25. Juni 2018
VdK-Zeitung Archiv

Inklusion in der VdK-Beratung

Taubblinder Jurist Alexander Drewes arbeitet in der Kreisgeschäftsstelle München

Der Sozialverband VdK Bayern fordert nicht nur Inklusion, er lebt sie auch. Schwerbehinderte Mitarbeiter sind eine Selbstverständlichkeit. In der VdK-Kreisgeschäftsstelle München beispielsweise arbeitet ein taubblinder Sozialrechtsberater.

VdK-Kreisgeschäftsführer Marian Indlekofer (links) spricht mit Alexander Drewes (Mitte). Dessen Assistentin übersetzt per Lormen, das heißt durch Fingerberührung auf die Handinnenfläche. | © Sebastian Heise


Alexander Drewes ist von Geburt an taubblind. Grund ist das Stickler-Syndrom, eine genetische Erkrankung, die unter anderem zu Augen- und Hörproblemen führen kann. Er kann fast nichts sehen und mit einem Hörgerät nur ganz schwach hören. Drewes hat einen Grad der Behinderung von 100 und das Merkzeichen „TBl“ für taubblind. Zur besseren Verständigung wird er von einer Assistentin unterstützt. Sie übersetzt ihm das gesprochene Wort per Lormen, einer Kommunikationsform für Taubblinde, bei der bestimmte Punkte auf der Hand innenfläche für Buchstaben stehen.

„Eine Herausforderung“


Trotz dieser schweren Behinderung hat sich Alexander Drewes vor mehr als einem halben Jahr beim VdK-Kreisverband München für eine Stelle als Sozialrechtsberater beworben und sie auch bekommen. VdK-Kreisgeschäftsführer Marian Indlekofer gibt zu, dass dies für beide Seiten eine „Herausforderung“ ist: „Wir haben sie aber beide angenommen.“ Indlekofer spricht von einer „gelebten Inklusion am Arbeitsplatz“.

Alexander Drewes, der gerne auf andere Menschen zugeht und sich als „leidenschaftlichen Berater“ bezeichnet, will „ein Türöffner“ sein. „Wenn’s bei mir klappt, dann kann es bei jedem anderen klappen, der eine ähnliche Einschränkung und ähnlichen Willen hat.“ Marian Indlekofer, der früher als VdK-Ressortleiter „Leben mit Behinderung“ inklusionsorientierte Konzepte entwickelt hat, setzt diese nun mit seinem Team in der Geschäftsstelle des Kreisverbands um. Er betont: „Das System muss sich den Menschen anpassen, und wir müssen im Team mit Alexander Drewes einen guten Weg finden.“

Danny Machne als stellvertretender Kreisgeschäftsführer kümmerte sich tatkräftig um die Einarbeitung von Alexander Drewes. Von Anfang an sei es darum gegangen, seinen Arbeitsplatz so zu gestalten, dass der Berater uneingeschränkt arbeiten kann. „Die technische Anpassung war auch für unsere EDV-Abteilung eine Herausforderung“, sagt Indlekofer. „Finanzielle Unterstützung bekamen wir vom ZBFS-Inklusionsamt.“

Bei den VdK-Mitgliedern, die Alexander Drewes berät, wird auch kein Unterschied gemacht. Gelegentlich seien diese zwar überrascht, wenn sie zu ihm und seiner Assistentin ins Zimmer kommen. Meistens lege sich das dann aber im Gespräch wieder, wie Alexander Drewes erzählt. Marian Indlekofer berichtet, dass seine Beratung bei den Mitgliedern, die Hilfe benötigen, meist gut ankomme und seine freundliche und kompetente Art überzeuge.

Am Sozialverband VdK als Arbeitgeber reizte Alexander Drewes der starke sozial politische Einfluss. Der 50-jährige dreifache Familienvater weiß es zu schätzen, dass der VdK bei der Politik gehört wird. Ihm selbst gelingt es auch, sich immer wieder Gehör zu verschaffen. Bei Versammlungen von VdK-Ortsverbänden und Veranstaltungen wie dem Aktionstag des VdK-Kreisverbands München referiert er über soziale Themen, wie zum Beispiel Leben und Arbeiten mit Behinderung. Vor großen Veranstaltungen schreckt er ebenfalls nicht zurück: So hat Alexander Drewes schon bei der Münchner Messe „Die 66“ am VdK-Stand Kurzberatungen gemacht.

Im Ausland studiert


Beim Thema Inklusion kann er auf reichlich eigene Erfahrung zurückblicken. So erfuhr Alexander Drewes beim Jurastudium in Marburg, Berkeley, London und Wien, dass die individuelle Betreuung an den Universitäten in Großbritannien, den USA und in Österreich deutlich besser und damit auch behindertenfreundlicher war als in Deutschland. Der Sozialrechtsberater fordert und lebt selbst Inklusion. So betont er: „Ich will nicht anders behandelt werden als andere Mitarbeiter.“

Sebastian Heise

Schlagworte Inklusion | Menschen mit Behinderung | Arbeitsplatz | taubblinder Sozialrechtsberater | taubblind

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