20. Februar 2020
VdK-Zeitung Archiv

Politischer Protest kennt kein Alter

Die „Omas gegen Rechts“ zeigen Hass und Fremdenfeindlichkeit die Rote Karte

Die „Omas gegen Rechts“ gehen auf Demos und protestieren lautstark gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit. Die VdK-Zeitung hat vier von ihnen getroffen.

Zu Hause sitzen und stumm bleiben? Diese vier "Omas" haben etwas anderes vor: Irmi H., Lisa R., Christine F. und Regina D. (von links) protestieren gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit. | © Annette Liebmann

„Omas gegen Rechts“ gibt es seit November 2017. Die Österreicherin Monika Salzer wollte dem Rechtsruck in ihrem Land etwas entgegensetzen und rief auf Facebook die Gruppe ins Leben. Es folgten weitere Zusammenschlüsse in ganz Österreich. 2018 kam die Bewegung auch nach Deutschland. Unter dem Motto „Alt sein heißt nicht stumm sein“ gehen Frauen zwischen 50 und 100 Jahren auf die Straße und demonstrieren gegen Nationalismus, Faschismus, Ausländerhass, Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung von Minderheiten.

In Bayern wurden „Omas gegen Rechts“ bisher in acht Städten gegründet: in Aschaffenburg, Dachau, Ingolstadt, München, Nürnberg, Rosenheim, Schwangau und Würzburg. Lisa R., Irmi H., Christine F. und Regina D. sind in einer der beiden Münchner Gruppen aktiv. Diese zählt etwa 20 aktive Mitglieder und weitere 20, die unregelmäßig mit dabei sind, darunter auch ein „Opa gegen Rechts“. Einmal im Monat treffen sie sich und tauschen sich miteinander aus. Nicht immer wird ihr Engagement gern gesehen. Deshalb wollen sie nicht, dass ihr voller Name genannt wird.

Die meisten „Omas gegen Rechts“ stehen nicht mehr im Berufsleben und haben daher mehr Zeit als andere, sich politisch zu engagieren. So auch die vier Münchnerinnen. Doch sie sind nicht nur dagegen, sondern stehen auch für etwas: für den Erhalt der parlamentarischen Demokratie in einem gemeinsamen Europa, für die gleichen Rechte aller und für soziale Standards, die von Eltern und Großeltern hart erkämpft wurden. „Viele Menschen haben vergessen, dass Europa ein großes Friedensprojekt ist – immerhin haben wir in Mitteleuropa seit 75 Jahren keinen Krieg mehr gehabt“, erinnert Christine F. Zu den prominenten Unterstützern der Bewegung zählen auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und der Liedermacher Konstantin Wecker.

Gegen die AfD im Landtag

Der Auslöser, sich politisch zu engagieren, war für Lisa R. und Irmi H. der Einzug der rechtsgerichteten AfD in den bayerischen Landtag. „Dass die Partei ins Parlament gewählt wurde, hat mich fassungslos gemacht“, bekennt Irmi H. „Mir als Großmutter ist es wichtig, Verantwortung zu übernehmen und meinen Enkeln keine Welt zu hinterlassen, die nach rechts abrutscht“, erklärt Lisa R. Auf der Demo „Wehret den Anfängen“ im November 2018 haben sie erstmals Seniorinnen der Initiative gesehen und sich der Gruppe angeschlossen.

Christine F. kam bei der Protestaktion „München ist bunt“ mit dazu. „Mir war klar, dass es nun an der Zeit ist, etwas zu tun“, sagt sie. VdK­-Mitglied Regina D. ist viele Jahre über alleine auf Demos gegangen und freut sich, nun Gleichgesinnte gefunden zu haben. Sie ist die einzige der Gruppe, die keine Enkel hat. Aber das macht nichts: „Oma ist ja kein biologischer Zustand, sondern eine Haltung.“

In der vordersten Reihe

Auffallen gehört zum großen Auftritt dazu. „Omas stehen bei Kundgebungen für alle sichtbar in der vordersten Reihe und halten ihr Schild in der Hand“, erzählt Lisa R. Das kommt gut an, auch bei jüngeren Teilnehmern. Die Gruppen im deutschsprachigen Raum sind gut vernetzt und unterstützen sich bei großen Veranstaltungen. So waren Christine F. und Regina D. im August 2019 bei der „Unteilbar“­-Demo in Dresden dabei. „Das war ein tolles Erlebnis“, berichtet Regina D. „Mehrere hundert Omas aus ganz Deutschland und Österreich waren gekommen, und es gab sogar eine Uroma gegen Rechts.“

Die „Omas gegen Rechts“ stellen sich auch abseits von großen Menschenmengen der politischen Diskussion. Zum Beispiel, wenn sie in Münchner Stadtteilen einen Stand aufbauen und mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Manche Passanten kommen ins Grübeln, andere lassen sich überzeugen, einige wollen aber auch nur ihren Frust ablassen. „Es ist unglaublich wichtig, dass man nicht nur in seiner eigenen Blase lebt, sondern auch Kontakt mit Andersdenkenden hat“, ist Lisa R. überzeugt. „Dabei lernt man viel über Menschen und die Gesellschaft.“

Nähere Infos über die „Omas gegen Rechts“ gibt es im Internet unter www.omasgegenrechts-deutschland.de, über die Münchner Gruppe unter www.omasgegenrechtsmünchen.de .

Annette Liebmann

Schlagworte Omas gegen Rechts

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