11. Dezember 2020
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Im Einsatz für ein inklusives München

VdK-Mitglied Oswald Utz bleibt Behindertenbeauftragter der Landeshauptstadt – Neue Rollstuhltaxis vorgestellt

Mitglieder des Sozialverbands VdK Bayern setzen sich vielerorts in der Kommunalpolitik ein. Ein Beispiel ist Oswald Utz. Nach 16 Jahren wurde er erneut für vier weitere Jahre als Behindertenbeauftragter der Stadt München gewählt. Bereits in den ersten Wochen seiner neuen Amtszeit konnte er einen wichtigen Erfolg vermelden, für den auch der VdK gekämpft hat. Gemeinsam mit Münchens Dritter Bürgermeisterin Verena Dietl stellte Oswald Utz Rollstuhltaxis vor.

Rollstuhltaxi
Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl und Behindertenbeauftragter Oswald Utz mit den Taxiunternehmern Max Jung-Grundmann und Florian Bachmann (von rechts) sowie zwei umgebauten Rollstuhltaxis. | © Michael Nagy/Presseamt München

Im Rahmen eines speziellen Förderprogramms haben erste Taxiunternehmen einzelne Fahrzeuge mit einem städtischen Zuschuss rollstuhlgerecht umrüsten lassen. Damit können sich nun Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer flexibel und unabhängig im Taxi befördern lassen, ohne den Rollstuhl verlassen zu müssen. Die Landeshauptstadt stellt für dieses Programm 300.000 Euro bereit. Die Initiative des Förderprogramms geht dabei maßgeblich auf den Behindertenbeirat der Stadt München zurück.

„Bisher konnten Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer nachts, am Wochenende oder einfach spontan so gut wie nie mit dem Taxi fahren“, erklärt der Behindertenbeauftragte. „Es war notwendig, viele Tage vorher einen Fahrdienst zu organisieren, der oft ausgebucht ist. Dies schränkt die selbstbestimmte Lebensführung sehr ein.“ Er freut sich deshalb, dass die Taxiunternehmen die Förderung annehmen und sich mit umgebauten Taxis besser auf die Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einstellen können. Auch der VdK Bayern fordert seit Jahren, solche Taxis einzusetzen.

Deutlicher Wahlsieg

Einige Tage zuvor war Oswald Utz als Behindertenbeauftragter wiedergewählt worden. Gegen zwei Mitbewerberinnen und einen Mitbewerber setzte sich der 55-Jährige gleich im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit der Stimmen durch. Er freue sich sehr, dass er die Abstimmung deutlich gewinnen konnte und weiter dieses Amt ausüben darf, sagt er im Gespräch mit der VdK-ZEITUNG. Für das langjährige VdK-Mitglied bedeutet dies eine Bestätigung seiner bisherigen Arbeit als Behindertenbeauftragter.

In München sei seit seiner ersten Wahl zum Behindertenbeauftragten vor 16 Jahren viel Positives geschehen. Beim Thema Barrierefreiheit würde er der Stadt die Schulnote 2 geben. Abgeflachte Bordsteine seien inzwischen Standard, und auch beim Thema sehbehindertengerechte Verkehrsampeln habe sich viel getan. Und wenn eine Bushaltestelle neu angelegt wird, müsse er nicht mehr jedes Mal Barrierefreiheit anmahnen, erläutert Oswald Utz.

Es ist ihm wichtig, Behindertenrechte nicht immer wieder neu durchsetzen zu müssen. Diese müssten viel mehr automatisch in der Planung und Umsetzung berücksichtigt werden. Von schönen Leuchtturmprojekten hält er dagegen wenig. Bei der Inklusion, also dem selbstverständlichen Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung, sieht er in der Landeshauptstadt noch einen größeren Nachholbedarf und würde München in diesem Punkt daher nur die Schulnote 3 geben.

So bieten Kindertagesstätten nach wie vor wenige Plätze für Mädchen und Jungen mit Behinderung an. Verzweifelte Eltern würden ihn daher oft um Hilfe bitten. Doch die Stadt stecke in einem Dilemma. Durch das starke Einwohnerwachstum kommt München kaum hinterher, genügend Kitaplätze zur Verfügung zu stellen, und bei Kindern mit erhöhtem Betreuungsbedarf sei die Situation noch angespannter, beklagt Oswald Utz.

Die Landeshauptstadt braucht nach seinen Worten auch deutlich mehr barrierefreien Wohnraum und zusätzliche Angebote für betreutes Wohnen. Wenn ein Mensch mit Behinderung aus dem Elternhaus ausziehen möchte, muss er viel Geduld aufbringen. „Das ist ein Projekt, das zwei, drei Jahre dauern kann.“ Denn die Nachfrage sei wesentlich größer als das Angebot.

Der Behindertenbeauftragte sieht aber auch viele positive Entwicklungen. So werden im neuen Koalitionsvertrag der Stadtregierung die Themen Inklusion und Barrierefreiheit nicht nur in verschiedenen Unterpunkten behandelt, sondern es gibt sogar ein eigenes Kapitel dazu. „Das gab es in der Landeshauptstadt noch nie“, sagt Oswald Utz.

Barriere Denkmalschutz

Er müsse die Politiker auch nicht immer wieder auf die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung aufmerksam machen. „Der Teufel steckt mehr im Detail“, erklärt er. So ist der Denkmalschutz oft immer noch ein Hemmnis, um Barrierefreiheit umzusetzen. Ein Beispiel ist das Kopfsteinpflaster auf dem Viktualienmarkt. Doch der Behindertenbeauftragte findet immer wieder Auswege. So gebe es mittlerweile besseres Kopfsteinpflaster oder die Möglichkeit, spezielle Furten einzurichten. Die Arbeit geht Oswald Utz jedenfalls nicht aus.

Sebastian Heise

Schlagworte Inklusion | Menschen mit Behinderung | Oswald Utz | Barrierefreiheit | Behindertenrechte | Behindertenbeauftragter | Rollstuhltaxis

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