24. Februar 2021
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Bei manchen wird es eng

Grundrente kann aus vielen verschiedenen Gründen scheitern

Zum 1. Januar wurde in Deutschland die Grundrente eingeführt. Doch noch wird bei der Rentenversicherung eifrig gerechnet, wer sie überhaupt bekommt. Durch die vielen Kriterien, die berücksichtigt werden müssen, ist es schwierig vorherzusagen, ob ein Anspruch besteht. Das zeigen die Beispiele zweier VdK-Mitglieder.

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Viele ältere Menschen hoffen darauf, durch die Grundrente bald höhere Altersbezüge zu erhalten. Allerdings müssen sie sich noch mindestens bis zum Sommer gedulden, bis die Bescheide der Rentenversicherung kommen. Für Laien ist es auch schwierig herauszufinden, ob man Anspruch auf diese neue Sozialleistung hat. Dr. Kolja Rudzio, Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, hat mit zwei bayerischen Rentnerinnen gesprochen, die VdK-Mitglied sind, und sich deren Versicherungsverläufe genau angeschaut.

Franziska Küpper, wie der Redakteur die eine von beiden nennt, weil sie lieber anonym bleiben will, ist 76 Jahre alt und lebt in München. Bereits mit 14 Jahren fing sie als Auszubildende in einer Metzgerei an. Später lernte sie Köchin, heiratete und bekam fünf Kinder. Mit 43 Jahren starb ihr Mann, und sie zog ihre Kinder alleine groß. Auf Sozialhilfe verzichtete sie und arbeitete so viel wie möglich. Sie führte eine Kantine, hatte eine Gaststätte und zuletzt war sie jahrelang für den Medienunternehmer Leo Kirch tätig. Nach dessen Pleite im Jahr 2002 wurde sie arbeitslos. Danach ging Franziska Küpper in Ruhestand.

„Täglicher Kampf“

Sie bekommt monatlich eine Rente von 1075 Euro und 115 Euro Wohngeld. Abzüglich der Miete, der Krankenversicherung sowie der Kosten für Strom, Telefon und Versicherungen bleiben ihr rund 300 Euro. „Das reicht nur fürs Überleben, für Waschmittel und Essen“, sagt sie der „Zeit“. Sie wolle nicht jammern, aber es sei ein täglicher Kampf. Kann sie auf eine Verbesserung durch die Grundrente hoffen?

Daniel Overdiek, Leiter der Rechtsabteilung des Sozialverbands VdK Bayern, schaut sich die für die Rentenversicherung relevanten Daten an. Ein Pluspunkt sind die fünf Kinder. Denn für die Grundrente werden bis zu zehn Jahre pro Kind gerechnet, allerdings maximal ein Jahr je Kalenderjahr. Kamen die Kinder zum Beispiel innerhalb von acht Jahren auf die Welt, werden höchstens 18 Jahre gewertet. Da sie während der Kindererziehung lange selbstständig tätig war, wird diese Zeit jedoch wieder abgezogen. So kommt sie zusammen mit den Jahren, in denen sie in die Rente eingezahlt hat, nur auf 29 statt der notwendigen 33 Jahre. Sie wird also voraussichtlich keine Grundrente bekommen.

Anders sieht es bei Sabine Maier* aus. Die 69-jährige Rentnerin aus Dachau hat zwei Kinder allein erzogen und außerdem so lange sozialversicherungspflichtig gearbeitet, dass sie auf 34 Jahre und zehn Monate kommt. Allerdings sind viele Jahre davon nur sogenannte Grundrentenjahre und keine Grundrentenbewertungsjahre. Das heißt, sie hat zwar die nötigen Jahre erreicht, aber es wird ihr nicht für diese Zeit Rente gutgeschrieben. Sie käme nach Angaben der „Zeit“ gerade einmal auf eine Grundrentenzulage von 4,99 Euro im Monat. Ob dieser Betrag so ausgezahlt wird, kann nur die Rentenversicherung ausrechnen, der VdK kann dies leider nicht.

Diese Fälle zeigen, dass die gesetzliche Regelung der Grundrente deutliche Schwächen aufweist. „Für viele Menschen sind die geforderten 33 Jahre nicht erreichbar“, kritisiert VdK-Präsidentin Verena Bentele in der „Zeit“. Neun von zehn Personen, die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beziehen, erfüllen die Kriterien für die Grundrente nicht. Der VdK fordert daher Nachbesserungen.

*Name von der Redaktion geändert

Sebastian Heise

Schlagworte Grundrente | Rente | Altersbezüge

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