27. Mai 2020
VdK-Zeitung Archiv

Krisenfeste Solidarität?

VdK-Präsidentin Bentele im Gespräch mit DGB- und Grünen-Vertreterinnen

Corona ist ein Stresstest für die demokratische Gesellschaft. Auf Einladung der bayerischen Grünen-Vorsitzenden Eva Lettenbauer sprachen VdK-Präsidentin Verena Bentele und die stellvertretende bayerische DGB-Vorsitzende Verena Di Pasquale über die Auswirkungen der Krise auf die Solidarität.

Diskutiert wurde online, Interessierte konnten sich im Internet zuschalten und über eine Chat-Funktion Fragen an die Teilnehmerinnen stellen. Eva Lettenbauer beobachtet, wie sich soziale Fragen verschärfen: „Wer zuvor ausgegrenzt und diskriminiert war, ist momentan noch härter betroffen.“

Verena Bentele bestätigte diese Beobachtung: „Die soziale Kluft vertieft sich. Corona hat die gesellschaftlichen Probleme wie auf den Seziertisch gelegt.“ Dass beispielsweise Pflegekräfte fehlen und die Arbeitsbedingungen teils unzumutbar sind, war schon zuvor bekannt. In der Krise offenbarten sich die Probleme aber umso stärker.

„Es war ein Fehler, die Kranken- und Pflegeversorgung privaten Investoren zu überlassen“, stellte sie fest. Gleichzeitig warnte sie vor steigenden Kosten. Ein höherer Pflegeschlüssel dürfe nicht zu noch höheren Eigenbeteiligungen in den Pflegeheimen führen. Sie erneuerte in diesem Zusammenhang die VdK-Forderung nach Einführung einer solidarischen Kranken- und Pflegeversicherung für alle. Im Rahmen einer Bürgerversicherung sei dies auch eine Grünen-Forderung, schloss sich Lettenbauer an.

Bentele machte außerdem auf weitere Corona-Verlierer aufmerksam: „Menschen mit Behinderung, Ältere und chronisch Kranke zahlen mit der Isolation einen sehr hohen Preis.“ Bentele forderte sinnvolle Konzepte, die nicht auf totale Ausgrenzung setzen und trotzdem den Gesundheitsschutz wahren. Das Recht auf Inklusion ende nicht wegen Corona.

„Frauen sind systemrelevant.“ Auf diesen Nenner brachte es Verena Di Pasquale. Denn es seien die Frauen, die in der Krise dafür sorgen, dass alles weiterläuft: Kassiererinnen, Pflegekräfte, Reinigungspersonal. Deren Wichtigkeit müsse sich künftig in der Bezahlung niederschlagen. Sie forderte unter anderem die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen in der Pflege.

Da Frauen grundsätzlich häufiger in niedrig bezahlten Jobs arbeiten, treffen sie die Kürzungen des Einkommens durch Kurzarbeitergeld besonders stark. Darüber hinaus leisten Frauen gerade auch den Großteil der Familienarbeit. Aus Umfragen weiß man: Homeoffice und Kinderbeschulung sind überwiegend Frauensache. Verena Di Pasquale befürchtet eine „Rückwärtsrolle für die Gleichberechtigung“, indem Rollenmuster wiederbelebt und verfestigt werden.

Prekäre Beschäftigung ist gerade in Bayern ein großes Problem, so Di Pasquale. Wer einen Mini-Job hat, bekommt beispielsweise kein Kurzarbeitergeld. Verena Bentele ergänzte, dass vom Wegfall der Mini-Jobs auch viele Rentnerinnen und Rentner betroffen sind, die sonst ihr geringes Einkommen auf diese Weise aufbessern konnten. „Der Markt bringt uns nicht durch die Krise, sondern nur der Staat, der sich einmischt“, ist Di Pasquale überzeugt. „Am Sozialstaat darf nicht gespart werden“, bekräftigte Bentele.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Corona | Video-Chat | Verena Bentele | Verena Di Pasquale | Eva Lettenbauer

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