3. Mai 2018
VdK-Zeitung Archiv

Das Geheimnis des Moores

Vollbäder und Packungen helfen bei verschiedenen orthopädischen Erkrankungen – Besuch in einer Reha-Klinik

Moorbäder werden seit Langem eingesetzt, um vor allem orthopädische Beschwerden zu behandeln. Eine Besonderheit macht das Naturheilmittel so wertvoll. Unser Redakteur hat in einer Reha-Klinik in Bad Aibling einen Selbstversuch unternommen.

Ein Moorbad wird unter anderem bei rheumatischen Beschwerden angewandt. | © Jan Greune/gesundes-bayern.de

Der erste Schritt in das sehr heiße, dickflüssige, dunkle Moorbad kostet schon ein wenig Überwindung. Doch die 42 Grad kommen mir gar nicht so viel heißer vor als ein gewöhnliches Vollbad. Das ist auch das Geheimnis dieses Naturprodukts: Es ist ein extrem schwacher Wärmeleiter. Das heißt, das Moor speichert die hohe Temperatur und der Badende empfindet keine Schmerzen. Sobald ich mich komplett in die Wanne gelegt habe, ist die Hitze zu spüren.

Als die freundliche Badehelferin Silke Werner-Karl, die seit einigen Jahren in der Klinik Wendelstein im oberbayerischen Bad Aibling arbeitet, den Hahn aufdreht, um das Bad bis obenhin zu füllen, fühlt sich das so ähnlich wie ein Aufguss in der Sauna an. Eine Hitzewelle geht durch den Körper. Es stellt sich nicht gleich Entspannung ein. Der Kreislauf wird in Schwung gebracht. Auf der Stirn bilden sich in kurzer Zeit erste Schweißperlen. Erst nach ein paar Minuten gewöhne ich mich an die Hitze und stelle fest, nicht in der Wanne zu liegen, sondern vielmehr zu schweben. Das Moor trägt sogar einen rund 80 Kilogramm schweren Körper.

Künstliches Fieber

Sich zu bewegen, fällt nicht nur wegen der pflaumenmusartigen Masse in der Wanne schwer, sondern auch wegen der hohen Temperatur. Wenn ich Füße oder Hände ausstrecke, spüre ich an dieser Stelle sofort einen Hitzestoß. Gut ist es daher, eine möglichst entspannte Liegeposition einzunehmen. So empfiehlt es mir auch Dr. Alex Höfter, Ärztlicher Direktor der Wendelstein-Klinik. Da die Wanne für mich ein wenig zu kurz ist, um die Beine auszustrecken, lege ich die mit Moor bedeckten Füße einfach vorne auf den Rand. Ich liege nun so ähnlich wie in einer Hängematte.

Nach und nach entspanne ich, wobei ich merke, dass die Hitze auch meine Körpertemperatur langsam ansteigen lässt. Um ein bis anderthalb Grad Celsius soll sich diese nach Angaben der Ärzte erhöhen. Der Reha-Patient wird so in ein künstliches Fieber versetzt, das nach dem Bad zunächst noch anhält. Dieses Heilfieber stärkt laut Höfter die Selbstheilungskräfte des Körpers und löst weitere positive Prozesse im Körper aus.

Moorbäder und -packungen werden in erster Linie bei orthopädischen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Durch die Hitze wirkt das Moor entzündungshemmend, schmerzstillend und entspannend. Außerdem wird der Stoffwechsel angeregt. Nach zwölf Minuten kommt die Badehelferin wieder in den schlicht gehaltenen, komplett gekachelten Raum. Sie lässt das Moorwasser ab und bittet mich darum, sich langsam nach vorne zu beugen, was deutlich schwerer fällt als sonst.

Silke Werner-Karl nimmt den Duschkopf und spritzt mich behutsam ab. Nachdem das meiste Moor entfernt ist, stehe ich vorsichtig auf und dusche mich nur mit klarem Wasser ab. Die Badehelferin gibt mir den Tipp, sich an dem Tag möglichst nicht mehr zu duschen, vor allem nicht mit Seife, damit die Wirkstoffe des Moores – insbesondere die Huminsäuren – möglichst lange am Körper bleiben. Nach dem Abtrocknen gehe ich langsam zurück in die Umkleidekabine. Dort werde ich von der Badehelferin in ein weißes Laken gewickelt, das von einer warmen Decke umschlossen ist, und lege mich auf die Liege.

„Jetzt noch zehn Minuten ruhen und ein bisschen nachschwitzen“, erklärt Silke Werner-Karl. Das sei wichtig, da der Kreislauf so gefordert wurde und ich sonst umkippen könnte. Außerdem rät sie dazu, sich am selben Tag nicht mehr anzustrengen und stattdessen möglichst zu ruhen sowie viel zu trinken. Nach dem Bad bin ich wirklich erschöpft – wie nach einem Dauerlauf. Ich denke an die Frauen und Männer, die es sich in den Außenanlagen der Klinik auf einer Liege bequem gemacht haben.

Reha-Patienten haben in Bad Aibling oder in einem der anderen Kurorte in Deutschland, die Moorbäder anbieten, einen festen Tagesablauf. Nach Aufstehen und Frühstück bekommen die Patienten Behandlungen und Anwendungen, die zum Teil körperlich anstrengend sind. Am späten Vormittag findet das Moorbad statt, das beim ersten Mal zwölf Minuten dauert. Im Laufe der drei Wochen wird die Badezeit auf maximal 20 Minuten gesteigert. Danach stehen nur noch Essen und Erholung auf dem Programm.

Hungrig, durstig, müde

Um die beste Reha-Wirkung zu erzielen, sollte sich eine Moor-Behandlung über drei Wochen erstrecken. In dieser Zeit sind sieben Bäder vorgesehen. Alternativ können Moorpackungen direkt auf die entzündlichen Stellen gelegt werden. Diese werden sogar auf 46 Grad Celsius erhitzt. Schließlich werden auch Kaltmooranwendungen angeboten. Die Patienten kneten dabei das gekühlte Moor mit Händen und Füßen. Neben einer entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkung wird auch die Beweglichkeit der Gelenke verbessert. Außerdem werden die Muskeln trainiert. Nach der Ruhezeit in der Umkleide freue ich mich auf ein reichhaltiges Essen und vor allem viel Wasser oder Saftschorle. Und dann hatte ich nur noch einen Wunsch, nach einem langen, langen Mittagsschlaf.

Der Weg zur Moor-Kur

Bei Rheuma, Arthrose, Ischias, Gicht, Durchblutungsstörungen, Bandscheibenschäden oder Osteoporose können Moorbäder sinnvoll sein. Patienten sollten ihren Arzt danach fragen. Sofern dieser eine entsprechende Therapie befürwortet, kann sie beantragt werden. Für berufstätige Patienten empfiehlt sich der Weg über die Rentenversicherung. Bei einem positiven Bescheid wird die Behandlung komplett bezahlt. Bei arbeitsbedingten Beschwerden oder Unfällen springt die Berufsgenossenschaft ein. Für andere Betroffene bleibt der Antrag bei der Krankenversicherung. Diese bezahlt einen Teil der ambulanten Kur. Falls der Antrag abgelehnt wird, können sich VdK-Mitglieder an ihre Geschäftsstelle wenden.


Sebastian Heise

Schlagworte Moor-Kur | Reha-Klinik | Rheuma | Arthrose | Gicht | Durchblutungsstörungen | Bandscheibenschäden | Osteoporose | Moorbad

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