24. Februar 2021
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Schon ein Gläschen kann zu viel sein

Im Alter verträgt der Körper weniger Alkohol

Ältere Menschen sollten sich beim Genuss von Alkohol zurückhalten. Schon ein Gläschen kann bei ihnen die Gesundheit beeinträchtigen und zu Wechselwirkungen mit Medikamenten führen. Michaela Goecke, Leiterin des Referats Suchtprävention der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), erläutert, warum das so ist.

Glas Rotwein
© unsplash

Alkohol ist ein Zellgift, das Schäden hervorrufen kann. Mit zunehmendem Alter steigen einem Bier und Wein immer mehr zu Kopf. Der Grund dafür sind körperliche Veränderungen: „Ältere Menschen vertragen weniger Alkohol, weil ihre Zellen Flüssigkeit nicht mehr so gut speichern können. Der Alkohol verteilt sich daher auf weniger Körperflüssigkeit, und das erhöht die Alkoholkonzentration im Blut. Die Folge ist, dass die Wirkung des Getränks stärker ausfällt“, erklärt Goecke. Weil Reaktionsfähigkeit, Koordination und Konzentration beeinträchtigt sind, steigt das Risiko, zu stürzen oder einen Unfall zu verursachen.

Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen generell zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen. Das verstärkt die Wirkung zusätzlich. Im Alter kann der Abbau des Alkohols durch die Leber außerdem verzögert sein. Das heißt, die Wirkung des Getränks hält länger an. „Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ältere Menschen Medikamente einnehmen: Hier kann es zu riskanten Wechselwirkungen kommen“, warnt Goecke. Ohnehin ist ein regelmäßiger und hoher Alkoholkonsum nicht ratsam: Zahlreiche Erkrankungen können entstehen, wie etwa Bluthochdruck, Diabetes, Erkrankungen der Leber, des Herz-Kreislauf-Systems sowie Krebs. Bereits bestehende Vorerkrankungen können sich verschlimmern. Alkohol ist außerdem eine Droge und kann abhängig machen.

Oft beginnt eine Sucht schleichend und entwickelt sich über viele Jahre hinweg. Häufiges Trinken kann aber auch Ängste und depressive Verstimmungen auslösen, zu Schlafstörungen, Verwirrtheit und Konzentrationsschwierigkeiten führen. Heißt das nun, dass ältere Menschen gar keinen Alkohol mehr trinken sollen? „Nein“, beruhigt Michaela Goecke. „Es spricht nichts dagegen, ab und zu ein Glas Wein oder Bier am Abend zu genießen, aber dabei sollte man es dann belassen.“

Männer vertragen Alkohol in der Regel besser als Frauen. Risikoarmer Alkoholkonsum bedeutet für gesunde Frauen im Erwachsenenalter daher maximal ein Achtel Wein oder ein kleines Glas Bier am Tag, für Männer ein Viertel Wein oder zwei kleine Gläser Bier. Ältere Menschen sollten unter dieser Menge bleiben. Außerdem ist es ratsam, an mindestens zwei Tagen in der Woche eine Pause einzulegen, damit keine Sucht entsteht.

Nie aus Frust trinken

Für Menschen, die sich schwer tun, weniger Alkohol zu trinken, hat die Expertin ein paar Tipps parat: „Es hilft, möglichst wenige oder gar keine Spirituosen im Haus zu haben, den Durst nie mit Alkohol zu löschen und zu einem alkoholischen Getränk immer auch ein alkoholfreies Getränk zu trinken.“ Alkoholische Getränke können ein Genuss sein. Deshalb sollten sie immer langsam und bewusst getrunken werden. „Auch der Anlass des Trinkens ist wichtig: Nie aus Frust, Traurigkeit oder Langeweile zu Alkohol greifen“, rät Goecke. Wer in Gesellschaft nicht mittrinken möchte, solle das klar kommunizieren – meist werde das akzeptiert.

Die BZgA klärt nicht nur über die Folgen eines hohen Alkoholkonsums auf, sondern hilft auch weiter, wenn jemand Beratung braucht. Oft sind es die Angehörigen, die bemerken, dass jemand zu viel oder zu häufig trinkt. Ihnen rät Goecke, in einem ruhigen Moment unter vier Augen darüber zu sprechen, ohne dem Betroffenen Vorwürfe zu machen. Besser ist es, Ich-Botschaften zu senden, wie etwa „Ich mache mir Sorgen um dich.“ „Wichtig ist, dass beim Gegenüber ankommt, dass man helfen möchte“, betont sie. Nach wie vor sei Alkoholmissbrauch ein Tabuthema. „Deshalb ist Sensibilität und Empathie erforderlich, wenn man Hilfe anbietet“, so die Expertin.

Info

Weitere Auskünfte zum Thema Alkoholkonsum erteilt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA):

www.kenn-dein-limit.de

Infotelefon für Betroffene und Angehörige (Montag bis Donnerstag, 10 bis 22 Uhr, und Freitag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr): (0221) 892031

Annette Liebmann

Schlagworte Alkohol | Alkoholsucht

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