24. Februar 2020
VdK-Zeitung Archiv

65 ,67, 69, 73: Ein höheres Renteneintrittsalter ist keine Lösung

Zu viele Alte, zu wenig Junge: In den Rentendiskussionen dient das oft als Schreckensszenario, um zu beweisen, dass unser Umlagesystem ausgedient hat. Doch eine kritische Analyse lohnt sich.

Alt und Jung lassen sich bei der Rente nicht gegeneinander ausspielen. | © Sozialverband VdK Deutschland

Die Babyboomer trifft es hart: Wer ab 1964 geboren wurde, erreicht erst mit 67 Jahren die Regelaltersgrenze und kann abschlagsfrei in Rente gehen. 2031 ist also das erste Jahr, in dem die Rente mit 67 komplett umgesetzt ist. Im europäischen Vergleich lässt Deutschland seine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon 2020 sehr lange arbeiten, nämlich bis 65 Jahre und neun Monate. Nur in Portugal und in Irland gelten ähnlich hohe Altersgrenzen.

Nicht überall lassen sich die Bürger eine Anhebung des Rentenalters einfach gefallen. In Frankreich haben mehrwöchige Streiks dafür gesorgt, dass dort weiterhin spätestens mit 62 Jahren das Rentnerleben beginnt und nicht, wie von der Regierung geplant, mit 64. Rente mit 67 heißt hierzulande Rentenkürzung. Denn die meisten müssen Abschläge hinnehmen. Im Schnitt schafft es eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer, nur bis 64 zu arbeiten. 40 Prozent kommen sogar aus der Erwerbslosigkeit in die Altersrente.

Trotzdem hat eine weitere Anhebung der Altersgrenze in Deutschland auf mindestens 69 Jahre einige Fürsprecher: die Bundesbank, das Ifo-Institut oder das Institut der deutschen Wirtschaft. Letzteres fordert langfristig sogar ein Rentenalter von 73 Jahren. Das Argument lautet unisono: Die demografische Entwicklung lasse keine andere Lösung zu. Kamen 1962 auf einen Rentenbezieher sechs Beitragszahler, sind es heute nur noch zwei.

Doch das Köpfezählen alleine ist zu simpel. Der wichtigere Faktor heißt „Produktivität“. Die steigt seit 20 Jahren kontinuierlich an, obwohl sich die Anzahl der Arbeitsstunden seither kaum erhöht hat. Würden Anteile der erwirtschafteten Gewinne, wie vom VdK gefordert, in die Rentenkasse fließen, wäre die Geburtenflaute gut ausgeglichen. Auch ein höheres Lohnniveau bringt mehr Geld in die gesetzliche Rentenversicherung. Darum ist es notwendig, gegen Niedrigeinkommen und prekäre Beschäftigung zu kämpfen.

Zudem ist das Beitragszahlerpotenzial längst nicht ausgeschöpft. Viele Frauen stecken in Teilzeit fest. Zahlreiche Migranten, Ältere, Langzeitarbeitslose und Menschen mit Behinderung wären gerne in festen Jobs. Und um die gesetzliche Rente auf eine breite Finanzierungsbasis zu stellen, ist die vom VdK geforderte Erwerbstätigenversicherung die beste Lösung.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte Rente | Rentenalter | Renteneintrittsalter

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