25. Mai 2021
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VdK erreicht Nachzahlung von 92 000 Euro

Chronisch krankes Mitglied bekommt für mehr als neun Jahre rückwirkend Erwerbsminderungsrente überwiesen

Immer wieder setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VdK Bayern Nachzahlungen für die Mitglieder des Verbands durch. Doch die Summe, die eine Frau aus der Oberpfalz von der Deutschen Rentenversicherung überwiesen bekommen hat, ist äußerst ungewöhnlich.

Die Deutsche Rentenversicherung hat letztlich doch die Erwerbsminderungsrente gewährt.
Die Deutsche Rentenversicherung hat letztlich doch die Erwerbsminderungsrente gewährt. | © Deutsche Rentenversicherung Bund/Armin Okula

Mehr als 92.000 Euro bekommt die 58-jährige Marianne Thurgau* an Erwerbsminderungsrente nachgezahlt. Damit hat sich ihre Geduld, aber vor allem der sozialrechtliche Einsatz des VdK Bayern mehr als gelohnt. Und nach einer jahrelangen Leidensgeschichte bekommt die Frau nun wenigstens die finanziell nötige Entlastung.

Rund 30 Jahre konnte Marianne Thurgau ihrem Beruf nachgehen. Doch vor etwas mehr als zehn Jahren änderte sich dies. Sie litt immer mehr unter einer psychischen Erkrankung, und 2013 geriet sie dann auch noch in einen heftigen Streit mit ihrem Nachbarn. Dieser warf die Tür zu. Unglücklicherweise hatte Marianne Thurgau die rechte Hand dazwischen und erlitt so eine starke Quetschverletzung an einem Finger, die zu einem dauerhaften Schaden an der Hand führte.

Es folgten chronische Schmerzstörungen, und die psychischen Probleme nahmen weiter zu. Sie leidet seitdem unter einer schweren Angststörung und Wahnvorstellungen. Sie war lange krankgeschrieben. Im Februar 2011 beantragte sie eine berufliche Rehabilitation. An eine Rückkehr an den Arbeitsplatz war trotzdem nicht zu denken. Als die Lohnfortzahlung und der Krankengeldbezug zu Ende gingen, beantragte sie volle Erwerbsminderungsrente. Doch diese lehnte die Rentenversicherung ab. Daraufhin wandte sich Marianne Thurgau an den Sozialverband VdK. Der Widerspruch gegen die Ablehnung fiel auch negativ aus.

Erfolglose erste Klage

Dann nahm sich der VdK-Kreisverband Weiden des Falles an und klagte vor dem Sozialgericht Regensburg auf Zahlung einer Erwerbsminderungsrente. Leider auch ohne Erfolg. Zwar sah das Gericht in der Verhandlung im März 2020 aufgrund der Gutachten die medizinischen Voraussetzungen für eine volle Erwerbsminderung als gegeben an, allerdings erst ab September 2017. Da die Klägerin jedoch vor diesem Zeitpunkt aufgrund ihrer Krankheit mehrere Jahre nicht gearbeitet und so auch nicht in die Rentenversicherung einbezahlt hatte, erfüllte sie laut Urteil des Sozialgerichts Regensburg nicht die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen.

Doch VdK-Sozialrechtsvertreterin Beatrice Urban, die das Mitglied vor Gericht vertrat, konnte die Urteilsbegründung nicht nachvollziehen und legte für Thurgau Berufung vor dem Bayerischen Landessozialgericht in München ein. In der Begründung verwies die VdK-Juristin darauf, dass Marianne Thurgau bereits seit 2013 keinerlei Arbeit mehr verrichten konnte. Sie sei in dieser Zeit Opfer einer Gewalttat geworden und habe eine Verletzung am Finger erlitten, die bis heute nicht verheilt sei, schrieb Beatrice Urban. Außerdem verwies sie auf das Gutachten der Gerichtssachverständigen, die zweifelsfrei festgestellt habe, dass Thurgau nicht mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Zudem äußerte schon im Sommer 2011 eine Fachärztin für Psychatrie und Psychotherapie den Verdacht auf eine paranoide Störung, und ein Bezirkskrankenhaus diagnostizierte nur wenige Wochen später eine anhaltend wahnhafte Störung.

Positive Wende

Thomas Neis, Sozialrechtsvertreter in der VdK-Landesgeschäftsstelle, übernahm den Fall und vertrat Marianne Thurgau vor dem Landessozialgericht. Der Prozess nahm eine positive Wende. Denn das Gericht machte deutlich, dass es der Argumentation des Sozialverbands VdK folgt.

Daraufhin gab die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd nach und bot einen Vergleich an, der selbst für den erfahrenen VdK-Juristen ungewöhnlich war. Denn die Rentenversicherung war nicht nur bereit, ab 2013 die Erwerbsminderungsrente nachzuzahlen, sondern schon ab Februar 2011. Grund dafür war die damals beantragte Rehabilitationsmaßnahme. Diese wurde umgedeutet in einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente.

So bekam Marianne Thurgau rückwirkend für neun Jahre eine Rentennachzahlung in Höhe von 86.923 Euro plus 5426 Euro an Zinsen, insgesamt also 92.349 Euro. Thomas Neis hat so einen Fall noch nie erlebt. Es ist nach seinen Worten äußerst selten, dass ein Leistungsfall schon neun Jahre zuvor eingetreten ist und zugleich rückwirkend für eine so lange Zeit Erwerbsminderungsrente nachgezahlt wird. In diesem Fall gab es den Glücksfall, dass damals eine Reha beantragt wurde. Diese Kombination macht den Fall einmalig. Neben der Rückzahlung bekommt Marianne Thurgau nun bis an ihr Lebensende Erwerbsminderungsrente. Ein Erfolg für sie, den sie dem Sozialverband VdK zu verdanken hat.

*Name von der Redaktion geändert

Sebastian Heise

Schlagworte Rente | Rentenversicherung | Erwerbsminderungsrente | VdK | Klage | Widerspruch | Sozialgericht

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