21. September 2020
VdK-Zeitung Archiv

In Bayern wächst die Kluft

Neue Zahlen des Statistischen Landesamts

Bayern hat ein gutes Image. Doch jenseits der Hochglanzbilder mit Sonne, Bergen und glücklichen Menschen in Tracht werden gerade im Freistaat die Gegensätze sehr deutlich. Die Differenz zwischen Gering- und Besserverdienenden wird größer. Das zeigen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik.

© Unsplash

Dort wurde für die Jahre 2014 und 2018 der Abstand zwischen den oberen und den unteren zehn Prozent der Beschäftigten in der Verdienstskala durch alle Branchen gemessen. Wer 2018 höchstens zehn Euro pro Stunde verdient, zählt zu den Geringverdienern. Ab 33,90 Euro Stundenlohn gehört man zu den Besserverdienenden. Der Median, also der Stundenlohn, der von gleich vielen Beschäftigten unter- und überschritten wird, liegt bei bayerischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei 17,28 Euro.

Zum Vergleich: 2014 lag die Obergrenze des Stundenlohns für Geringverdiener noch bei neun Euro, der Stundenlohn für Besserverdienende ging bei 30,06 Euro los, und der Median betrug 15,55 Euro. Der generelle Anstieg der Stundenlöhne – das alles natürlich in Vor-Coronazeiten – geht auf die allgemeine Einkommensentwicklung zurück.

Wenn die oberen und die unteren Stundenlöhne ins Verhältnis gesetzt werden, kann die „Lohnspreizung“ berechnet werden. 2014 kam hier ein Wert von 3,34 heraus, 2018 stieg dieser auf 3,39. Das heißt, die Löhne sind innerhalb von vier Jahren weiter auseinandergegangen. Vermutlich wäre die Lohnspreizung ohne die Einführung des Mindestlohns noch größer.

Auffallend niedrige Einkommen erzielen in Bayern Beschäftigte sogenannter „systemrelevanter Berufe“. An der unteren Skala lagen 2019 der Lebensmitteleinzelhandel mit einem durchschnittlichen Bruttomonatslohn von 2342 Euro und die Güterbeförderung im Straßenverkehr mit 2583 Euro. Auch die Beschäftigten in Altenheimen sind mit 3235 Euro deutlich unter dem bayerischen Gesamtdurchschnitt von 4203 Euro.

Hohe Wohnkosten

Eine weitere aktuelle Statistik aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2018 zu den Konsumausgaben privater Haushalte in Bayern zeigt, dass die Ausgaben für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung mit 33 Prozent den Löwenanteil ausmachen, davon 27 Prozent für Miete. In der Regel spricht man bereits ab Ausgaben von 30 Prozent fürs Wohnen von einer Überlastung.

In Bayern wird dieser Anteil sogar im Durchschnitt schon überschritten. Dabei wird in dieser Erhebung nicht einmal unterschieden, ob es sich bei den Befragten um Wohneigentümer oder Mieter handelt. Das heißt, die Wohnausgaben dürften für die Hälfte der Bevölkerung, die in Bayern nicht im Eigenheim lebt, noch erheblich höher sein. 3010 Euro gibt ein bayerischer Haushalt pro Monat für den privaten Konsum aus. Für Mobilität schlagen dabei 460 Euro zu Buche, davon 265 Euro für das eigene Auto. Deutlich weniger fließt in die Ausgaben für Lebensmittel. 375 Euro entfallen auf Nahrungsmittel, davon aber nur 45 Euro auf eher hochpreisige alkoholische Getränke und Tabakwaren. Für Freizeit, Unterhaltung und Kultur werden 335 Euro ausgegeben. Zu diesem Posten gehören auch Reisen.

Bei Wohnen und Mobilität können Privathaushalte kaum sparen. Diese Bereiche sind zugleich die größten Preistreiber. Die nächste Mieterhöhung oder das kaputte Auto sind für viele wirklich bedrohlich. Ausgaben reduzieren lassen sich für viele Menschen nur bei Lebensmitteln und in der Freizeit. Damit aber oft leider auf Kosten der gesunden Ernährung und der gesellschaftlichen Teilhabe.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Statistisches Landesamt | Verdienstskala | Stundenlohn | Lohnspreizung | Konsumausgaben | Wohnkosten | Mindestlohn

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