20. Februar 2019
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Unbezahlbare Heimatstadt

VdK-Mitglied Jana Förster zog nach Wohnungsverlust aus München weg und kehrt aus Ärztemangel nun tageweise zurück

Kranke und arme Menschen können sich die Großstädte München und Nürnberg kaum leisten. Wenn sie keine günstige Wohnung finden oder diese verlieren, bleibt oft nur die Flucht aufs Land. Doch die Gesundheitsversorgung ist in der Provinz oft schlechter. Menschen wie VdK-Mitglied Jana Förster befinden sich in einer Zwickmühle.

Jana Förster wäre gerne in München geblieben. Doch sie fand keine bezahlbare Wohnung. | © Sebastian Heise

Gerne, aber auch mit Wehmut, denkt Jana Förster an ihre Zeit in München zurück. Mit 21 Jahren kam sie aus Prag in die bayerische Landeshauptstadt – ihrem Mann zuliebe. Sie heirateten, bekamen Kinder. Doch das Eheglück zerbrach. Als alleinerziehende Mutter arbeitete sie für ein Trachtenmodengeschäft und nebenbei noch im Supermarkt. Nur so konnte sie Wohnung und Familie finanzieren. Nach 16 Jahren verlor sie jedoch ihre Stelle im Einzelhandel. Das Unternehmen strich aus Sparmaßnahmen reihenweise Arbeitsplätze. Jana Förster suchte zweieinhalb Jahre vergeblich eine neue Stelle, bevor sie schließlich bei einer Obdachlosenzeitung anfing. Für diese arbeitete sie zwölf Jahre.

Arbeit bei jedem Wetter

Die heute 64-Jährige war damals froh, diese Stelle zu haben. Sie erinnert sich gerne daran, wie sie von ihrer letzten Wohnung in der Au über die Isar zu Fuß zum Viktualienmarkt ging, wo sie immer stand und das Magazin verkaufte. Doch die Arbeit bei Wind und Wetter setzte ihr gesundheitlich dermaßen zu, dass sie aufhören musste. Neben Nieren- und Blasenbeschwerden leidet sie seitdem unter rheumatischen Erkrankungen und Migräne. Ihr blieb nur der Ausweg, in Erwerbsminderungsrente zu gehen.

Dann verlor Jana Förster auch noch ihre bezahlbare Wohnung wegen einer Eigenbedarfskündigung. Sie fand keine ähnlich günstige Unterkunft in München, der Stadt, die trotz trauriger Erlebnisse zu ihrer Heimat geworden ist. Aus der Not heraus zog sie im Sommer 2017 ins niederbayerische Deggendorf um. Im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses ohne Aufzug fand sie eine bezahlbare Ein-Zimmer-Wohnung. Sie hat sich extra einen Ort mit einem Krankenhaus ausgesucht, das sich um ihre Nierenprobleme kümmern kann.

Doch seit einiger Zeit hat Jana Förster auch Schwierigkeiten mit dem Herzen. Sie musste zu einem Kardiologen. In Deggendorf und Umgebung bekam sie keinen Termin, nur in München. Mit Bus-, Zug- und S-Bahnfahrt sowie Wartezeit und Untersuchung ist sie einen ganzen Tag unterwegs. In dieser Zeit würde sie lieber ihre 89-jährige Mutter im Pflegeheim in Freising besuchen. Diese ist erblindet und leidet an Parkinson. Jana Förster würde gerne in eine betreute und barrierefreie Wohnanlage umziehen. Denn es fällt ihr immer schwerer, die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufzusteigen. Sie hat schon bei verschiedenen Anbietern angerufen. Doch wenn sie ihre Rente in Höhe von 920 Euro nennt, „rufen die nicht mal zurück“, berichtet sie. Zwischen 600 und 700 Euro kostet eine Wohnung in einer solchen Anlage.

Den VdK schätzt sie als starken Verband, der sich für alle sozial benachteiligten Menschen einsetzt. Sein Engagement für Inklusion ist ihr auch sehr wichtig, schließlich ist sie deshalb 1991 VdK-Mitglied geworden. Ihre Söhne hatten damals an einer Kinderfreizeit des Sozialverbands teilgenommen. Dieses Angebot gefiel Jana Förster so gut, dass sie dem VdK Bayern beitrat. Später nahm sie auch die Sozialrechtsberatung mit Erfolg in Anspruch. So setzte der VdK per Klage durch, dass sie für eine Reha-Maßnahme deutlich weniger zuzahlen musste, als von der Krankenkasse verlangt.

Für bezahlbare Mieten

Das Beispiel von Jana Förster sieht VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher als Ansporn, weiter für die Ziele des VdK zu kämpfen. Sie fordert gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. „Die Mieten in den großen Städten dürfen nicht weiter steigen, und für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen muss es genügend bezahlbaren Wohnraum geben“, sagt Mascher. Gleichzeitig fordert sie eine ausreichende Gesundheitsversorgung auf dem Land. Barrieren müssen beseitigt und Inklusion muss vorangetrieben werden. Trotz all der Rückschläge hat Jana Förster nicht aufgegeben. Die 64-Jährige kämpft weiter für ihre Gesundheit und eine barrierefreie Wohnung, in der sie alt werden kann.

Sebastian Heise

Schlagworte bezahlbarer Wohnraum | Sozialwohnungen | Miete | Mietkosten | München | Deggendorf

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