23. Februar 2022
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Der Kampf ums Krankengeld

Nachdem die Krankenkasse die Zahlungen einstellte, kämpfte der VdK Haßberge zweimal erfolgreich für ein Mitglied

Die Sozialrechtsberaterinnen und -berater des VdK machen leider häufig die Erfahrung, dass Mitglieder, die Krankengeld beziehen, von ihrer gesetzlichen Krankenkasse unter Druck gesetzt werden. Auch VdK-Mitglied Ralf L. aus Haßfurt ist es so ergangen. In seinem Fall musste der VdK-Kreisverband Haßberge sogar zwei Widersprüche einlegen. Nur durch den Druck des VdK lenkte die Krankenversicherung ein, und das Krankengeld wurde weitergezahlt.

© VdK

Ralf L. hat im Herbst vergangenen Jahres noch in der Probezeit seine Stelle verloren, da ihm gekündigt worden war. Zu dem Zeitpunkt war er bereits aufgrund psychischer Probleme krankgeschrieben. Offiziell endete das Arbeitsverhältnis des Gebäude­managers am 10. September.

Am 18. Oktober 2021 kam ein Bescheid seiner gesetzlichen Krankenkasse, dass zwischen 11. und 26. September der Krankengeldbezug eingestellt wurde. Die Begründung: Aufgrund des verbleibenden Urlaubsanspruchs besteht kein Anspruch auf Krankengeld in diesem Zeitraum. Ralf L. war fassungslos und wandte sich an die VdK-Kreisgeschäftsstelle in Haßfurt.

VdK-Sozialrechtsberater Bernd Kießling vertritt das Mitglied und erklärt den Hintergrund: „Die Krankenkasse hat das Arbeitsverhältnis imaginär verlängert. Doch das Beschäftigungsverhältnis war ja schon zuvor beendet gewesen, so dass Herr L. auch keinen Urlaub mehr hätte nehmen können.“ Trotzdem habe die Krankenversicherung versucht, sich hier Kosten zu sparen. Der VdK hat am 8. November 2021 dagegen Widerspruch eingelegt. Kießling wies daraufhin, dass das Bundessozialgericht in einem anderen Fall ganz klar entschieden hat, dass ein nachträglicher Urlaubsanspruch nicht auf das Krankengeld angerechnet werden darf. Am 23. November wurde dem Widerspruch stattgegeben und bestätigt, dass das Krankengeld gezahlt wird. „Nur weil der VdK eingeschritten ist, hat die Krankenkasse nachgegeben“, so der Sozialrechtsberater.

Am Telefon bedrängt

Ralf L. hatte außerdem unter Telefonanrufen durch mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seiner Krankenversicherung zu leiden. Wieder ging es ums Krankengeld. Ein Sachbearbeiter hatte offenbar Zweifel, dass L. weiterhin arbeitsunfähig ist. Er kündigte an, dessen Psychologen kontaktieren und den Medizinischen Dienst beauftragen zu wollen, ein Gutachten zu erstellen. „Ich fühlte mich massiv unter Druck gesetzt“, berichtet der 54-jährige.

Prompt wurde ihm schriftlich mitgeteilt, dass die Krankengeld-­Zahlungen eingestellt worden sind. Dem Schreiben vom 9. November entnahm das VdK-Mitglied, der Medizinische Dienst habe festgestellt, dass seine Arbeitsunfähigkeit am 16. November geendet hat. Er wurde aufgefordert, sich umgehend beim Arbeitsamt zu melden. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, erzählt der Unterfranke. „Ich war ja von meinem Psychologen aufgrund starker Depressionen krankgeschrieben.“

„Äußerst respektlos“

Den Bescheid legte er zusammen mit Gesprächsnotizen über die Telefonate mit der Krankenkasse ebenfalls seinem VdK-Sozialrechtsberater vor. Bernd Kießling weist darauf hin, dass das Vorgehen der Krankenkasse gesetzlich wohl legitim, aber dennoch „äußerst respektlos“ ist, denn der Medizinische Dienst hat das VdK-Mitglied nie gesehen und nur nach Aktenlage entschieden.

Der VdK Haßberge legte ein weiteres Mal Widerspruch ein. „Wir haben den behandelnden Arzt von Herrn L. um Unterstützung gebeten. Dieser stellte ein Attest aus, dass der Patient aufgrund seines akuten Zustands für den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht und weiterhin arbeitsunfähig ist“, sagt der Sozialrechtsberater. Der Kampf des VdK führte zum Erfolg: Im Widerspruchsbescheid der Krankenkasse vom 29. November bestätigte diese, dass die Arbeitsunfähigkeit anerkannt wird und das Mitglied weiterhin Krankengeld bezieht. „Ich bin für die kompetente Unterstützung durch den VdK sehr dankbar“, betont Ralf L.

Elisabeth Antritter

Schlagworte So hilft der VdK | Sozialrechtsberatung | Krankenkasse | Arbeitsunfähigkeit

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