28. April 2020
VdK-Zeitung Archiv

Armutsrisiko Krankheit

Trotz gesetzlicher Nachbesserungen holen Erwerbsminderungsrenten in Bayern kaum auf

Fast zwölf Prozent aller Neurenten in Bayern werden aufgrund einer Erwerbsminderung ausbezahlt. Statt gemütlichem Ruhestand bedeutet das für die Betroffenen, nicht nur mit einer schweren Erkrankung, sondern auch mit einem sehr niedrigen Einkommen leben zu müssen.

Zum Stichtag 31. Dezember 2018 erhielten 227.150 Personen in Bayern eine Rente wegen Erwerbsminderung. Wer im Jahr 2018 zum ersten Mal eine solche Rente bezog, bekam 818,36 Euro (Männer) beziehungsweise 719,58 Euro (Frauen). Damit liegen für Männer die Renten mehr als deutlich unter denen der durchschnittlichen Alterszugangsrente von 1112,53 Euro. Frauen bekommen mit 704,25 Euro Altersrente im Zugang allerdings etwas weniger Geld als bei der Erwerbsminderungsrente.

Außer ihrer Rente haben die meisten keine weiteren Einkommen zur Verfügung. Armut ist weit verbreitet. 19,56 Prozent aller weiblichen und sogar 28,18 Prozent aller männlichen Erwerbsminderungsrentner in Bayern sind Grundsicherungsempfänger. Zum Vergleich: Bei den männlichen Altersrentnern liegt der Grundsicherungsanteil bei 2,86 Prozent, bei Frauen bei 3,0 Prozent. „Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, die Armut ist viel größer. Aktuelle sozialwissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass über 60 Prozent der Berechtigten keinen Grundsicherungsantrag stellen“, erklärt VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher.

Erwerbsminderungsrentnern konnte dank der auch vom Sozialverband VdK durchgesetzten höheren Zurechnungszeiten immerhin etwas mehr Luft verschafft werden. So ist in Bayern im Vergleich der Jahre 2014 und 2015 ein Anstieg der Zugangsrenten bei Männern um etwa 50 Euro, bei Frauen um etwa 44 Euro zu ver
zeichnen. Auch für das zurückliegende Jahr 2019, für das noch keine Zahlen vorliegen, dürften die Zugangsrenten im Jahresvergleich gestiegen sein, da hier die Zurechnungszeiten nochmals erhöht wurden. „Leider gelten die Verbesserungen nicht für Bestandsrentner. Um die Armutsbekämpfung ernsthaft anzupacken, fordert der VdK deshalb, die Zurechnungszeiten für alle zu erhöhen“, sagt Mascher. Aktuell strengt der VdK auf Bundesebene auch juristische Verfahren an, damit alle gleichermaßen profitieren.

Eine weitere zentrale Forderung des VdK lautet, die ungerechten Abschläge auf Erwerbsminderungsrenten zu streichen. Derzeit müssen Betroffene bis an ihr Lebensende auf etwa 10,8 Prozent ihrer regulären Altersrente verzichten. Eine weitere Ungerechtigkeit ist, dass bei der geplanten Grundrente die Jahre des Erwerbsminderungsbezugs nicht als Beitragszeiten gewertet werden. „Damit ist es fast unmöglich, auf mindestens 33 Beitragsjahre zu kommen. Diesen Menschen bleibt der Weg verschlossen, der Altersarmut zu entgehen“, kritisiert Mascher.

Finanzielle Einbußen

Wer Erwerbsminderungsrente beantragt, hat meist schon einen schweren Weg hinter sich. Die gesundheitlichen Einschränkungen haben oft vorher zu finanziellen Einbußen geführt. Durch die Verrentung droht eine dauerhafte Verarmung. „Umso zynischer ist es, wenn manche Politiker unterstellen, dass die Menschen in die Erwerbsminderung ‚ausweichen‘“, stellt Mascher klar. Zumal mehr als 42 Prozent aller Anträge von der Deutschen Rentenversicherung abgelehnt werden. Vielen gelingt es nur mit sozialrechtlicher Unterstützung in den bayerischen VdK-Geschäftsstellen, erfolgreich Widerspruch einzulegen.

Die Bearbeitungszeit von Anträgen bei der Deutschen Rentenversicherung liegt bei etwa 136 Tagen. Psychische Beeinträchtigungen sind mit 42,7 Prozent die Hauptursache für Erwerbsminderung. Ein Wert, der seit dem Jahr 2000 um 18 Prozent gestiegen ist. Onkologische Erkrankungen sind Ursache für 13,3 Prozent der Erwerbsminderungen, für 12,9 Prozent sind es orthopädische Befunde an Skelett und Muskeln. Im Durchschnitt tritt die Erwerbsminderung bei Frauen mit 51,6, bei Männern mit 52,7 Jahren ein.

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Der Sozialverband VdK Bayern berät zur Erwerbsminderung Betroffene bei der Antragstellung und gegebenenfalls bei Widerspruch bis hin zur Klage. In der VdK-TV-Serie „Ratgeber Rente“ ist im Beitrag zur Erwerbsminderungsrente alles Wichtige gut verständlich aufbereitet und zusammengefasst.

VdK-TV: Erwerbsminderungsrente - eine Rente, die in die Armut führt?

Etwa 1,78 Millionen Menschen in Deutschland bekommen eine Erwerbsminderungsrente, Tendenz steigend. Der Beitrag gibt einen Überblick zum Thema und zeigt, wo der VdK Handlungsbedarf sieht.

Dr. Bettina Schubarth

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