29. August 2020
VdK-Zeitung Archiv

In der Schuldenfalle

Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut und Krankheit als Ursachen – Coronavirus verschärft Situation

Gut 6,92 Millionen Personen sind in Deutschland überschuldet. Das zeigt der Überschuldungsreport 2020 des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Kooperation mit der „Stiftung Deutschland im Plus“. Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut und Krankheit sind die häufigsten Ursachen. Die aktuelle Covid-19-Pandemie verschärft die Situation.

© Sozialverband VdK Deutschland

Der Überschuldungsreport erscheint regelmäßig seit 2007. Grundlage des Reports sind Fälle von Ratsuchenden, die in Schuldnerberatungsstellen bei der Bewältigung ihrer finanziellen Probleme unterstützt werden. „Überschuldung ist oft die Folge unerwarteter Ereignisse, die eine Veränderung der Einkommenssituation nach sich ziehen“, sagt Dr. Sally Peters, Geschäftsführende Direktorin beim iff.

Der Report zeigt alljährlich, dass Hauptauslöser vor allem Arbeitslosigkeit und reduzierte Arbeit, Einkommensarmut, Krankheit, Scheidung und Trennung sowie Selbstständigkeit sind. „Besonders Menschen mit wenig Einkommen sind gefährdet, sich zu überschulden. Das liegt daran, dass es ihnen besonders schwerfällt, auf unerwartete Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Trennung oder gesundheitliche Probleme zu reagieren“, erklärt Peters. Auch die aktuelle Pandemie stelle ein solches unerwartetes Ereignis dar.

„Viele werden aufgrund der Einkommenseinbußen ihre laufenden Zahlungen nicht mehr leisten können“, prognostiziert sie. Auch wer bereits die Entschuldung eingeleitet hat, könne gefährdet sein. „Wurden mit allen Gläubigern Zahlungen vereinbart, können diese womöglich derzeit nicht eingehalten werden.“ Allen voran Selbstständige und Kleinstunternehmer leiden unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-­Krise.

„Die Schließung vieler Geschäfte führt zu Kurzarbeit, Entlassungen und Existenzkrisen. Selbst mit Rücklagen kann eine solche Krise für Privatpersonen wie auch Firmen zum Risiko werden“, so Peters. Die aktuelle Krise werde also noch mehr Personen als in der Vergangenheit in eine Notlage bringen. Infolge der Krise ist mit einem Ansturm auf die Schuldnerberatungen zu rechnen, die bereits jetzt überlastet sind. „Die mit der Covid­19­-Pandemie verbundenen Beschränkungen führen zu finanziellen und psychosozialen Einschränkungen, und auch Unterstützungsangebote müssen ihre Beratungstätigkeit auf die neuen Bedarfe und Bedürfnisse einstellen“, warnt Peters.

Die Kapazitäten der Schuldnerberatung seien aber seit Jahren begrenzt. Hinzu komme: Viele Schuldnerberatungsstellen seien aufgrund der Krise derzeit im Arbeiten eingeschränkt, Anliegen könnten deshalb oft nur telefonisch besprochen werden. Zu Überschuldung kann es bereits bei kleineren Beträgen kommen. Als überschuldet gilt, wer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ohne die eigene Grundversorgung zu gefährden. Zahlungsverzug, Kredit­ und Kontokündigungen sind untrügliche Zeichen.

Für Betroffene von Überschuldung bietet die Stiftung „Deutschland im Plus“ in Zusammenarbeit mit sozialen Schuldnerberatungsstellen eine kostenlose und anonyme Ersthilfe, um den Menschen wieder eine Perspektive aufzuzeigen. „Der Überschuldungsreport verdeutlicht, wie wichtig Schuldnerberatung ist – zeigt leider aber auch, dass es oft lange dauert, bis Betroffene Hilfe suchen“, erklärt Philipp Blomeyer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Deutschland im Plus“.

„Aus unserer Erfahrung wissen wir allerdings, je schneller Betroffene Hilfe suchen, desto besser.“ Die Telefonnummer für die Ersthilfe lautet 0800 5 03 58 51 und ist Montag bis Freitag von 10 bis 13 Uhr sowie Dienstag und Donnerstag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr erreichbar. Zudem ist das Angebot online verfügbar: www.deutschland-im-plus.de/feature/beratungsservice/

Petra J. Huschke

Schlagworte Überschuldungsreport | Schuldnerberatungsstelle | Arbeitslosigkeit | Einkommensarmut | Corona | Existenzkrise

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