24. Januar 2019
VdK-Zeitung Archiv

„Demenzkranke brauchen ein vertrautes Umfeld“

Erfolgreiches Projekt: Seit zwei Jahren bietet der VdK Bayern eine kostenlose Wohnberatung im Landkreis Dachau an

Möglichst lange im eigenen Zuhause wohnen zu bleiben, ist auch mit Demenz möglich. Michaela Heyne vom VdK Bayern ist für die Wohnberatungsstelle im Landkreis Dachau unterwegs und zeigt Familien viele Möglichkeiten, die den Alltag daheim ein wenig erleichtern. Das kostenlose Angebot des VdK Bayern ist für Ratsuchende eine wichtige Hilfe.

VdK-Wohnberaterin Michaela Heyne steht Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen bei Fragen rund ums barrierefreie Wohnen zur Seite. | © Elisabeth Antritter

Michaela Heyne packt an. Das merkt man gleich: kraftvoller Händedruck, ein herzhaftes Lachen. Mit ihrer patenten und warmherzigen Art steht sie Menschen im Landkreis Dachau mit Rat und Tat zur Seite, die sich über ihre Selbstständigkeit daheim Gedanken machen. Die hauptamtliche Wohnberaterin und Referentin für das Ressort „Leben im Alter“ beim VdK Bayern macht den Betroffenen und ihren Angehörigen Mut: Daheim wohnen zu bleiben, das geht. „Für fast jedes Problem gibt es eine individuelle Lösung. Wichtig ist, sich möglichst frühzeitig zu informieren“, empfiehlt die VdK- Expertin.

Sicherheit geben

Im November 2016 hat der VdK Bayern die Wohnberatungsstelle im Landkreis Dachau ins Leben gerufen. Das Angebot wird vom Landkreis Dachau unterstützt. Zu den Ratsuchenden gehören auch Familien, in denen ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist – ein Thema, auf das die Wohnberatung eingestellt ist. „Menschen mit einer demenziellen Erkrankung brauchen Sicherheit und Routinen, wozu auch ein vertrautes Wohnumfeld gehört“, weiß Michaela Heyne.

Heute fährt sie zum zweiten Mal zu einem älteren Ehepaar nach Karlsfeld, das seit 56 Jahren verheiratet ist. „Der Mann ist vor drei Jahren an Demenz erkrankt. Mich rührt sehr, wie liebevoll seine Frau ihn begleitet und an allem teilhaben lässt. Sie ist sein Anker. Ohne sie hätte die Erkrankung ihn viel früher in seinen Möglichkeiten eingeschränkt“, vermutet Heyne.

Die Wohnberaterin klingelt, der Türöffner surrt. Beim letzten Besuch hat sie empfohlen, das Bad barrierefrei umbauen zu lassen, und darauf hingewiesen, dass die Pflegekassen die Kosten dafür zumindest teilweise übernehmen. Es gilt vorzusorgen für den Tag, wenn die Beweglichkeit immer eingeschränkter wird. Heute möchte sie die weiteren Schritte für die Maßnahmen durchgehen. Im zweiten Stock des Wohnhauses öffnet eine kleine, zierliche Frau die Tür. Helga Meier* führt die VdK-Expertin ins gemütliche Wohnzimmer und holt ihren Mann Walter* dazu.

Orientierung erleichtern

„Wie geht es Ihnen?“, fragt Michaela Heyne die 77-Jährige. „Es ist eine Umstellung für mich. Das mit der Vergesslichkeit nimmt zu. Ich muss jetzt oft raten, was mein Mann meint, wenn er etwas sagt. Ihm fehlen die Worte. Aber zu 90 Prozent liege ich richtig. Ich kenn’ ihn ja“, sagt die Karlsfelderin. „Sie sind quasi das zweite Gehirn für Ihren Mann“, ergänzt die Wohnberaterin. Alle lachen, auch Walter Meier. „Ich war immer schon die Plapperliese, die, die alles organisiert. Mein Mann ist zurückhaltend. Gell, Walter?“ Der 82-Jährige lächelt charmant und nickt.

Michaela Heyne bespricht mit dem Ehepaar den geplanten Badumbau. Sie empfiehlt zusätzlich zu ebenerdiger Dusche und rutschfesten Fliesen eine Schiebetür. Es geht bei der Wohnberatung viel um Orientierung. So helfen Kontrastfarben, sich zurechtzufinden. Weitere Tipps: Spiegel in der Wohnung abhängen oder mit einem Tuch verhängen. „Spiegel verwirren Demenzkranke, weil sie sich nicht mehr selbst erkennen. Sie denken, da sei noch jemand im Zimmer“, weiß die Fachfrau.

Als Michaela Heyne später wieder im Büro an ihrem Schreibtisch sitzt, fasst sie ihre Arbeit noch einmal zusammen: die Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz stärken und die Familien ermutigen, die Erkrankung anzunehmen und Unterstützungsangebote wahrzunehmen. „Helga und Walter Meier meistern das Zusammenleben trotz Demenz vorbildlich. Sie machen nicht den Fehler, sich ins Schneckenhaus zurückzuziehen, sondern bleiben aktiv, gehen unter Leute und tauschen sich mit anderen Betroffenen aus. Sie haben es geschafft, die Demenz in den Alltag zu integrieren“, lobt Heyne.

*Name von der Redaktion geändert

VdK-Beratung

Das Beratungstelefon „Pflege und Wohnen“ des VdK Bayern informiert Pflegebedürftige und deren Angehörige über Hilfsangebote und vieles mehr: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 15 bis 18 Uhr. Tel: (0 89) 21 17-1 12
E-Mail: lebenimalter.bayern@vdk.de



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Elisabeth Antritter

Schlagworte Leben im Alter | Demenz | Wohnberatung

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