9. Oktober 2020
VdK-Zeitung Archiv

Wohin mit Hund, Katze und Kanarienvogel?

Senioren, die in ein Pflegeheim umziehen, möchten meist ihr geliebtes Haustier mitnehmen – Es gibt Heime, wo das möglich ist

In deutschen Haushalten leben etwa 30 Millionen Haustiere. Gerade für Senioren sind Hund, Katze, Kanarienvogel oder Fische im Aquarium meist so wichtig wie Familienmitglieder. Mehr und mehr Pflegeeinrichtungen ermöglichen es ihren Bewohnern, beim Einzug ihr geliebtes Haustier mitzubringen.

© Pixabay


Jedes Pflegeheim beziehungsweise dessen sozialer Träger regelt eigenständig, ob dort Haustiere erlaubt sind oder nicht. Hier ist es wichtig, den Heimvertrag genau durchzulesen. Besonders im Alter vermissen viele Menschen das Gefühl, gebraucht zu werden und neigen dazu, sich aus dem aktiven Leben zurückzuziehen. Tierische Mitbewohner können dann dazu beitragen, Passivität entgegenzuwirken. Und gerade, wenn aus gesundheitlichen Gründen der Umzug in ein Pflegeheim notwendig wird, nehmen Pflegebedürftige einen wesentlichen Bestandteil ihres alten Lebens mit in das neue.

Gegen die Einsamkeit

„Die positive Wirkung von Haustieren ist allgemein bekannt und auch wissenschaftlich belegt. Bei älteren Tierfreunden sind sie beliebt, weil sie beruhigend, ja sogar beglückend wirken und Einsamkeit verhindern können. Das haben mittlerweile auch viele Pflegeeinrichtungen erkannt und schließen Tierhaltung nicht grundsätzlich aus oder bieten sogar tiergestützte Therapien, etwa in der Demenzbehandlung“, weiß Maria Sievers, die in der Presseabteilung beim BIVA-Pflegeschutzbund (Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V.) arbeitet.

Sievers: „Prinzipiell sind Kleinbeziehungsweise Käfigtiere wie Fische, Vögel oder Hamster oftmals eher geduldet als größere, die ja auch aufwendig versorgt werden müssen, wenn der Bewohner dies nicht mehr selbst leisten kann.“ Möchte man mit einem Tier in ein Pflegeheim einziehen oder als Bewohner eines neu anschaffen, müsse man sich den Heimvertrag genau ansehen. Sei dort ausdrücklich geregelt, dass Tierhaltung nicht gestattet ist, müsse der Bewohner dies akzeptieren. Enthalte der Heimvertrag dazu keine Regelungen, sei Tierhaltung nicht grundsätzlich ausgeschlossen – ähnlich wie im Mietrecht.

„Allerdings ist zu beachten, dass das Tier keine Belästigung oder Beeinträchtigung für Mitbewohner und Personal darstellen darf und eine tiergerechte Versorgung sichergestellt sein muss. Andernfalls darf das Heim die Tierhaltung verbieten. Es ist in jedem Fall erforderlich, hierzu die Einrichtungsleitung zu befragen“, betont Sievers. Auch der Heimbeirat sei beim Thema Tierhaltung ein geeigneter Ansprechpartner: Er dürfe etwa in Bayern bei der Freizeit- und Alltagsgestaltung der Bewohner nicht nur mitwirken, sondern sogar mitbestimmen und habe ein Mitspracherecht bei der Förderung der Qualität der Betreuung sowie bei der Gestaltung des Wohnumfeldes.

Dabei stünden den Vorteilen einer Tierhaltung auch immer Bedenken gegenüber, die durchaus ernst genommen werden müssten. Ein Tier mache Arbeit und müsse artgerecht gehalten werden. Und natürlich müsse berücksichtigt werden, ob eine Pflegekraft oder andere Bewohner gegen Tierhaare allergisch sind. Heime, in denen Tierhaltung gut funktioniert, haben meistens Tierbeauftragte. Und hier wird auch daran gedacht, was mit dem Tier geschehen soll, wenn der Heimbewohner stirbt. Oft wird dann an Familienmitglieder, andere Heimbewohner oder als letzte Möglichkeit an das örtliche Tierheim vermittelt.

Tiertafeln helfen

In Not geratene Seniorinnen und Senioren können sich in kritischen Situationen an Tiertafeln wenden. Tiertafeln, wie die Einrichtung in München, helfen älteren Menschen, die in einer schwierigen Lebenssituation sind, damit sie nicht auch noch gezwungen werden, sich von ihren langjährigen tierischen Begleitern zu trennen. Die Tiertafel München kümmert sich um Tiere, wenn hilfsbedürftige Seniorinnen oder Senioren ins Krankenhaus müssen und es keine Angehörigen gibt, die etwa Hund oder Katze verpflegen können. Oft werde das Tier dann in einen Pflegehaushalt vermittelt, erklärt Andrea de Mello, Vorsitzende der Tiertafel München.

Der Verein unterstützt außerdem seit vielen Jahren in Not geratene Haustierhalter aus München und Umgebung mit der kostenlosen Abgabe von Futter und Zubehör sowie der Bezuschussung von Tierarztkosten. „Immer mehr Erwerbsunfähige und Senioren sind auf unsere Hilfe angewiesen, denn ihre geliebten Vierbeiner sind mit ihnen alt und meist auch krank geworden“, sagt de Mello. „Wenn dann die kleine Rente oder die Grundsicherung kaum für den eigenen Lebensunterhalt reicht, heißt es abwägen: Zahlt man den Zuschuss für eigene Medikamente, oder kann man einen ebenfalls dringenden Tierarztbesuch stemmen? Mittlerweile versuchen wir, mehr als 600 bedürftigen Münchnerinnen und Münchnern diese Entscheidung zu erleichtern und ihnen wenigstens eine Sorge zu nehmen: die um ihr geliebtes Tier.“

Für diese Menschen sei ihr Tier oft der einzige soziale Kontakt, der geblieben ist. „Der Grund, morgens aufzustehen und gebraucht zu werden.“ Die Tiertafel München ist auch mit Senioreneinrichtungen vernetzt. Denn manchmal müssen Seniorinnen und Senioren, die sich an die Tiertafel wenden, letztlich doch einen Heimplatz vermittelt bekommen.

Tierische Kontakte


Manche Pflegeheime, in denen Tierhaltung nicht erlaubt ist, ermöglichen es ihren Bewohnern trotzdem, in Kontakt mit Tieren zu kommen. In einigen Einrichtungen gibt es die Regelung, dass das Pflegepersonal eigene Tiere mitbringt, um den Bewohnern den Kontakt mit Tieren zu ermöglichen, ohne dass sie sich selbst darum kümmern müssen.

Einen Schritt weiter gehen therapeutische Angebote. Dabei kommen ausgebildete Therapeuten mit speziell trainierten Tieren zum Einsatz. Vor allem in der Betreuung von Demenzkranken erweisen sich Tiere als große Hilfe, da sie einen Zugang zu den Senioren herstellen können, wo andere Therapieformen häufig weniger Erfolge erzielen. (pet)

Petra J. Huschke

Schlagworte Pflege | Pflegeheim | Haustiere

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