1. Juli 2020
VdK-Zeitung Archiv

Motiviert und mit Humor aus der Corona-Pause

Die Verschiebung der Paralympischen Sommerspiele in Tokio hat die Athletinnen und Athleten unterschiedlich stark getroffen

Am 25. August sollten eigentlich die Paralympics in Tokio beginnen. Doch wegen der Corona-Pandemie findet das Großereignis in diesem Jahr nicht statt. Die Athletinnen und Athleten, darunter auch VdK-Mitglieder, reagierten unterschiedlich auf die Entscheidung und die Wettkampfpause.

Der fünffache Paralympics-Gewinner Michael Teuber beim Zeitfahr-Training in seiner oberbayerischen Heimat. | © privat

Mit Sorgen, Frust, aber auch mit Erleichterung und Humor haben die deutschen Parasportlerinnen und Parasportler auf die Verschiebung der Sommerspiele in der japanischen Hauptstadt Tokio reagiert. Der kleinwüchsige Mathias Mester, mehrfacher Weltmeister im Speerwerfen und Kugelstoßen, startete in der heimischen Quarantäne die „Parantänischen Spiele“.

Mathias Mester bei seinen „Parantänischen Spielen“, die er auf Facebook eingestellt hat. | © Facebook-Seite Mathias Mester

Zwei Wochen lang präsentierte der Leichtathlet täglich auf Facebook ein Video mit nicht ganz ernst gemeinten Disziplinen wie Schwimmen in der eigenen Badewanne, Speerwerfen auf die Dartscheibe, Gewichtheben mit Klopapierrollen und Hochsprung ins Bett. Die witzigen Filme, inklusive Eröffnungs- und Schlussfeier, erreichten zum Teil mehr als 130.000 Abrufe. Radsportler Michael Teuber meldete sich in der Zeit der Corona-Beschränkungen ebenfalls in den sozialen Netzwerken zu Wort, allerdings nicht nur sportlich, sondern auch gewohnt meinungsstark.

Dabei machte das VdK-Mitglied aus dem oberbayerischen Dietenhausen deutlich, dass es aus seiner Sicht richtig war, die Paralympics um ein Jahr zu verschieben. Klar, die Verlegung der Spiele sei für seine jüngeren Konkurrenten ein Vorteil, sagte der 52-jährige Ausnahmeathlet der „Süddeutschen Zeitung“. „Aber ich werde auch 2021 gut drauf sein“, verspricht der fünffache Paralympics-Gewinner im Zeitfahren und Straßenrennen. Er trainierte auch in der Corona-Wettkampfpause weiter hart und gibt sich wie immer kämpferisch: „Ich will eine Medaille in Tokio gewinnen.“

„Kopf hoch“

David Behre, der durch einen Unfall beide Unterschenkel verloren hat, wäre in diesem Sommer einer der Favoriten in den Sprintdisziplinen gewesen. Doch auch das VdK-Mitglied aus Nordrhein-Westfalen muss nun ein Jahr länger auf den sportlichen Höhepunkt Paralympics warten. Auf seiner Facebook-Seite gesteht der Weltmeister und Paralympics-Gewinner mit der 4-mal-100-MeterStaffel ein, dass es ihn belastet, „nicht wie gewohnt trainieren oder sich mit Freunden treffen zu können“. Mit „Kopf hoch und dranbleiben, auf dass wir bald alle wieder zusammen sein können!“ machte der 23-jährige gebürtige Duisburger sich und anderen Mut.

Für die 56-jährige Para-Dressurreiterin Elke Philipp war die Zeit der Ausgehbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie besonders hart. Da sie zur Risikogruppe gehört, konnte das VdK-Mitglied aus dem mittelfränkischen Treuchtlingen andere Menschen nur auf Distanz sehen und auf ihren Sport musste sie wochenlang verzichten. Für sie war das doppelt belastend: Sie vermisste einerseits ihre Pferde, die im Stall in Frankfurt stehen. Andererseits ist die Bewegung auf dem Rücken ihres Hengstes Fürst Sinclair für sie besser als jede Physiotherapie. Denn es werden dabei Muskeln angesprochen, die sonst nie gefordert würden.

Dressur-Reiterin Elke Philipp mit ihrem Hengst Fürst Sinclair. | © Sebastian Heise

Elke Philipp erkrankte 1984 an einer Gehirnhaut- und Kleinhirnentzündung. Die Folge: zentrale Funktionsstörung der gesamten Muskulatur. Über eine Reittherapie ist sie zum Spitzensport gekommen. Bei den Paralympics 2016 gewann sie mit dem deutschen Dressurteam Silber. Die ersten Wochen zu Hause waren für Elke Philipp, die vor zwei Jahren ihren Mann verlor, eine „schlimme Zeit“.

Allein in der Wohnung „kommen viele Gedanken hoch“, sagt sie im Gespräch mit der VdK-ZEITUNG. Doch aus der „extrem belastenden Situation“ fand sie bald wieder heraus. Sie machte zu Hause Fitness-Übungen, trainierte auf dem Fahrrad, und als sie endlich wieder auf ihrem Fürst Sinclair reiten konnte, war die Motivation groß: 2021 will sie in Tokio wieder eine Medaille, und auch Paris 2024 hat sie als Ziel vor Augen.

Steigende Chancen

Radsportler Maximilian Jäger vor einer Trainingsfahrt in Cottbus. | © privat

Radsport-Talent Maximilian Jäger, ebenfalls Mitglied des Sozialverbands VdK, nahm die Zwangspause recht gelassen. Der 20-jährige Unterfranke konnte sich so besser auf die Prüfungen zur Mittleren Reife im Sport-Internat in Cottbus konzentrieren. Maximilian Jäger erlitt einen vorgeburtlichen Schlaganfall, sodass er halbseitig gelähmt ist. Der Spitzensport auf seinem Renndreirad ist für ihn die beste Medizin, wie er sagt. Und während andere in der Corona-Pause auf ihren Sport verzichten mussten, konnte er als Paracycler weiter trainieren.

Der Vizeweltmeister im Zeitfahren und Straßenrennen sieht das zusätzliche Jahr bis zu den Paralympischen Sommerspielen als Chance an. „So kann ich mich nochmal besser vorbereiten.“ Wie bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr möchte er auch nächstes Jahr in Tokio aufs Treppchen.



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Sebastian Heise

Schlagworte Paralympics | Tokio | Corona-Pandemie

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