30. Oktober 2020
VdK-Zeitung Archiv

„Niemand muss sich da einsam fühlen“

VdK-Mitglieder teilen ihre Erfahrungen mit Chatseiten im Internet – Es gibt viele positive, aber auch negative Erlebnisse

Chats im Internet erfreuen sich einer treuen Anhängerschaft und sind sehr beliebt. Hier werden Kontakte geknüpft, die unterschiedlichsten Themen diskutiert, Treffen vereinbart und zuweilen auch Lebenspartner gefunden. Wie bei vielem im Leben gibt es neben den zahlreichen guten Seiten auch negative Aspekte, wie mehrere VdK-Mitglieder berichten.

© Unsplash

Ingrid Hagenbücher war anfänglich auf den Chatseiten von AOL und hat dort vorwiegend gute Erfahrungen gemacht. Aber es gebe auch unangenehme Momente. „Vor allem von Seiten der Männer. Etliche fallen gleich mit der Tür ins Haus, schicken Fotos von sich und dem, was sie an sich für das Schönste halten“, erzählt sie. Doch diese Typen ließen sich aussperren, beziehungsweise der Kontakt könne abgeschaltet werden.

„Momentan chatte ich auf www.spin.de und kann die Seite wärmstens empfehlen. Es gibt dort so viele Funktionen – für jede und jeden ist etwas geboten. Niemand muss sich da einsam fühlen“, sagt sie. Im Lauf der Jahre hätten sie und ihr Mann viele Freundschaften geschlossen und sich mit einigen auch immer wieder persönlich getroffen. „Daher kann ich allen kontaktfreudigen und gerne kommunizierenden Menschen nur empfehlen, sich auf Chatseiten umzusehen. Auf Spin.de findet man mich unter dem Nicknamen ‚Elsanne‘.“

Ebenfalls regelmäßig in Chats anzutreffen ist Heinz Roll*. Auch er hat bei AOL angefangen, ist dem Anbieter aber bis heute treu geblieben. Für ihn stellt das Chatten eine große Bereicherung dar. Persönliche Treffen mit Menschen, die er im Chat kennenlernte, hatte er auch. „Enttäuschungen habe ich dabei nie erlebt, wobei es auf die persönlichen Erwartungen ankommt und darauf, wie man sich verhält. Meine Devise lautet: vorsichtig sein – ja, ängstlich sein – nein.“ Seinen richtigen Namen benutze er demnach nie beim Chatten, da sich in den Chaträumen doch auch viele Schwindler tummeln würden. „Da kann allzu schnelles Vertrauen und zu große Offenheit ausgenutzt werden.“

Auf einmal allein

Vor 16 Jahren – sie war gerade zum zweiten Mal Witwe geworden – fing Martha Wiesinger* an zu chatten, um der Einsamkeit zu entfliehen. „Anfangs hatte ich noch Besuche, aber mit der Zeit wurden es weniger und auf einmal war ich allein. Da im Studio noch der Computer meines Mannes stand, den ich nie anrühren durfte, solange er lebte, habe ich angefangen zu studieren, wie man ihn bedient.“ Über eine Zeitungsanzeige wurde sie auf die Webseite www.feierabend.de aufmerksam – eine Online-Gemeinschaft für Menschen ab 60 Jahren – und meldete sich an.

„Ich habe über das Portal viele Leute kennengelernt, wurde Regionalbotschafterin, organisierte zum Beispiel Stammtische, Wanderungen und Bergführungen.“ Mit einer Freundin aus dem Münsterland hat sie innerhalb des Portals sogar einen eigenen regionalen Chatclub gegründet. Doch auch Martha Wiesinger warnt vor Betrügern. „Vor zwei Jahren habe ich ein paar erwischt und rausgeworfen. Oft erkennt man sie an den Namen oder daran, wie sie schreiben. Manche von ihnen können kein Deutsch und behelfen sich mit schlechten Übersetzungen“, erklärt die 83-Jährige, die sich ihre Freude am Chatten dadurch aber nicht nehmen lässt. Wer mit ihr Kontakt aufnehmen möchte: Ihr Nickname lautet „Vene“.

Beim gleichen Anbieter ist auch Melanie Körtge regelmäßig unterwegs, allerdings weniger in den dort angebotenen Chaträumen. „Ich nutze eher die Möglichkeit, Nachrichten kostenlos an andere Mitglieder zu versenden“, sagt sie. „Das hat den Vorteil, dass sie antworten können, wenn sie Zeit dafür haben.“ Man lerne die unterschiedlichsten Leute kennen und finde oft jemanden, der auf der gleichen Wellenlänge ist und mit dem man sich dann näher anfreunden kann.

Schon einige schlechte Erfahrungen hat Katja Mair* gesammelt. In einem sozialen Netzwerk lernte sie einmal einen Amerikaner kennen. „Er sah sehr gut aus, war laut eigenen Angaben Witwer, hatte eine studierende Tochter und einen gut bezahlten Job. Er sprach schnell von der großen Liebe und wollte mich möglichst bald besuchen“, erzählt sie. Zuvor müsse er aber für einen Job in den Nahen Osten reisen, schrieb er und bat Katja Mair kurz darauf um einen größeren Geldbetrag, da er dort nicht an sein Geld herankommen könne. „Da ich zu der Zeit HartzIV-Empfängerin war, konnte ich ihm kein Geld schicken, was mein Glück war. Denn er war – wie viele andere – ein Betrüger.“

Die genannten Erlebnisse von VdK-Mitgliedern zeigen, dass das Chatten zwei Seiten hat. Man kann sich anonym, aber auch persönlich mit anderen Menschen austauschen, sich regelmäßig treffen sowie Freund- und Liebschaften eingehen. Doch sollte man durchaus auch ein gewisses Misstrauen anderen Chattern gegenüber an den Tag legen, da sich hinter der Anonymität Menschen verbergen können, die nichts Gutes im Schilde führen. Persönliche Daten sollten in Chats daher möglichst nicht oder nur sparsam preisgegeben werden.

*Name von der Redaktion geändert

Info

Das englische Wort „chat“ bedeutet „plaudern“ oder „sich unterhalten“. Der Einstieg in die Welt des Chattens ist relativ einfach und wird auf den Startseiten der jeweiligen Anbieter meist gut erklärt. Bei manchen muss man sich mit einer E-Mail-Adresse registrieren, bei anderen reicht die Eingabe eines Nicknamens, damit es losgehen kann.

Auf vielen Webseiten können die Besucher zwischen verschiedenen Chaträumen mit unterschiedlichen Themengebieten wählen beziehungsweise zwischen diesen hinund herwechseln.

Das Angebot an Chatseiten im Internet ist groß. Darunter gibt es einige, die sich speziell an Senioren richten, wie zum Beispiel:

  • www.seniorentreff.de
  • www.ahano.de
  • www.50plus-treff.de
  • www.herbstzeit.de
  • www.forum-fuer-senioren.de
  • www.feierabend.de

Mirko Besch

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