1. Juli 2020
VdK-Zeitung Archiv

Lebendiges Miteinander im Viertel

Schluss mit Einsamkeit und Langeweile: Wie genossenschaftliches Wohnen Jung und Alt zusammenbringt

Was bringt eine Seniorin nach 55 Jahren dazu, freiwillig aus ihrer Münchner Wohnung auszuziehen? Bei VdK-Mitglied Gunda Krauss war es die Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft und Mitbestimmung. Das fand die lebenslustige Rentnerin bei der Münchner Wohnbaugenossenschaft „wagnis“. Seit einem Jahr lebt sie in einer Genossenschaftswohnung im Stadtteil Oberföhring – und ist begeistert.

VdK-Mitglied Gunda Krauss mit ihrem Dreirad. | © privat

Altersheim? Das kommt Gunda Krauss nicht in die Tüte. „Dafür fühle ich mich zu jung“, lacht die 81-Jährige. Wer die kontaktfreudige Seniorin kennt, weiß, dass es ihr in einer Metropole wie München nicht bunt und vielfältig genug sein kann. Diese Lebenseinstellung vertritt sie auch in ihrer kommunalpolitischen Arbeit. Ihre Themen sind Mobilität und Barrierefreiheit, Frieden sowie der Austausch zwischen den Generationen.

Am 15. März kandidierte Gunda Krauss für den Stadtrat – und hätte als damals 80-Jährige Münchens älteste Stadträtin werden können. Dass die Stimmen nicht ausreichten, hat sie nicht gebremst: Seit 1. Mai ist die Seniorin zweite stellvertretende Vorsitzende des Bezirksausschusses im Stadtteil Bogenhausen, Radbeauftragte und immerhin dort ältestes Mitglied.

Ein lebenswertes Leben in der Großstadt wünschte sich die gebürtige Berlinerin auch für sich selbst. „Wenn ich noch mal umziehe, sehe ich zu, dass ich in meinem Viertel bleibe und barrierefrei wohne.“ Die alleinstehende Rentnerin malte sich auch ihre Nachbarschaft aus: „Ich möchte Tür an Tür mit Familien und Kindern wohnen. Dann wird es nie fad.“

Gemeinsam anpacken

Hier fühlen sich alle Generationen gebraucht: ein „wagnis“-Quartier in München-Schwabing, das im Sommer 2014 eröffnet wurde. | © Rudi Hassenstein

Gunda Krauss hatte sich schon länger nach alternativen Wohnmöglichkeiten umgesehen und konnte sich besonders mit dem Genossenschaftsgedanken anfreunden, wo alle Mitglieder mitbestimmen und die Nachbarn gemeinsam für etwas anpacken, das allen Bewohnerinnen und Bewohnern zugutekommt. Da bewarb sie sich bei der Münchner Wohnbaugenossenschaft „wagnis“ und beeindruckte das Team mit ihrem Engagement und fröhlichen Charme.

„Unsere Wohnbaugenossenschaft ist aus verschiedenen Initiativen hervorgegangen, um Wohnraum der Spekulation zu entziehen“, sagt Vorstandsmitglied Rut-Maria Gollan, der wichtig ist, dass der Pioniergeist auch nach 20 Jahren noch lebendig ist. Die junge Genossenschaft baut neue Wohnungen. Seit 2004 sind sechs Quartiere entstanden. „Wir sagen Ja zur Vielfalt“, betont die gelernte Architektin. So können dank einem Anteil an gefördertem Wohnraum auch Menschen mit kleinen Renten, Hartz-IV-Empfänger oder ehemals Wohnungslose in „wagnis“-Quartieren wohnen.

Vor einem Jahr ging Gunda Krauss’ Wunsch in Erfüllung: Sie zog in eine „wagnis“-Wohnung im Prinz-Eugen-Park, einem Neubauviertel im Stadtteil Oberföhring. Das VdK-Mitglied fühlte sich dort vom ersten Tag an pudelwohl. Während der strengen Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Pandemie sei ihr ihre Einsamkeit besonders bewusst geworden. „Doch hier gab es immer wieder Lichtblicke: Viele Bewohner sprachen mich an, ob sie für mich einkaufen sollen. Und zu meinem Geburtstag versammelten sich die Nachbarn im Hof und sangen ein Ständchen“, erinnert sich Gunda Krauss gerührt.

Eine weitere Besonderheit des Quartiers im Prinz-Eugen-Park ist das Mobilitätskonzept. So setzen die Bewohner auf Car-Sharing sowie ausleihbare Elektro-Lastenfahrräder. Für eine leidenschaftliche Fahrradfahrerin wie Gunda Krauss ist dieser Plan wie gemacht. Nach zwei Hüftoperationen ist sie zwar in ihrer Mobilität eingeschränkt, fühlt sich jedoch dank ihres „Easy Riders“, einem Elektro-Dreirad, sicher. So nahm sie damit schon mehrmals mit Begeisterung an der VdK-BVS-Radltour teil.

Höhepunkt ihrer Abenteuer: 2009 war sie in 50 Tagen von München nach Rügen geradelt, begleitet von ihrem Dackel „Sauser“. Ihre Erlebnisse hat sie aufgeschrieben und Ende 2018 als Buch veröffentlicht. Die pfiffige 81-Jährige möchte so lange wie möglich selbstbestimmt bleiben und ist glücklich darüber, sich innerhalb der Wohnung barrierefrei bewegen und draußen mit dem Rad fahren zu können. Vor allem genießt sie das lebendige Miteinander, die vielen Kinder und die Solidarität. „Ich kann darauf vertrauen, dass im Quartier gleich jemand zur Stelle ist, wenn ich Hilfe brauche“, ist sich Gunda Krauss sicher.

Info

Über die Münchner Wohnbaugenossenschaft „wagnis“ können sich Interessierte hier informieren:
www.wagnis.org

Buch von Gunda Krauss: „Gunda unterwegs: Mit Dreirad und Dackel durch Deutschland – Mehr als ein Reisebericht“, Verlag Books on Demand, ISBN-10: 3748134657, Preis 20 Euro.

Elisabeth Antritter

Schlagworte wagnis | Genossenschaftswohnung | Gunda Krauss | Wohnbaugenossenschaft | Wohnen | altersgerechtes Wohnen

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