24. März 2020
VdK-Zeitung Archiv

Hochzeit ohne Hindernisse

VdK-Mitglieder berichten über ihre Erfahrungen bei der Trauung von Menschen mit und ohne Behinderung

Sind Hochzeiten zwischen Menschen mit Behinderung beziehungsweise zwischen Menschen mit und ohne Behinderung irgendwie „anders“? Gibt es Vorurteile, Hindernisse, Bedenken, Ablehnungen? Wir haben VdK-Mitglieder gebeten, von ihren Erfahrungen zu berichten. Und wir haben viele Mut machende Zuschriften erhalten.

Bildergalerie: Hochzeit ohne Hindernisse

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  • Nadine und Michael Schneider in Eching.
    Brautpaar
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  • Artur und Birgit Ullrich.
    Paar
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  • Sonja McCombie-Krauß und Stefan.
    Paar
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  • Stephanie Beßner (Mitte) mit Tochter Tessa bei der Trauung mit Feilong.
    Trauung
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  • Ramona und Lothar Peglau in Rerik.
    Brautpaar
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  • Berend und Norma de Wall.
    Brautpaar
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  • Ilka Krapp-Kannberg (rotes Kleid) mit Ehemann Jörg und Hochzeitsgästen.
    Hochzeitsgesellschaft
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  • Ronny Schöniger mit seiner zukünftigen Frau.
    Paar
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Ramona und Lothar Peglau aus Barleben (Sachsen-Anhalt) bezeichnen ihre Eheschließung im Mai 2013 in Rerik an der Ostsee als „den schönsten Tag in unserem Leben“. Die Tatsache, dass Ramona Rollstuhlfahrerin ist, habe bei der Organisation der Hochzeit nie ein Problem dargestellt. „Im Gegenteil: Wir haben sehr viel Hilfsbereitschaft erfahren – sowohl vom Standesamt Neubukow als auch vom Hotel und von allen anderen Menschen, die beteiligt waren“, schreibt Lothar Peglau.

Ebenfalls gute Erfahrungen bei den Vorbereitungen erfährt derzeit Ronny Schöniger aus Osterspai (Rheinland-Pfalz). Der 52-Jährige leidet unter einer sensomotorischen Neuropathie und einer neuralen Muskelatrophie (Muskelschwund). Vor allem das rechte Bein bereitete ihm immer wieder Probleme. „Auch zehn Operationen brachten keinen Erfolg, sodass ich mich 2007 zur Amputation meines Unterschenkels entschied“, erzählt er. 2014 lernte er auf einem Weinfest seine zukünftige Frau kennen. „Sie fragte mich, ob ich nicht mal mit ihr tanzen würde. Ich erzählte ihr von meiner Erkrankung und dem fehlenden Unterschenkel. Sie hörte interessiert zu, lächelte mich an, nahm meine Hand und ging mit mir – ohne ein Wort zu sagen – zur Tanzfläche. Seitdem sind wir ein glückliches Paar.“ Am 16. Mai 2020 werden die beiden heiraten.

Von ihrer Hochzeit am 14. Dezember 2019 kann Stephanie Beßner aus Heidenheim (Baden-Württemberg) nur Positives berichten. Seit 28 Jahren ist sie an Multipler Sklerose (MS) erkrankt und muss daher mit zeitweiligen Einschränkungen leben. Obwohl ihr Mann Feilong extrem sportlich ist, hatte er keine Probleme, damit umzugehen. „Er nimmt immer Rücksicht und passt sein Tempo auf mich an“, erzählt sie. Auch seine chinesische Familie habe sie herzlich aufgenommen.

1994 wurde Ilse Gampe aus Rüsselsheim (Hessen) aufgrund einer Fehlstellung der Hüfte erwerbsunfähig. „Nach vielen Operationen konnte ich mich nur noch mit Gehhilfen fortbewegen“, schreibt die 79-Jährige. Im gleichen Jahr lernte sie Uwe Kalt kennen, der als Krankenpfleger wusste, worauf er sich einließ. „Trotzdem heirateten wir 1996. Es gab viele Höhen und noch mehr gesundheitliche Tiefen, doch das schweißte uns nur noch mehr zusammen.“

Richtig frisch vermählt – seit dem 21. Dezember 2019 – sind Ilka Krapp-Kannberg und Jörg Krapp aus Witten (Nordrhein- Westfalen). „Die Planung unseres Fests habe ich übernommen und bin dabei auf keinerlei ‚Stolpersteine‘ gestoßen“, schreibt die 56-Jährige, bei der 2002 MS diagnostiziert wurde. „Ich gehe offen mit meiner Krankheit um, somit wurde bei der Anmeldung, bei der Feierlichkeit, auf dem Standesamt, bei der Kleiderauswahl sowie von Fotografen und Gästen Rücksicht auf meine Gehbehinderung genommen.“

