27. Mai 2020
VdK-Zeitung Archiv

Bei Anruf: Ruhe bewahren

Patienten, die Krankengeld beziehen, werden oft von der Krankenkasse unter Druck gesetzt

Wer krank ist, braucht Zeit und Ruhe, um wieder gesund zu werden. Doch nicht selten kommt es vor, dass Patienten, die Krankengeld beziehen, von den Mitarbeitern ihrer Krankenkasse angerufen und bedrängt werden. Der Sozialverband VdK rät, die Ruhe zu bewahren und sich an den VdK zu wenden.

Wer krank ist, hat oft viele Sorgen. Hinzu kommt, dass die Krankenkassen häufig Druck machen. | © Sozialverband VdK Deutschland


Wird ein Arbeitnehmer in Deutschland krank, erhält er in der Regel sechs Wochen lang eine sogenannte Lohnfortzahlung. In dieser Zeit zahlt der Arbeitgeber das Gehalt ganz normal weiter. Danach springt die Krankenkasse mit dem sogenannten Krankengeld ein, das mit 70 Prozent des Bruttogehalts, höchstens aber 90 Prozent des Nettoeinkommens niedriger liegt. Die Auszahlung von Krankengeld ist teuer.

Um Kosten zu sparen, wenden einige gesetzliche Kassen fragwürdige Methoden an. Sie rufen die kranken Mitglieder an und setzen sie unter Druck. Auch VdK-Mitglied Simon K.* aus Bayern kann davon berichten. Der 58-Jährige ist seit Herbst 2019 wegen einer Depression krankgeschrieben. Nur zwei Monate nach seiner Erkrankung bekam er den ersten Anruf von der DAK. „Der Mitarbeiter hat mich gefragt, wie es weitergehen soll. Ich habe ihm gesagt, dass ich seit mehreren Wochen auf einen Arzttermin warte, den ich nicht früher bekommen konnte“, erzählt er.

Im Februar kam der zweite Anruf. Wieder die Frage, wie es weitergehen soll. K. bat den Mitarbeiter, nicht mehr anzurufen. Dieser entgegnete, dann müsse man eben anders vorgehen. „Das klang wie eine Drohung“, sagt K. Kurze Zeit später erhielt sein Hausarzt einen Brief mit der Aufforderung, K.’s Krankschreibung näher zu begründen. Im April bekam auch K. Post von der Krankenkasse. Diese teilte ihm mit, sein Anspruch auf Krankengeld sei ab sofort erloschen, weil der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) in einem Gutachten nach Aktenlage zu dem Schluss gekommen ist, dass K. arbeitsfähig sei.

Wörtlich hieß es: „Wir raten Ihnen, dieses Schreiben umgehend bei der Arbeitsagentur vorzulegen und Leistungen zu beantragen.“ K. war so niedergeschlagen, dass er im Bezirkskrankenhaus Hilfe suchte. „Diese unangenehmen Telefonate, bei denen Druck ausgeübt wird, erleben wir immer wieder“, weiß Hannah Gierschik, Referentin für Gesundheitspolitik beim VdK Deutschland. Vor allem Menschen, die länger krankgeschrieben sind, seien davon betroffen. Rein rechtlich sind Versicherte nicht verpflichtet, am Telefon persönliche Informationen an ihre Krankenkasse herauszugeben. Es gibt zwar eine Mitwirkungspflicht, diese lässt sich aber auch schriftlich erfüllen.

Ohnehin dürfen die Kassen viele Fragen nicht stellen. Dies ist die Aufgabe des MDK. „Egal, was die Krankenkassen am Telefon sagen: Geben Sie keine Informationen über den Gesundheitszustand heraus, stimmen Sie keinem Krankengeldmanagement zu, nehmen Sie Widersprüche nicht zurück und kündigen Sie nicht Ihren Job“, rät Gierschik. Der Sozialverband VdK hilft seinen Mitgliedern gerne in allen Angelegenheiten rund um das Krankengeld. Fragen Sie einfach in Ihrer nächstgelegenen Geschäftsstelle nach.

*Name von der Redaktion geändert

Das rät der VdK


Wer von der Krankenkasse unter Druck gesetzt wird, sollte energisch darauf hinweisen, nicht wieder angerufen werden zu wollen. Ferner empfiehlt der VdK, ein Gesprächsprotokoll über die Telefonate zu führen und die Krankenkasse aufzufordern, den Inhalt des Gesprächs sowie ihre Aufforderung schriftlich zu schicken. Häufig reicht es, zu erwähnen, dass man juristischen Beistand durch den VdK hat, um die Telefonanrufe zu beenden. Sollte dies nicht der Fall sein, haben die Rechtsberater des VdK mit dem Schreiben die Möglichkeit, weiter dagegen vorzugehen.

Besonders dreist sind Briefe, in denen mitgeteilt wird, dass die Krankengeldzahlung nach Aktenlage eingestellt wird. Das bedeutet, der MDK beurteilt den Patienten als wieder arbeitsfähig, ohne ihn je gesehen oder mit ihm gesprochen zu haben. In diesem Fall sollte man seinen Arzt hinzuziehen, der die Angelegenheit mit dem MDK klärt. Gut zu wissen: In der Regel reicht die Begründung des MDK nicht aus, um den Krankengeldanspruch zu erschüttern. Zusätzlich sollte man innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Die Begründung des Widerspruchs können die VdK-­Rechtsberater übernehmen.

Annette Liebmann

Schlagworte Krankengeld | MDK | Gesetzliche Krankenversicherung | VdK-Rechtsberatung

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