allem ihrem zweieinhalbjährigen Enkel, der sie oft besucht, gesundes Essen anbieten. Doch für Bio-Lebensmittel reicht das Budget bei Weitem nicht.
„Vielen älteren Menschen mangelt es an gesunder Ernährung, auf die sie besonders angewiesen sind“, sagt Bentele. Sie fordert daher, dass die Regelsätze für Hartz IV und die Grundsicherung im Alter neu berechnet werden.

Manchmal ist Christa Woller auch durch Tierarztkosten finanziell belastet. Eine Zahnbehandlung bei Hündin Maggie kostete sie vor Kurzem 750 Euro. Einige Erkrankungen des Hundes behandelt sie selbst, wie einen Abszess an der Kralle. „Ich bin ja Arzthelferin.“ Verzichten würde sie auf den Vierbeiner nie. „Das Tier tut auch meinem schwerbehinderten Sohn gut“, berichtet Christa Woller.

Elisabeth Antritter

Schlagworte steigende Verbraucherpreise

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