26. Juni 2019
VdK-Zeitung Archiv

Die Rente reicht noch lange nicht

VdK sagt Altersarmut den Kampf an und fordert eine gerechte gesetzliche Rente für alle Geringverdiener

Ob Frisör, Kellner, Kassierer, Altenpfleger oder Paketzusteller – diese Menschen leisten wertvolle Dienste und arbeiten hart. Dass sie dafür viel zu wenig Lohn erhalten, treibt den VdK um. Denn wer in seinem Leben lange Zeit einen Job mit niedrigem Verdienst hatte, dem reicht in diesem Land die Rente später meist nicht aus. Mit dieser Ungerechtigkeit muss Schluss sein, fordert der Sozialverband und appelliert in seiner Kampagne #Rentefüralle an die Bundesregierung: Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, muss auf eine ausreichende gesetzliche Rente vertrauen können.

Plakatmotiv der VdK-Rentenkampagne mit der Aufschrift

Laut einer OECD-Umfrage sorgen sich mehr als drei Viertel der Bundesbürger um ihre finanzielle Situation im Alter. Wie erschreckend niedrig die Rentenansprüche von Geringverdienern hierzulande sind, rechnet der VdK in seiner aktuellen Rentenkampagne vor: Wer vier Jahrzehnte auf dem Niveau des Mindestlohns in Vollzeit gearbeitet hat, kommt derzeit auf eine monatliche Rente von nur 512,48 Euro. Hier ist nach Ansicht des Sozialverbands eine Aufwertung über die gesetzliche Rentenversicherung, etwa durch eine Grundrente, dringend nötig. Damit könnten solche Renten auf 960,90 Euro angehoben werden.

Faire Arbeit, faire Löhne

Faire Arbeitsverhältnisse und gerechte Löhne – das sind in Kurzfassung die Forderungen des VdK an die Bundesregierung, um Altersarmut bei Männern und Frauen in Zukunft zu vermeiden. Dazu gehört auch ein gesetzlicher Mindestlohn, der mindestens 12,80 Euro beträgt, damit eine Rente oberhalb des Existenzminimums erwirtschaftet werden kann.

Ebenso erforderlich sind staatliche Anreize für Unternehmen, dass sie nach Tarif bezahlen. Tarifgebundene Arbeitnehmer zahlen im Durchschnitt 18 Prozent mehr in die Rentenkasse ein als nicht tarifgebundene Beschäftigte. Des Weiteren kritisiert der Sozialverband die derzeitige Arbeitsmarktpolitik. Minijobs sowie Zeit- und Leiharbeit sind für eine gute Rente kontraproduktiv. Es braucht mehr reguläre, gut bezahlte sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen.

Gutverdiener leben länger

Berichte zu den Auswirkungen eines langen Erwerbslebens mit schlechter Bezahlung sind alarmierend. Die Schere zwischen Arm und Reich geht beispielsweise bei der Lebenserwartung deutlich auseinander: Wer viel verdient, lebt länger. Darauf hat erst im Juni wieder eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hingewiesen. Untersucht wurden westdeutsche männliche Arbeitnehmer, die zwischen 1926 und 1949 geboren wurden. Demnach leben Männer mit geringem Einkommen bis zu sieben Jahre kürzer als solche, die mehr verdienen. Nicht nur gering verdienende Männer, auch Frauen sind von Altersarmut bedroht. 705 Euro – das ist die durchschnittliche Altersrente von Frauen in Deutschland laut Rentenatlas 2018 der Deutschen Rentenversicherung.

Knapp 600 Euro Rente

Auf eine traurige Bilanz am Ende eines ganzen Arbeitslebens schaut auch VdK-Mitglied Ingrid Grundmann aus Schwerin. Die heute 80-Jährige muss mit einer monatlichen Rente von knapp 600 Euro über die Runden kommen, weil sie nicht ausreichend Rentenpunkte sammeln konnte. Dabei hat sie insgesamt 40 Jahre gearbeitet, 20 Jahre davon bei ihrem Mann, einem Klavierbaumeister mit großer eigener Werkstatt und Angestellten. „Früher arbeiteten Frauen ganz selbstverständlich im Familienbetrieb mit, waren aber nur familienversichert“, erklärt Grundmann.

Die andere Hälfte ihres Erwerbslebens war sie als Sekretärin in der Apotheke einer Klinik beschäftigt. Sie zog eine Tochter groß. Eine Scheidung machte ihre finanziellen Sorgen später noch größer. Von alledem lässt sich die Schwerinerin nicht unterkriegen. Ihre größte Freude: „Mein Enkel Gordon, der immer an meiner Seite ist und mir versprochen hat, mit mir noch einmal nach Masuren zu fahren, um nach 75 Jahren meine ostpreußische Heimat wiederzusehen.“

Aber auch ihr Einsatz für Menschen und Tiere stärkt sie. Die rührige Seniorin findet, dass die Politik den Menschen mehr Wertschätzung für die Lebensleistung schuldig ist. Deshalb macht sie sich für die VdK-Kampagne #Rentefüralle stark. „Ich bin froh, dass ich für viele reden darf. Vielleicht ändert sich ja mal was.“ Tipp: Ein Porträt über VdK-Mitglied Ingrid Grundmann sehen Sie ab dem 15. Juli auf VdK-TV.

Sie wollen auf dem Laufenden bleiben? Zur bundesweiten VdK-Kampagne Rentefüralle finden Sie zahlreiche Informationen, Hintergrundpapiere und Mitmachangebote auf diesen Seiten im Web:

Zentrale Internetseite der VdK-Kampagne: www.rentefüralle.de
Mitmachen, Stimme abgeben! www.rentefüralle.de
Kampagnenfilme in der Mediathek von VdK-TV www.vdktv.de
Ganz aktuell informiert in den sozialen Medien
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Elisabeth Antritter

Schlagworte Rente | VdK-Kampagne | #Rentefüralle

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