30. November 2020
VdK-Zeitung Archiv

Pflegende Angehörige in Not

Wegen der Corona-Pandemie gibt es derzeit kaum freie Kurzzeitpflegeplätze

Schon vor der Corona-Krise gab es in Bayern viel zu wenige Kurzzeitpflegeplätze, um pflegende Angehörige zu entlasten. Die Pandemie hat die Situation nochmals verschärft. Nach Angaben der bayerischen Staatsregierung gibt es zurzeit rund 900 Plätze, die ausschließlich für die Kurzzeitpflege zur Verfügung stehen und im Vorfeld reserviert werden können, plus weitere 5500 flexible Plätze in Pflegeheimen, die auch für Kurzzeitpflege genutzt werden könnten.

Symbolfoto: Seniorin in ihrem Zimmer mit Pflegeheim, eine Angehörige oder Pflegekraft kümmert sich um sie
© imago/Sven Simon

Die Corona-Krise hat viele pflegende Angehörige an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht. Die Kurzzeitpflege sollte ihnen eigentlich ermöglichen, dass sie eine Auszeit nehmen können. Doch es gibt kaum noch freie Plätze.

Bereits 2019 hat das IGES Institut in einer Studie für das bayerische Gesundheitsministerium einen eklatanten Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen festgestellt. Bei den ausschließlich für die Kurzzeitpflege bestimmten Plätzen liegt der Freistaat etwa ein Drittel unter dem Bundesdurchschnitt. Nur sieben der 96 Landkreise und kreisfreien Städte verfügen über ausreichend Kapazitäten.

Zwischen den Bezirken gibt es große Unterschiede. Während Oberbayern und Schwa­ben relativ gut versorgt sind – hier kommen auf 1000 ambulant versorgte Pflegebedürftige 3,2 beziehungsweise 3,8 Kurzzeitpflegeplätze – bildet die Oberpfalz mit 0,6 Plätzen das Schlusslicht. Doch auch in Schwaben sind die Einrichtungen derzeit überfüllt: „Die Lage ist dramatisch“, berichtet Yvonne Knobloch, Leiterin des Ressorts „Leben im Alter“ beim VdK Bayern. „Wegen der Pandemie ist es mittlerweile kaum noch möglich, freie Plätze zu finden.“

Mehrere Ursachen

Das Defizit in der Kurzzeitpflege hat mehrere Ursachen. In den vergangenen Jahren wurden solitäre Kurzzeitpflegeplätze kontinuierlich abgebaut. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach stationärer Pflege gestiegen, weshalb viele Pflegeheime mit flexiblen Plätzen immer weniger Kurzzeitpflegegäste aufnehmen konnten. Hinzu kommt der anhaltende Fachkräftemangel. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Kurzzeitpflege wenig attraktiv, denn diese Pflegebedürftigen müssen bei niedrigem Gewinn aufwendig versorgt werden.

Laut IGES Institut wird der Pflegebedarf durch die demografische Entwicklung in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Forscher rechnen damit, dass 2030 in Bayern – je nach Pflegesituation – zwischen 4800 und 5400 Kurzzeitpflegeplätze notwendig werden, darunter 3700 bis 4100 feste Plätze. „Insbesondere die vergangenen Monate haben gezeigt, dass eine ausreichende Anzahl an Kurzzeitpflegeplätzen ein erforderliches Muss für die Versorgung von Pflegebedürftigen in der ambulanten Versorgung darstellt“, sagt Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Um Abhilfe zu schaffen, hat der Freistaat mehrere Förderprogramme aufgelegt, darunter die 2018 geschlossene Vereinbarung „Fix plus x“. 633 Kurzzeitpflegeplätze wurden bisher so geschaffen. Weitere sollen mit der gezielten Förderung von Bauvorhaben und Prämienzahlungen entstehen.
Auch auf Bundesebene soll sich demnächst etwas bewegen. Die Verbesserung der Kurzzeitpflege ist Teil des Koalitionsvertrags. Wegen der Corona-Pandemie verzögert sich das Vorhaben jedoch.

Annette Liebmann

Schlagworte Corona-Pandemie | Kurzzeitpflegeplätze | pflegende Angehörige | Fachkräftemangel | demographische Entwicklung

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