23. Oktober 2019
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Hartnäckig und unbeirrbar

Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg: Ihr Einsatz hat mit Asperger zu tun

Durch ihr Anderssein ist sie zur Ikone und Leitfigur einer weltweiten Klimabewegung geworden: Die 16-jährige Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg macht nicht nur mit den „Fridays for Future“-Demonstrationen auf sich aufmerksam, die sie initiiert hat, sondern auch durch das bei ihr diagnostizierte Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus.

Wegen der jungen Schwedin gilt Autismus plötzlich als „chic“. Sie selbst sagt, dass ihr immenser Einsatz ohne die Krankheit gar nicht möglich wäre. Asperger sei sogar der Antrieb für den Protest. Asperger zählt als Entwicklungsstörung zu den Autismus-Spektrum-Störungen (ASS). Manche sehen Autismus als Behinderung, andere als eine andere Art der Wahrnehmung. Für viele Autisten ist die Diagnose Teil ihrer Identität. Asperger-Betroffene haben häufig Spezialinteressen.

Depression mit elf

Ärzte diagnostizierten bei Greta Thunberg das Asperger-Syndrom, als sie zwölf Jahre alt war. Doch schon mit neun Jahren beschäftigte sie sich mit dem Klimawandel. Dem ZDF erklärte sie in einem Interview: „Es hat damit angefangen, dass ich damit begonnen habe, das Licht zu Hause auszuschalten, um Strom zu sparen. Außerdem habe ich Ladekabel aus der Steckdose gezogen.“

Ihre Sorge um die „existenzielle Bedrohung“ durch den Klimawandel wurde immer größer. Sie fiel mit elf Jahren in eine Depression, entwickelte eine Ess-Störung und ging nicht mehr in die Schule. Dass Menschen mit Asperger auch andere psychiatrische Symptome zeigen, ist nicht selten. Bei Greta Thunberg, der Tochter eines Schauspielers und Produzenten sowie einer Opernsängerin, war es jedenfalls so.

Deshalb sieht die Münchner Psychologin Andrea Fischer Gretas Kampf gegen den Klimawandel für die 16-Jährige selbst sogar als Gesundbrunnen: „Die starke Beschäftigung mit einem Thema kann gut sein und als Ablenkung von Störungen helfen“, sagt sie. Greta Thunberg nennt ihr Asperger sogar eine „Superkraft“. Denn: Asperger-Betroffene halten keine Widersprüchlichkeit aus. So ist es auch bei ihr. Auf Facebook postet sie: „Mein Gehirn arbeitet ein bisschen anders. Also habe ich einen anderen Blickwinkel auf die Welt, ich sehe sie hauptsächlich in Schwarz und Weiß.“

Gerade deswegen wirkt sie auf viele so charismatisch und interessant, wie Andrea Fischer feststellt: „Wer Asperger hat, kann Rückmeldungen ausblenden, deshalb kennt Greta auch kein Lampenfieber oder größere Nervosität“, erklärt sie. Das Hauptproblem sei dann allerdings die „Kommunikation zwischen den Zeilen“. Mit Asperger habe man Probleme, sich in andere hineinzuversetzen und Kompromisse einzugehen. Das Sozialleben sei immens erschwert. Greta Thunberg sei eine „Extremfigur“.

Sie sei nicht nur durch ihr Tun ungewöhnlich, sondern auch durch ihre Optik. Andrea Fischer: „Eine Greta mit ihren Zöpfen, die so ganz anders aussieht, wie man sich eine 16-Jährige vorstellt, sticht hervor.“ Ihr Anders-Sein wecke eine besondere Anziehungskraft. Normalerweise sei man in der Pubertät nicht nur auf ein Thema fokussiert, sondern habe ganz viele Interessen. Greta aber habe diese Unbeirrbarkeit und nur das Thema Umwelt.

Bei Asperger, dieser besonderen Form des Autismus, sind die Betroffenen mindestens normal bis überdurchschnittlich begabt. Psychologin Andrea Fischer hält Greta Thunberg für „hochintelligent“. Ein Rückblick: Mit 15 Jahren saß Greta Thunberg vor dem schwedischen Reichstag mit einem selbst gebastelten Schild im Arm. „Skolstrejk för klimatet“, stand darauf. Übersetzt: „Schulstreik für das Klima.“

Damit begann alles. Sie kauerte am Boden oder verteilte Handzettel. Und das zog sie wochenlang durch und schwänzte die Schule. Am Anfang wollten Lehrer sie davon abbringen, später solidarisierten sie sich mit ihr. Ihr Schulstreik für das Klima hat junge Menschen auf der ganzen Welt motiviert, einmal pro Woche für mehr Klimaschutz zu protestieren. So sind die „Fridays for Future“-Demonstrationen entstanden. Mittlerweile gibt Greta Thunberg viele Interviews und spricht auf großen Konferenzen zu wichtigen Politikern. Vorläufiger Höhepunkt: Beim Klimagipfel in New York hielt sie eine wütende Rede.

Mehr Nachhaltigkeit

Sie hat sehr viele Anhänger, vor allem Schüler und Studenten, die sich für grüne Technologien und gegen den CO2-Ausstoß der modernen Industriegesellschaft stellen. Doch zunehmend kann sie auch andere Altersgruppen für sich einnehmen. „Immer mehr ältere Menschen setzen sich dafür ein, dass auch die nachfolgenden Generationen gute Lebensbedingungen haben werden. Sie nehmen an Demonstrationen der ,Fridays for future‘-Bewegung teil und gründen eigene Initiativen wie die ,Grandparents for Future‘. Andere geben mit ihrem ressourcensparenden Lebensstil ein Beispiel für Wege zu mehr Nachhaltigkeit“, heißt es in einer Presseerklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO).

Das Problembewusstsein beim Thema Umwelt steigt also. Und Greta Thunberg bleibt das Idol dieser Bewegung. Ihr Engagement, findet Psychologin Andrea Fischer, könne ein Anstoß für die Klimabewegung und Basis für konkrete Maßnahmen sein. Es reiche aber nicht aus, nur mit Greta zu protestieren. Jeder Einzelne müsse seinen Lebensstil überdenken. Für Greta selbst sieht es die Psychologin pragmatisch: „Wenn Greta Thunberg durch diese große Aufgabe ausgefüllter und glücklicher ist und ihr Leben besser bewältigen kann, dann ist ihr auch ohne Veränderungen im Klimaschutz schon geholfen.“

Der Bundesverband Autismus Deutschland e. V. vertritt als Selbsthilfeverband die Interessen von Menschen mit Autismus und ihrer Angehörigen.

Bundesverband Autismus Deutschland
Rothenbaumchaussee 15 20148 Hamburg
Tel. (0 40) 5 11 56 04
info@autismus.de
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Petra J. Huschke

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