28. Juni 2018
VdK-Zeitung Archiv

VdK will Kurswechsel bei der Rente

Rentenkommission soll Eckpunkte für eine zukunftsfähige Alterssicherung erarbeiten

Bei der gesetzlichen Rente sind weitere Reformschritte dringend notwendig. Diese einzuleiten, fordert der Sozialverband VdK von der gerade eingesetzten Rentenkommission der Bundesregierung.

© Rainer Sturm/pixelio.de

Die Aussicht auf die eigene Rente ist für viele Menschen nicht ungetrübt. Nach aktuellen Umfragen erwarten vier von fünf Bundesbürgern, dass sie mit ihrem Alterseinkommen gar nicht oder nur schwer über die Runden kommen werden. Leider nicht unbegründet. Denn die gesetzliche Rente ist derzeit für Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Jobs oft nicht ausreichend. VdK-Präsidentin Verena Bentele warnt: „Das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung gerät ins Wanken. Das kann auf Dauer auch unser soziales Sicherungssystem insgesamt in Frage stellen.“

Kürzlich wurde die Rentenkommission der Bundesregierung eingesetzt. „Der Sozialverband VdK wird deren Arbeit sehr kritisch begleiten, denn wir sind der wichtigste Interessenvertreter der Rentner von heute und morgen und damit ein Verband für alle Generationen“, erklärt Bentele. Eine zentrale Forderung des VdK lautet, das Renten niveau nicht nur zu stabilisieren, wie es die Bundesregierung bis 2025 plant, sondern es dauerhaft auf mindestens 50 Prozent anzuheben. Sonst droht immer mehr Menschen Altersarmut. Diese Maßnahme müsste sofort umgesetzt werden. Der VdK erwartet zukunftsweisende Finanzierungsvorschläge von der Kommission: „Der Steuerzuschuss für die gesetzliche Rente und damit die Steuereinnahmen müssen erhöht werden.“

Ein echter Kurswechsel müsse ebenfalls endlich in Gang gesetzt werden: „Wir fordern eine Erwerbstätigenversicherung, in die alle einzahlen: Arbeitnehmer, Selbstständige und Beamte.“ Darüber hinaus erwartet der VdK konkrete rentenpolitische Maßnahmen von der Bundesregierung: „Mit dem Gerangel um die Mütterrente muss endlich Schluss sein. Egal, wann Kinder geboren wurden, pro Kind muss es drei Rentenpunkte geben“, so Bentele. Die Finanzierung der Mütterrente müsse komplett aus Steuermitteln erfolgen und dürfe nicht der Rentenkasse aufgebürdet werden.

Die von der Bundesregierung geplante Grundrente wird Altersarmut nicht bekämpfen, ist sich Bentele sicher. Diese Rentenart soll für Grundsicherungsberechtigte ein Alterseinkommen zehn Prozent über der Grundsicherung sicherstellen. „Doch gerade die von Altersarmut bedrohten Gruppen, also zum Beispiel viele Frauen und Menschen mit Zeiten von Arbeitslosigkeit, erreichen die vorgesehenen 35 Beitragsjahre meistens gar nicht“, erklärt Bentele. Sie wirbt stattdessen für das VdK-Modell eines Freibetrags von 200 Euro für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung für Grundsicherungsbezieher, etwa für die Mütterrente oder die jährlichen Rentenanpassungen.

Eine Gruppe dürfe in der Rentendebatte nicht vergessen werden, sagt die VdK-Präsidentin: die Erwerbsminderungsrentner. „Krankheit darf nicht arm machen. Deshalb müssen die Abschläge bei Neu- und Bestandsrentnern weg.“

Dr. Bettina Schubarth

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