20. Februar 2019
VdK-Zeitung Archiv

Der Fortschritt als Rückschritt

Moderne Technik wie Touchscreen oder Chipkarte schafft für blinde und sehbehinderte Menschen oft neue Barrieren

Technische Neuerungen bedeuten nicht immer eine leichtere Bedienung. Touchscreens beispielsweise sind für Menschen mit einer Sehbehinderung nur zu nutzen, wenn sie alles vorlesen und wenn sich ihre Bedienung auf die Bedürfnisse Sehbehinderter einstellen lässt. VdK-Präsidentin Verena Bentele hat in einem Fernsehbeitrag einige solcher Barrieren aufgezeigt.

Keine Chance auf Bargeld: Diesen Geldautomaten kann Verena Bentele nicht nutzen, da es keinen Kopfhöreranschluss gibt. In der BR-­Sendung „mehr/wert“ zeigte die VdK-­Präsidentin Barrieren auf. | © BR 2019

Als Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland ist Verena Bentele im gesamten Bundesgebiet unterwegs. Dabei stößt sie immer wieder auf Barrieren. Viele davon kennt die 37-Jährige, die von Geburt an blind ist, schon seit ihrer Kindheit, wie beispielsweise Ampeln, die nicht über ein akustisches Signal oder eine Vibration verfügen, wenn die Fußgängerampel auf Grün schaltet. Dieses Problem ist zum Glück kleiner geworden. Gerade in Großstädten wie Berlin oder München sind die meisten Ampeln blindengerecht ausgestattet, oder es gibt Fußgänger-Unterführungen als sichere Möglichkeit, auf die andere Straßenseite zu kommen.

Immer wieder trifft Verena Bentele jedoch auf Barrieren, die es erst seit einigen Jahren gibt. Ein Beispiel dafür sind Aufzüge, die nur noch über Touchscreens bedient werden können. Für blinde oder sehbehinderte Menschen ist es dann unmöglich, ohne fremde Hilfe in das gewünschte Stockwerk zu kommen. Verena Bentele erlebt dies beispielsweise auf ihren Reisen in Hotels, die Wert auf moderne Ausstattung legen, dabei aber offensichtlich nicht an alle Menschen gedacht haben. Häufig geht der Hindernislauf für die VdK-Präsidentin nach der Fahrt mit dem Aufzug weiter.

So sind in vielen Fluren keine tastbaren Wegzeichen oder Nummern angebracht, und das Zimmer lässt sich nicht mit einem Schlüssel, sondern nur mit einer Magnetkarte öffnen. Hat sie die Tür geöffnet, muss Verena Bentele nach dem Schlitz suchen, in den sie die Karte stecken muss, um elektrische Geräte wie den Föhn nutzen zu können.

Doch nicht nur auf Reisen stoßen blinde oder sehbehinderte Menschen auf Barrieren. Für die TV-Sendung „mehr/wert“ hat ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks Verena Bentele im Alltag begleitet. In dem Beitrag, der in der BR-Mediathek unter dem Stichwort „Bentele“ zu finden ist, zeigte die VdK-Präsidentin beispielsweise einen Geldautomaten, den sie nicht bedienen kann. Dieser funktioniert nur mit Touchscreen sowie Knöpfen, hat aber keinen Kopfhöreranschluss für eine Sprachausgabe.

Viele moderne Haushaltsgeräte sind ebenfalls nicht für sehbehinderte oder blinde Menschen geeignet. Ein Herd mit Leuchtzeichen auf dem Kochfeld ist ebenso wenig barrierefrei wie eine Waschmaschine mit elektronischer Anzeige. In solchen Fällen wünscht sich Verena Bentele ganz traditionelle Geräte mit einem Drehknopf oder festen Tasten.

Freiwilligkeit reicht nicht

Die VdK-Präsidentin fordert mehr barrierefreie Haushaltsgeräte, die sehbehinderte Menschen selbstständig nutzen können. „Mein größter Wunsch ist, dass durch eine gesetzliche Änderung endlich auch die privaten Anbieter von Dienstleistungen und Produkten zur Barrierefreiheit verpflichtet werden.“ Dies dürfe nicht nur eine freiwillige Leistung sein. Jeder Hersteller müsse bei der Entwicklung von Geräten auch an Menschen mit Behinderung denken. „Dann wären wir einen großen Schritt weiter“, sagt Bentele. Elektroautos stellen für blinde Menschen auch ein Hindernis dar, weil sie bisher kaum zu hören sind. Doch das wird sich ändern: Die Hersteller müssen die Autos bis zum Sommer mit einem Geräusch ausstatten.

Sebastian Heise

Schlagworte Barrierefreiheit | Inklusion

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