29. April 2020
VdK-Zeitung Archiv

„Ein Gefühl wechselseitiger Sorge und Verantwortung“

Wissenschaftler: Solidarität und ein fürsorgender Staat gewinnen in der Corona-Krise stark an Bedeutung

Das Coronavirus hat viel Leid in die Welt gebracht. In dieser Krise achten die Menschen aber auch verstärkt auf Werte, die zumindest teilweise vergessen schienen, wie zum Beispiel Solidarität.

„Es verschiebt sich gerade vieles. Der Begriff der Solidarität zum Beispiel, nach dem jetzt wieder alle fragen“, sagt Prof. Dr. Heinz Bude im Interview mit „Zeit Online“. Wie andere Soziologen stellt auch Bude fest, dass durch die Bedrohung durch das Coronavirus quer durch die Gesellschaft eine neue Verbundenheit herrscht.

„Alle gemeinsam empfinden, wie verwundbar sie sind. Diese kollektive Empfindung beschränkt sich eben nicht auf spezifische Gruppen. Daraus ergibt sich zumindest ein Gefühl wechselseitiger Sorge und Verantwortung. Das ist etwas, mit dem wir uns längerfristig befassen werden“, erklärt Bude, von dem im vergangenen Jahr das Buch „Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee“ erschienen ist.

Prof. Dr. Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen sagte in SWR2: „Im Zuge der Krise ist Kooperation statt Konkurrenz die neue Grundsubstanz für diesen Wandel.“ Grundlage einer gerechten Gesellschaft sei gegenseitige Unterstützung. „Irgendwo im Leben von Individuen muss etwas existieren, das die Rettung ganzer Gemeinschaften bewirken kann, sonst ist das Experiment Gesellschaft zum Scheitern verurteilt.“

Prof. Dr. Andreas Reckwitz, Soziologe und Kultursoziologe an der Humboldt-Universität Berlin, spricht im Interview mit dem „Tagesspiegel“ von einer „Erfahrung eines Kollektivbewusstseins – alle sind betroffen“. Dies führe „zu solidarischer Unterstützung, im ‚Kiez‘, in der Nachbarschaft“. Reckwitz sieht zudem, dass Berufe, die in normalen Zeiten als selbstverständlich betrachtet und gering bezahlt werden, in der Krise enorm an Bedeutung und gesellschaftlicher Akzeptanz gewonnen haben.

Jetzt werde deutlich, dass die Gesellschaft auf die Menschen, die sich beispielsweise um Pflege, Sicherheit, Reinigung, Transport und Lebensmittelversorgung kümmern, angewiesen sei. Der Berliner Soziologe fügt hinzu: „Ob sich das für die betreffenden Gruppen langfristig auszahlt, symbolisch oder materiell, wird sich zeigen.“

Gesundheitssystem für alle

Bude sieht das ähnlich: „Wir werden ein neues Bewusstsein über die Bedeutung kollektiver Güter haben, die nicht privat hergestellt werden können. Das betrifft das Gesundheitssystem, das betrifft auch die Strukturen der sozialen Absicherung in unserer Gesellschaft“, sagt der Professor für Makrosoziologie an der Universität Kassel im Interview mit „Zeit Online“ und fügt hinzu: „Ich glaube, die Zeit der Minimierung des Staates und des Rückbaus von Sozialsystemen ist vorbei.“

Für den Soziologen Prof. Dr. Stephan Lessenich zeigt sich nun die Bedeutung des öffentlichen Gesundheitswesens, das zuverlässig, frei zugänglich und auf die existenziellen Bedürfnisse der gesamten Bevölkerung ausgerichtet sei. Der Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München hebt in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Rundschau“ zudem die Wirtschaftspolitik hervor, „die nicht einer Ökonomie des Profitablen und Überflüssigen, sondern des Nötigen und Lebensnotwendigen den Vorzug gibt“.

VdK-Präsidentin Verena Bentele wirbt im Videoportal des Sozialverbands VdK für Solidarität. Dabei nennt sie positive Beispiele, die ihr aufgefallen sind.

Sebastian Heise

Schlagworte Corona | Zusammenhalt | Solidarität

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