23. Februar 2021
VdK-Zeitung Archiv

Bayerns Rentner leben bescheiden

Der aktuelle Rentenreport des DGB Bayern bestätigt die Einschätzungen des VdK zur Altersarmut

Der im Januar vorgestellte DGB-Rentenreport zeigt, dass in Bayern für immer mehr Menschen der Lebensabend voller finanzieller Sorgen steckt. Das Zahlenwerk untermauert die renten- und arbeitsmarktpolitischen Forderungen des Sozialverbands VdK Bayern.

© VdK

Für die Statistiken des DGB lagen die Zahlen bis 2019 zugrunde. Sie bilden also die Situation vor der Corona-Pandemie ab. Der bayerische Wohlstand hatte aber da schon seine Schattenseiten. Etwa auf dem Arbeitsmarkt, wo sich gerade in Bayern viele Menschen mit Niedriglohn, aber auch mit Leiharbeit, Teilzeit- oder Minijobs ihren Lebensunterhalt verdienen: Männer zu etwa zehn, Frauen zu 30 Prozent. Mit fatalen Folgen für die spätere Rente, weil kaum oder gar keine Beiträge bezahlt werden.

Auch die regionalen Unterschiede in den Erwerbsverläufen und damit die Wirtschaftskraft der Regionen zeigen sich deutlich bei den durchschnittlichen Neurenten 2019 in Bayern. Männer im Landkreis Eichstätt sind mit 1465 Euro Spitzenreiter, in der Stadt Augsburg mit 805 Euro die Schlusslichter. Neurentnerinnen im Landkreis München kommen auf 890 Euro, im Landkreis Freyung-Grafenau jedoch nur auf 592 Euro. Insgesamt beträgt der „Gender Pension Gap“, also der Unterschied zwischen Männer- und Frauenrenten, in Bayern 36 Prozent. Die Armutsgefährdungsschwelle lag in Bayern 2019 bei 1155 Euro. Selbst im Landkreis München sind die Seniorinnen mit einer Durchschnittsrente von 890 Euro weit davon entfernt.

„Die Angst vor Altersarmut hat in Bayern eine sehr realistische Grundlage“, kommentiert VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher diese Zahlen. Hinzu kommt, dass Ältere am Arbeitsmarkt enorm unter Druck stehen. „Einerseits wird das Renteneintrittsalter allmählich auf 67 angehoben, andererseits müssen viele schon ab Mitte 50 um den Verbleib im Job kämpfen. Dieses Problem wird die Corona-Pandemie verschärfen“, warnt Mascher.

Keine Jobs ab 60

Der DGB spricht von „Altersdiskriminierung“ und zeigt dies anhand der Arbeitslosenzahlen. Bei den 58- bis 60-Jährigen schaffen es nur 27 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen aus der Arbeitslosigkeit innerhalb von zwei Jahren wieder in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit. Ab 60 wird ein neuer Job zum großen Glücksfall: Bis 64 Jahre sinken die Vermittlungsquoten auf fünf Prozent bei den Männern und neun Prozent bei den Frauen. Viele werden in die vorzeitige Rente gedrängt – mit lebenslang hohen Abschlägen.

„Diesen Menschen entgehen durch diese verfehlte Renten- und Arbeitsmarktpolitik wertvolle Rentenpunkte“, kritisiert Mascher. Gute Löhne, gute Rente: In dieser Einschätzung stimmen VdK und DGB überein. Gerade in Bayern wäre ein Mindestlohn von 13 Euro, wie ihn der VdK fordert, ein wichtiger Schritt. Die Folgen von Corona dürften jetzt und später auch kein Vorwand sein, Ältere und Frauen am Arbeitsmarkt noch weiter zurückzudrängen, sagt Mascher: „Sonst wird Altersarmut zum Massenphänomen.“


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Schlagworte Gender Pension Gap | Altersarmut

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