11. Dezember 2020
VdK-Zeitung Archiv

Mit Kunst in ein besseres Leben

Refugio München organisiert für Flüchtlingskinder ein Projekt, das diesen hilft, selbstbewusster zu werden

Mädchen und Jungen, die nach Deutschland geflohen sind, leiden oft noch lange unter den schrecklichen Erlebnissen der Vergangenheit. Refugio München, ein Verein, den auch der Sozialverband VdK Bayern mit Spenden unterstützt, bietet Schülerinnen und Schülern eine Kunsttherapie.

Ein Mädchen malt an einem bunten Bild mit Tierwesen
Die Kinder sind zu Recht stolz auf ihre Werke. | © Refugio München

Monira* sitzt entspannt vor ein paar bunten Legoteilen. Sie setzt diese zu einem kleinen Kunstwerk zusammen. Die Zwölfjährige ist eines von drei Mädchen einer Münchner Mittelschule, die an einem Projekt von Refugio München für Flüchtlingskinder teilnimmt. Einmal in der Woche verlassen sie für zwei Schulstunden den normalen Unterricht und können ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Kleiner Kreis

Dieses kunsttherapeutische Projekt soll ihnen helfen, mit ihren Sorgen und schrecklichen Erinnerungen besser klarzukommen. Monira beispielsweise ist ohne Eltern und Verwandte nach Deutschland geflohen. Sie lebt in der Nähe der Mittelschule in einem Container-Wohnheim für Flüchtlinge, einer sogenannten Gemeinschaftsunterkunft. Die Zwölfjährige macht einen aufgeweckten Eindruck. Sie erzählt, dass ihr diese besonderen Schulstunden im kleinen Kreis viel bedeuten.

Mesut Artmeier kennt sie schon seit rund drei Jahren. Der 46-jährige Münchner ist Kunsttherapeut und betreut mehrere solcher Gruppen von geflohenen Kindern. Für ihn ist es eine ganz besondere Aufgabe, die vor allem seine psychologischen Fähigkeiten fordert. Refugio München, ein Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer, finanziert insgesamt 30 solcher Kunstgruppen an elf Schulen in der Stadt und im Landkreis München. Im schützenden Rahmen der kleinen Gruppen mit maximal fünf Kindern können die diese ihre Geschichte durch die Kunst ausdrücken.

In dem Projekt durchlaufen die Mädchen und Jungen verschiedene Phasen. Zunächst malen sie Bilder ihrer Familien und von sich selbst. Dann beschäftigen sie sich ein paar Monate lang mit dem Thema „Haus“. So basteln sie Häuser, möblieren diese und bauen stabile Mauern. Oft haben sie in ihren Familien Gewalt und Ohnmacht erfahren und haben den großen Wunsch nach einem Zuhause, in dem sie sicher und geschützt sind. Im Gegensatz zum regulären Unterricht, erfahren die Kinder hier keinen Leistungsdruck, sie können sich einfach frei entfalten.

Mesut Artmeier stellt von sich aus auch keine Fragen zur Vergangenheit. Manchmal wird oft gar nicht geredet. Deswegen läuft im Hintergrund auch immer das Radio, da die Stille die Kinder ansonsten beunruhigen könnte. Wenn sie dann erste positive Erfahrungen in ihrer neuen Heimat gemacht haben, fangen sie an, sich zu schmücken. Sie basteln Ketten und hängen sich diese um, setzen sich selbst gefertige Kronen auf den Kopf und betrachten sich im Spiegel. Sie machen Hand- und Fußabdrücke, malen Umrissbilder ihrer Körper. Wenn dieser Moment erreicht ist, äußern sich die Lehrkräfte positiv über die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Laute Kinder stören nicht mehr, leise, zurückhaltende werden lebendiger.

In Sicherheit

Mädchen mit selbstgestalteten Masken
Diese Mädchen beweisen ihre Kreativität auch beim Maskenbemalen. | © Refugio München

Sie fühlen sich sicherer, knüpfen Freundschaften, basteln Geschenke für Freunde und Familienangehörige und beginnen, in der kleinen Runde über ihre traumatischen Erlebnisse zu berichten. Diese zeichnen und malen sie. Schließlich, zum Ende der Kunsttherapie, nehmen sie in Rollenspielen andere Identitäten an, verkleiden sich, entwickeln Berufswünsche. Sie sind meist gut integriert und zugleich stolz auf ihre Wurzeln. Sie malen beispielsweise die Flaggen von Deutschland und ihrem Heimatland.

Auch wenn die Berichte oft schrecklich sind, stehen für Mesut Artmeier die schönen Momente im Vordergrund. „Mir macht es Freude, die Kinder bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu begleiten“, sagt er und spricht von einem „Traumjob“. Von den Kunstwerken seiner Schützlinge ist er immer wieder begeistert und lobt sie mit Sätzen wie „Wow, das hast du gemalt?“ So steigert er auch das Selbstwertgefühl der Kinder, das anfangs meist sehr gering ist. Ihre Bilder und Basteleien bedeuten den Kindern viel. Daher freuen sie sich, wenn Mesut Artmeier ihnen am Schuljahresende eine Mappe mit ihren Kunstwerken überreicht.

*Name von der Redaktion geändert

Sebastian Heise

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