23. Februar 2022
VdK-Zeitung Archiv

Nur zwölf Stunden am Tag barrierefrei

Der Passauer Bahnhof bietet lediglich von 8 bis 20 Uhr einen Mobilitätsservice an

Für die Fahrt mit der Deutschen Bahn brauchen Rollstuhlfahrer den Mobilitätsservice. Doch dieser muss nicht nur bestellt werden, er ist vielerorts auch nicht immer verfügbar, am Passauer Bahnhof zum Beispiel nur von 8 bis 20 Uhr.

Rollstuhlfahrerin im Hebelifter
Eine Rollstuhlfahrerin wird am Berliner Hauptbahnhof vom Bahnpersonal in einen Hebelifter gehoben. | © Wolfgang Bellwinkel/DGUV

VdK-Mitglied Manuel Frank* reist gerne mit dem Zug durch Europa. Als Rollstuhlfahrer ist er dabei meistens auf den Mobilitätsservice der Deutschen Bahn (DB) angewiesen. Mithilfe eines Hebelifters kommt er vor Abfahrt in den ICE oder Intercity, und bei der Ankunft holen ihn DB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auf diese Weise auch wieder aus dem Zug.

Meistens klappt das auch bestens, zumindest solange alles nach Plan läuft. Doch wenn es zu Verspätungen oder Zugausfällen kommt, kann es für ihn eng werden. Denn wenn er nicht rechtzeitig bis 20 Uhr in Passau ankommt, hat er dort niemanden mehr, der ihm aus der Bahn hilft.

Ins Taxi umgestiegen

Aus diesem Grund plant Manuel Frank meist sehr großzügig, um nicht in diese Situation zu gelangen. So sollte beispielsweise die letzte Zugfahrt einer Urlaubsreise mit seiner Frau planmäßig um 18.26 Uhr in Passau zu Ende gehen. Es wären also rund eineinhalb Stunden Verspätung möglich gewesen. Doch leider fiel der ICE, in den sie in Frankfurt einsteigen wollten, aus. Der Ersatzzug wäre erst um 20.26 Uhr in Passau angekommen. Es blieb ihnen dann nichts anderes übrig, als in Regensburg auszusteigen und mit dem Taxi heimzufahren. Die Fahrt zahlte zwar die Deutsche Bahn. Aber für Manuel Frank und seine Frau war dies mit großem Aufwand und Zeitverlust verbunden.

Die 250 Euro Taxikosten sind außerdem deutlich teurer für die Bahn als die Kosten für den Mobilitätsservice, erklärt Manuel Frank. Er hat selbst viel zu dem Thema recherchiert und immer wieder Kontakt zu Verantwortlichen der Bahn aufgenommen. Ihm geht es darum, nicht nur zu kritisieren, sondern mitzuhelfen, die Situation zu verbessern.

Das VdK-Mitglied ist sich bewusst, dass nicht jeder einfach den Hebelifter bedienen kann, also auch keine Begleitperson. Vielmehr ist eine gute Einführung nötig, und die Person, die diesen bedient, muss versichert sein, falls etwas passiert. Daher bedienen normalerweise Bahn-Beschäftigte diese Geräte. In Pausenzeiten werden aber auch Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) eingesetzt. Dafür bezahlt die Bahn jeweils etwa 20 Euro, wie das VdK-Mitglied erfahren hat. Dies ist also deutlich günstiger als Taxikosten oder auch Hotelrechnungen, die die Deutsche Bahn immer mal übernehmen muss, wenn Rollstuhlfahrerinnen oder -fahrer nicht mehr rechtzeitig ankommen.

Vorschläge gemacht

Manuel Frank hat den Zuständigen der Deutschen Bahn in Bayern bereits mehrere Vorschläge gemacht. So könnten zum Beispiel Beschäftigte einer Sicherheitsfirma, die ein großes Unternehmen in Passau betreut, für diese Aufgabe geschult werden und die Nachtschicht des Mobilitätsservice übernehmen. Er habe mit dieser Firma bereits gesprochen, und diese sei bereit, solch vereinzelte Einsätze spätabends oder nachts zu übernehmen.

Doch die Deutsche Bahn ging auf seine Vorschläge bisher nicht ein, und ein Gesprächsangebot von ihm blieb unbeantwortet. Selbst ein großer Bericht zu der Problematik in der „Passauer Neuen Presse“ bewirkte nichts. Das VdK-Mitglied setzt sich trotzdem weiter für Verbesserungen ein, und auch die Lust am Reisen mit der Bahn lässt sich Manuel Frank dadurch nicht nehmen.

*Name von der Redaktion geändert

Sebastian Heise

Schlagworte Mobilitätsservice | Rollstuhlfahrer | Bahnfahren | Passau | Bahnhof | Rollstuhl | Deutsche Bahn

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