23. Februar 2022
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Mit Ausdauersport Parkinson „ein Schnippchen schlagen“

Fortschreiten der Krankheit kann durch Training abgemildert werden – Experte macht Hoffnung auf wirksame Medikamente

Eine gute Nachricht für Parkinson-Patienten: Ausdauersport verlangsamt das Fortschreiten der Erkrankung, wie aktuelle Studien zeigen. Dass Abbauprozessen des Gehirns so früh wie möglich entgegengewirkt wird, ist sehr wichtig. Umso mehr, da Experten hoffen, in den nächsten Jahren wirksame Medikamente gegen die Krankheit, von der in Deutschland etwa 400.000 Menschen betroffen sind, an die Hand zu bekommen.

Zwei Jogger in einem Park
© Pixabay

Parkinson zählt zu den häufigsten Krankheiten des Nervensystems. Vor allem die Beweglichkeit und der Bewegungsablauf sind gestört. Bei Menschen ab Mitte 50 bis Mitte 60 wird die Diagnose am häufigsten gestellt. Kennzeichnend für Parkinson ist ein stetiger Verlust von Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin enthalten. Dopamin sorgt dafür, dass bestimmte Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben werden.

Immer mehr Fachleute versuchen, die derzeit unheilbare Krankheit nicht nur mit den bislang zugelassenen Medikamenten, sondern umfassend zu behandeln. Bewegung ist hier ein wichtiger Baustein, sagt Prof. Dr. Lars Timmermann, stellvertreten­der Präsident der Deutschen Ge­sellschaft für Neurologie (DGN) und Direktor der Klinik für Neu­rologie des Universitätsklinikums Marburg (UKGM), wo er das Par­kinson-Zentrum leitet: „Ausdauersport hat eine messbare Wirkung auf das Gehirn.“ Damit werden die Hirnregionen verbessert, die für die Planung, Ausführung und Kon­trolle von Bewegungen zuständig sind.

„Ausdauersport kann dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegenwirken“, erklärt er. Mindestens dreimal die Woche für 30 bis 60 Minuten müsse trainiert werden. Das könne zum Beispiel Nordic Walking, Wandern oder Radfahren sein. „Sport, bei dem man allenfalls ein bisschen aus der Puste gerät“, so Timmermann. Diese Form des Sports habe sehr positive Auswirkungen auf die Beweglichkeit, die Zufriedenheit, aber auch auf die Funktion des Körpers bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson. Ärztinnen und Ärzte sollten die Betroffenen am besten konsequent zum Training motivieren und anleiten. Täglich ein kleines Übungsprogramm für zu Hause, um Beweglichkeit, Kraft und Balance zu stärken, könne zusätzlich zum Ausdauersport verordnet werden.

Hirnareale umschalten

Der Botenstoff Dopamin wird im Gehirn durch Bewegung ausgeschüttet, erklärt der Arzt. „Durch Sport gelingt es dem Gehirn, dem Parkinson ein Schnippchen zu schlagen und die notwendigen Funktionen auf weniger betroffene Hirnareale umzuschalten,“ sagt Timmermann. Man müsse aber fleißig bleiben. „Wer nicht trainiert, verliert diese Umschaltmöglichkeiten. Wer rastet, der rostet, gilt leider auch für Parkinson.“ Man könne durch viel Sport und mit gezielter Physiotherapie Gedächtnis und Konzentration der Betroffenen verbessern. Ebenso hebe Bewegung die Stimmung, reguliere außerdem Verstopfung, Schwitzen und den Blutdruck.

„Eine frühe Therapie kann einen entscheidenden Unterschied machen“, betont Timmermann. Gerade in Hinblick auf kommende neue Medikamente – wohl in den nächsten zwei, drei Jahren. „Es gibt viele Substanzen, die gerade in der Entwicklung sind, von denen ich guter Hoffnung bin, dass sie helfen. Die meisten machen gerade den Schritt in die Studienphase 1 bis 3, von der Maus zum Patienten“, erklärt der Neurologe. Es gebe sehr ermutigende Ergebnisse in Tierexperimenten. So könne es vielleicht schon bald Medikamente geben, die die Krankheit „besser therapieren, im Verlauf mildern oder im besten Fall stoppen können“, sagt er.

Sollte dies in naher Zukunft möglich sein, sei es umso wichtiger, ,,früh eine korrekte Diagnose zu stellen, um in einem möglichst fitten Stadium möglichst viel noch zu retten“. Betroffene Menschen können sich an Neurologen oder auch Expertenzentren wenden. Timmermann erläutert: „Die meisten Menschen, die Parkinson entwickeln, merken es entweder selber, oder der Partner tut das.“ Anzeichen könnten kleine Dinge im Alltag sein: „Wenn die Hand steifer wird oder in Ruhe beginnt zu zittern, eine Schulterverspannung, obwohl der Orthopäde nichts findet, ein vermindertes Mitschwingen des Armes beim Spazierengehen.“

Auch Riechstörungen seien ein Symptom, ebenso ein unruhiger Schlaf. Etwa, wenn der Bettpartner immer wieder einen Schlag abbekomme. Man spreche hier von REM-Schlaf-Verhaltensstörungen oder Traumschlafstörungen. Die Modulation der Stimme verändere sich schon Jahre, bevor man Bewegungsstörungen bekomme. „Die Stimme wird monotoner, die Umwelt nimmt das als desinteressiert wahr.“

Zuletzt möchte Timmermann auch Parkinson-Betroffene in einem späteren Stadium der Krankheit für Bewegung motivieren. Sie profitierten laut mehrerer Studien ebenfalls. Gut seien neben Ausdauersport etwa das Tanzen, um Rhythmus in die Bewegung zu bringen, oder die fließenden, großen Bewegungen des Tai Chi.

Petra J. Huschke

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