23. Februar 2022
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Kinder, Küche, keine Karriere

Bundesregierung will weibliche Erwerbsbeteiligung fördern – das ist so vernünftig wie überfällig

Am Internationalen Frauentag am 8. März soll an die noch lange nicht erreichte Gleichberechtigung erinnert werden. Auch Deutschland hat noch einiges zu tun. Selten gab es in einem Koalitionsvertrag so viele frauenpolitische Passagen.

© VdK

Die Ampel-Parteien haben sich bis 2030 ein sehr konkretes Ziel gesetzt: „In diesem Jahrzehnt muss die Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht werden.“ Insbesondere die Erwerbsbeteiligung von Frauen müsse deutlich erhöht werden. „Das ist so vernünftig wie überfällig. An diesen Versprechen wird sich die Bundesregierung messen lassen müssen“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

„Doch wenn etwa die Minijob-Grenze angehoben wird und steuerliche Anreize wie das Ehegattensplitting weitgehend erhalten bleiben, werden Frauen sich weder aus Teilzeitfallen noch aus alten Rollenmustern befreien“, warnt die VdK-Präsidentin. Die Gesellschaft müsse sich aus dem Denken lösen, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf reine Frauensache ist. „Es ist ein Elternthema. Verantwortung muss fair verteilt werden. Dafür muss es deutliche Anreize geben. Viele Maßnahmen der Bundesregierung bleiben hier aber halbherzig“, kritisiert Bentele.

Beispiel Elterngeld: Dieses wird zwölf Monate bezahlt. Zwei zusätzliche Monate gibt es bisher, wenn sich der zweite Elternteil zum Antrag entschließt. Geplant sind künftig drei Zusatzmonate. „Die Vätermonate werden verlängert“, wird das in vielen Berichten formuliert. Denn sehr wahrscheinlich werden weiterhin die Kindsväter die kürzere Zeit nehmen. „Mutig und zielführend wäre gewesen, die Bedingung der maximalen Ausschöpfung des Elterngelds an die gleiche Aufteilung der Zeit zwischen Mutter und Vater zu knüpfen oder solchen Paaren vielleicht sogar Bonus-Monate zu gewähren“, so Bentele.

Tatsächlich können gesetzliche Vorgaben zur Gleichstellung Rollenmuster aufbrechen. Seit 2021 müssen börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Konzerne mindestens eine Frau in den Vorstand berufen, sobald dieser mehr als drei Personen umfasst. In Deutschland stieg der Frauenanteil in den Dax-Vorständen nun von 15 auf 19 Prozent – immer noch wenig im Vergleich etwa zu Frankreich oder Großbritannien. Doch auch hierzulande findet ein Wandel in den Chefetagen statt, berichten Personalberatungsfirmen. In großen Unternehmen gilt es als rückschrittlich und wettbewerbsgefährdend, wenn sie männerdominiert auftreten. Deshalb suchen Headhunter derzeit händeringend Führungsfrauen.

Insbesondere die gebremste Rückkehr gut ausgebildeter Frauen nach der Familienphase wird inzwischen von immer mehr Firmen als großes Risiko für das eigene Unternehmen erkannt, dem mit internen Förderprogrammen entgegengewirkt werden soll. „Derzeit werden viele weibliche Talente verschwendet, investierte Ausbildungskosten gehen verloren. Frauen fehlen als Fachkräfte und sind am häufigsten von Erwerbs- und Altersarmut bedroht. Hier muss die Politik eingreifen“, fordert Bentele.

Die wichtigsten Maßnahmen: ein Entgeltgleichheitsgesetz, ein Rückkehrrecht in Vollzeit nach Teilzeitphasen, Ausbau von Kinderbetreuung und Ganztagsschulen sowie die Verpflichtung zu familienfreundlichen Arbeitszeiten.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Internationaler Frauentag | Gleichberechtigung | Frauen

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