30. Juli 2021
VdK-Zeitung Archiv

„Ich habe wieder mehr Lebensqualität“

30-jährige Mutter erhält mithilfe des VdK eine Cannabistherapie bewilligt

Als sie feststellte, dass ihr Cannabisblüten besser helfen und diese verträglicher sind als ihre Medikamente, hoffte VdK-Mitglied Daniela Dirr aus der Nähe von Günzburg (Bayern), ihre Krankenkasse werde die Kosten dafür übernehmen. Doch die lehnte dies zunächst ab.

Apotheker Hans-Ulrich Hartmann aus Pfaffenhofen an der Roth hatte auf die Fragen von Daniela Dirr zu Cannabis stets hilfreiche Antworten. | © privat

Daniela Dirr hat Morbus Crohn, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die meist mit ständigem Durchfall und krampfartigen Bauchschmerzen einhergeht. Die 30-Jährige wurde schon mehrfach operiert, zudem machte sie mehrere Therapien. Nachdem ihr zusätzlich ein chronisches Schmerzsyndrom diagnostiziert wurde, bekam sie ab 2015 Opiate verschrieben, die sie jedoch nicht gut vertrug. „Ich habe drei Kinder, bin alleinerziehend und muss daher funktionieren. Doch entweder hatte ich starke Schmerzen oder ich nahm die Opiate, lag dafür aber mit Kreislaufproblemen und dauernder Übelkeit auf dem Sofa herum“, berichtet sie.

Darüber hinaus habe sie keinen Appetit mehr gehabt, sie aß zu wenig und nahm stark ab. Nach dem Rat eines Apothekers probierte sie medizinische Cannabisprodukte gegen die Schmerzen aus und merkte schnell: „Das hilft mir super!“ Im Juli 2019 stellte sie daher zusammen mit ihrer Hausärztin einen formlosen Antrag auf Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse. Anfang September traf der Ablehnungsbescheid ein.

Daniela Dirr wandte sich an den VdK. Martin Jonietz, damals Sozialrechtsberater beim Kreisverband Günzburg, inzwischen VdK-Kreisgeschäftsführer in Neu-Ulm, legte Widerspruch ein. Er verwies zum einen auf einen Verfahrensfehler, weil die Ablehnung zu lange gedauert hatte. „Und zum anderen haben wir argumentiert, dass die Opiate bei Daniela Dirr starke Nebenwirkungen hervorrufen und sie deswegen auf Cannabis umgeschwenkt ist.“ Für Jonietz ist die Geschichte kein Einzelfall: „Mein Eindruck ist, dass Krankenkassen Patienten gerne auf die konservative Therapie abschieben möchten“, sagt er. „Diese beinhaltet aber eben oft Medikamente mit starken Nebenwirkungen.“

Damit hat Daniela Dirr nun nicht mehr zu kämpfen. Ende Januar 2020 wurde ihr die Kostenübernahme bewilligt. Viermal am Tag erhitzt die 30-Jährige nun Blüten mit einem Vaporisator und inhaliert den Dampf, in welchem sich die freigesetzten Wirkstoffe befinden. „Es geht mir jetzt viel besser. Ich bin wieder arbeitsfähig, habe wieder wesentlich mehr Lebensqualität. Ich kann wieder richtig am Leben meiner Kinder teilnehmen und endlich wieder normal essen“, freut sie sich. „Es nimmt mir die Schmerzen und die Anzahl der Durchfälle hat sich deutlich reduziert. Ich bin wirklich froh, dass der VdK mich so unterstützt hat.“

Umstrittene Wirkung

Für die dreifache Mutter ist es unverständlich, warum es immer noch schwierig ist, einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, der oder die Cannabis verschreibt. Dabei könne damit noch viel mehr Menschen geholfen werden. Doch die Blüten sind einerseits sehr teuer, andererseits muss deren Wirkung noch weiter erforscht werden. Die Deutsche Schmerzgesellschaft zum Beispiel weist darauf hin, dass lediglich bei einem Bruchteil der Erkrankungen mit speziellen chronischen Schmerzen erwiesen ist, dass cannabisbasierte Arzneimittel
helfen. Cannabis als Medizin bleibt also – auch unter Experten – weiterhin umstritten.

Mirko Besch

Schlagworte Cannabistherapie | Morbus Crohn | So hilft der VdK | chronische Schmerzen | cannabisbasierte Arzneimittel | Cannabis als Medizin | medizinische Cannabisprodukte

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