Vertauschte Rollen

„Wir sind verkuppelt worden“, erzählt Sonja McCombie-Krauß aus dem bayerischen Pfofeld. Ihr Mann Stefan (54) ist stark sehbehindert. Sie selbst (53) kämpft seit ihrem 19. Lebensjahr mit einer Angststörung. „Unsere Hochzeit lief nicht wirklich anders als die von ‚Normalos‘ ab. Bei uns sind aber generell die Rollen etwas vertauscht: Da mein Mann keinen Führerschein hat, wurde mein Wagen als Hochzeitsauto dekoriert. Die Hochzeitsrede hielt auch ich selbst: Mein Vater lebt nicht mehr, und Stefan hätte viel zu viel Angst gehabt, dass er das Geschriebene auf dem Zettel nicht lesen kann.“

Über Schwierigkeiten, überhaupt zu heiraten, berichtet Berend de Wall aus Kalkar (Nordrhein-Westfalen). Er lebte seit 1995 mit seiner Norma ohne Trauschein, als ein Aneurysma in ihrem Kopf 2010 ihr gemeinsames Leben umkrempelte. Nach einer Reha verbesserte sich Normas Zustand zwar, doch sie ist seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen, kann nicht mehr sprechen, sich aber immerhin mithilfe eines Laptops äußern. „Leider hat uns die Standesbeamtin in Kalkar nicht trauen wollen“, schreibt de Wall. Letztlich fand die Hochzeit dann an seinem früheren Wohnort in Duisburg statt. Ein Jahr später wurde in Kalkar kirchlich geheiratet.

Bei Adelheid und Romano Zannantonio aus Wolfratshausen (Bayern) spielte der VdK eine entscheidende Rolle. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt nämlich mit einem kleinen Inserat in der VdK-ZEITUNG in den 1980er-Jahren. Beide haben körperliche Behinderungen und sind seit 1989 sehr glücklich miteinander verheiratet. „Wir helfen und ergänzen uns gegenseitig so gut wie möglich. Vorurteile, Ablehnungen und Hindernisse uns gegenüber gab es von keiner Seite.“

Fast 50 Jahre war Jürgen Wolfarth aus Kitzingen (Bayern) verheiratet. „Wir haben eine Bilderbuch-Ehe geführt“, sagt der 83-Jährige, dessen Frau – ebenfalls Jahrgang 1937 – mit einem Beinlängenunterschied von sechs einhalb Zentimetern zurechtkommen musste. Bei den Hochzeitsvorbereitungen habe es aufgrund ihrer Behinderung weder bei Behörden noch im Bekanntenkreis irgendwelche Probleme gegeben, versichert der passionierte Wanderer. Vor dreieinhalb Jahren ist seine Frau verstorben.

„Natürlich hatte ich Angst, mich auf einen MS-Kranken einzulassen. Doch ich war mutig“, schreibt Birgit Ullrich aus Kürnach (Bayern). Die 48-Jährige hat 2018 im Rathaus und in der Pfarrkirche – beide Orte mit barrierefreiem Zugang – ihren Artur (62) geheiratet, der seit zweieinhalb Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. Zusammen wohnen sie in einer Einrichtung für Menschen ab 50 Jahre mit und ohne Behinderung.

Da Nadine (25) und Michael Schneider (34) aus Eching (Bayern) beide eine geistige Behinderung haben, benötigten sie sowohl für ihre standesamtliche als auch ihre kirchliche Hochzeit in den Jahren 2017 und 2018 die Zustimmung ihrer Mütter, die als Betreuerinnen eingesetzt sind. „Bei beiden Trauungen ging es heiter, locker und ohne Vorurteile zu“, berichten Nadines Großeltern.

Fazit: Hochzeiten in Deutschland von Menschen mit und ohne Behinderung gehen weitgehend vorurteilsfrei und ohne große Ablehnungen in den Familien oder Schwierigkeiten bei Behörden und Veranstaltern vonstatten. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die Zuschriften, die wir von unseren Leserinnen und Lesern erhalten haben. Von negativen Erlebnissen hat jedenfalls keiner berichtet. Anscheinend lassen sich die meisten Hindernisse doch überwinden.

Mirko Besch

Schlagworte Hochzeit | Menschen mit Behinderung | Trauung

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