20. Februar 2019
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Diabetische Begleiterkrankungen früh erkennen

Mediziner raten zu regelmäßigen Kontrollen von Herz und Adern, Nierenwerten und Zähnen

Ein Diabetes kann schwere Folgeerkrankungen verursachen. Rechtzeitig erkannt, lassen sich diese meist gut behandeln oder sogar vermeiden. Diabetiker sollten daher regelmäßig mehrere Kontrolluntersuchungen machen lassen.

© Michael Horn/pixelio.de

Die Ursache für Typ-2-Diabetes ist eine Insulinresistenz. Die Körperzellen sprechen nicht mehr auf das Hormon an, das den Zucker in die Zellen schleusen soll. Stattdessen staut sich der Zucker in den Blutgefäßen an. Meist tritt Typ-2-Diabetes zusammen mit Störungen im Fettstoffwechsel und Bluthochdruck auf. Die Folge: In den Gefäßen entstehen krankhafte Ablagerungen, die zu einer ganzen Reihe von Folgeerkrankungen führen können.

„Eine Insulinresistenz greift in verschiedene Stoffwechselvorgänge ein“, sagt der Rosenheimer Internist und Diabetologe Dr. Michael Hummel. „Um Komplikationen zu verhindern, raten wir Mediziner zu regelmäßigen Kontrollen – nicht nur beim Hausarzt, beim Internisten und beim Kardiologen, sondern auch beim Augen- und beim Zahnarzt.“ Um keinen dieser Termine zu verpassen, kann der betreuende Arzt den Betroffenen in ein spezielles Programm für Diabetiker (DMP) einschreiben. Der Patient wird von der Praxis an folgende Kontrolluntersuchungen erinnert:

  • Blutdruck: Er sollte neben Blutzucker, Körpergewicht und Taillenumfang standardmäßig vierteljährlich überprüft werden. „Bluthochdruck ist zwar eine eigene Erkrankung, aber in Zusammenhang mit Diabetes ist das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um ein Vielfaches höher“, erklärt Hummel.
  • HbA1c-Wert: Als HbA1c bezeichnet man Hämoglobin, an das sich Zucker-Moleküle angelagert haben. Dieser Wert zeigt, ob der Blutzucker in den vergangenen acht bis zwölf Wochen gut eingestellt war. Es empfiehlt sich eine vierteljährliche Untersuchung.
  • Cholesterin: Hummel rät zu einer jährlichen Untersuchung der Blutfettwerte. Neben dem Gesamtcholesterin ist es wichtig, auch das LDL- und das HDL-Cholesterin sowie Triglyzeride zu messen.
  • Herz und Schlagadern: Bei Auffälligkeiten ist der jährliche Check beim Kardiologen Pflicht, bei Beschwerden sogar öfter. „Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Diabetes-Patienten die häufigste Todesursache“, sagt Hummel. Neben einem EKG werden per Ultraschall die Adern auf Verengungen überprüft. Wichtig ist es, gefährliche Ausstülpungen, etwa der Bauchschlagader, rechtzeitig zu erkennen.
  • Nierenwerte: Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann schwere Nierenschäden bis hin zum Nierenversagen verursachen. „Deshalb sollten Patienten mindestens einmal jährlich ihren Urin auf Albumin untersuchen lassen“, so Hummel. Das ist ein Eiweiß, das von geschädigten Nieren nicht mehr gefiltert werden kann. Die gute Nachricht: Wird die sogenannte diabetische Nephropathie früh erkannt, kann sie gut behandelt werden.
  • Füße: Durch den Diabetes kann sich die Durchblutung der Beine verschlechtern und die Nerven können geschädigt werden. Die Folge: „Es kommt zu offenen Wunden, die oft schlecht verheilen. Sind diese Stellen auch taub, merkt der Betreffende nicht, wenn er sich verletzt“, erklärt Hummel. Eine regelmäßige Kontrolle – mindestens einmal im Jahr, bei Auffälligkeiten entsprechend öfter – soll Abhilfe schaffen. Der Arzt überprüft auch, ob die Nerven geschädigt sind, und verordnet Einlagen, spezielle Schuhe oder medizinische Fußpflege.
  • Augen: Patienten, die schon lange an Diabetes erkrankt sind, sollten nicht versäumen, regelmäßig ihre Augen untersuchen zu lassen. Werden die feinen Adern im Auge nicht mehr gut durchblutet, kann die Netzhaut geschädigt werden. Dies lässt sich schon früh erkennen. „Die geschädigte Netzhaut kann mit einer Lasertherapie gut behandelt werden“, sagt Hummel. Manchmal müsse aber auch nur der Blutzucker neu eingestellt werden. Bei Patienten ohne akute Beschwerden reicht eine Untersuchung alle zwei Jahre aus.
  • Zähne: Noch relativ neu ist die Erkenntnis, dass Diabetes-Patienten häufig Paradontitis entwickeln können. Die chronische Entzündung des Zahnhalteapparats gefährdet nicht nur die Zähne, sondern kann auch den Blutzucker erhöhen. „Das wiederum schwächt die Abwehrkräfte, und die Entzündung verschlimmert sich“, weiß der Experte. Er empfiehlt mindestens eine Untersuchung pro Jahr.


Fazit: Die jährlichen Untersuchungen sind zwar aufwendig, aber sie zahlen sich aus. „Die Betreuung von Diabetes-Patienten ist in den vergangenen Jahren viel besser geworden“, resümiert Dr. Hummel.

Annette Liebmann

Schlagworte Diabetes | Insulinresistenz

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