20. Februar 2018
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Vergebliche Suche nach Entlastung

VdK-Mitglied aus Erlangen fand für seine Frau keinen Kurzzeitpflegeplatz

Jahrelang pflegte VdK-Mitglied Detlev Zimmermann aus Erlangen seine inzwischen verstorbene Frau. Erholung war für ihn dabei kaum möglich, da er keinen Kurzzeitpflegeplatz für sie fand. Dabei hätte er, genauso wie alle anderen pflegenden Angehörigen in Bayern, einen Rechtsanspruch darauf gehabt. Doch es gibt kaum Angebote.

Detlev Zimmermann betrachtet Fotos seiner erst kürzlich verstorbenen Frau Ellis. | © Sebastian Heise

Es war ein trauriger, gleichzeitig aber auch ein für beide Seiten entlastender Schritt, als Ellis Zimmermann im vergangenen Herbst nach jahrzehntelangem Zusammenleben ins Pflegeheim umzog. Ihre Hausärztin hatte sie nach einem weiteren gesundheitlichen Rückschlag letztendlich dazu überreden können. Seit mehr als zehn Jahren litt sie unter der Lungenkrankheit COPD. „Frau Zimmermann“, sprach sie ihr ins Gewissen, „gehen Sie doch ins Pflegeheim! Da werden Sie bestens versorgt.“

Ellis Zimmermann schaute ihren Mann Detlev an, mit dem sie bereits 44 Jahre verheiratet war, und sagte: „Wenn du mich täglich besuchen kommst, gehe ich da hin.“ Detlev Zimmermann versprach es ihr und hielt dies auch ein. Die beiden hatten Glück im Unglück: In einem Heim, nur zehn Minuten zu Fuß von der gemeinsamen Wohnung entfernt, fand er für seine Frau gleich ein Zimmer. Er hatte sie bereits vor längerer Zeit auf die Warteliste setzen lassen, und da gerade ein Zimmer frei wurde, konnte Ellis Zimmermann schon nach wenigen Tagen einziehen.

„Es ging an die Grenzen“


Für Detlev Zimmermann war dies der letzte Ausweg aus einer für ihn immer schwieriger gewordenen Situation. Jahrelang hatte er seine Frau zu Hause nahezu rund um die Uhr gepflegt, und da er keine Entlastung bekam, geriet er immer mehr ans Ende seiner Kräfte. „Ich habe meine Frau gerne gepflegt“, erzählt er. „Aber im letzten Jahr ging es an die Grenzen. Du kannst irgendwann nicht mehr klar denken. Du hast ständig Angst, etwas falsch zu machen.“ Deswegen hatte er schon länger nach einem Pflegeheimplatz geschaut.

Bevor er jedoch einen festen Platz suchte, hatte er sich lange Zeit um einen Kurzzeitpflegeplatz bemüht. Einmal wollte er gerne an einem zweitägigen Kurs des Sozialverbands VdK Bayern für pflegende Angehörige teilnehmen. Er hatte bereits eine Zusage. Doch er konnte seine Frau für diese kurze Zeit nicht unterbringen. Entweder gab es keine freien Plätze, oder es hieß sogar: Für nur zwei, drei Tage sei der Aufwand zu groß. Es müssten schon mindestens zehn Tage sein. Vom Rechtsanspruch auf Ersatzpflege hatte er im Grunde genommen nichts.

Ein einziges Mal wurde seine Frau kurzzeitig in einem Heim gepflegt, als Detlev Zimmermann selbst einen gesundheitlichen Notfall hatte und ins Krankenhaus musste. Doch für eine kurze Erholungszeit war dies nicht möglich. Im Sommerurlaub 2006 in Ägypten trat die Lungenkrankheit zum ersten Mal bei seiner damals 59-jährigen Frau auf. Sie bekam auf einmal keine Luft mehr. Zum Glück hatten sie ein Hotel mit ärztlicher Versorgung gebucht, und so konnte ihr sofort geholfen werden. Sie wurde mit flüssigem Sauerstoff versorgt.

14 Tage nach ihrer Rückkehr bekam sie zu Hause in Mittelfranken erneut Atemaussetzer. Rettungssanitäter kamen, brachten sie in die Klinik, und dort wurde sie ins künstliche Koma versetzt. Ellis Zimmermann gewöhnte sich das Rauchen ab und bekam fortan jede Nacht Sauerstoff zugeführt. Zunächst vier Liter pro Minute, später noch 1,5 Liter pro Minute. Zwei Jahre später musste sie 24 Stunden lang beatmet werden. Sie bekam ein mobiles Gerät und wurde über einen an einer Brille befestigten Schlauch mit Sauerstoff versorgt.

Pflege rund um die Uhr

Mit 60 Jahren ging sie vorzeitig in Rente. Ihr zwei Jahre jüngerer Mann hörte mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren auf zu arbeiten. Als er dann rund um die Uhr zu Hause war, musste er den kompletten Haushalt übernehmen. Seine Frau baute immer stärker ab. Er musste sie anziehen, pflegen, ihr das Essen bringen und sich auch nachts ständig um sie kümmern. Zu den körperlichen Einschränkungen kam Demenz hinzu.

Detlev Zimmermann kümmerte sich mit all seiner Kraft und Liebe um sie, bis sie ins Pflegeheim kam. Dort war sie gut versorgt, wie er erzählt. Am 2. Januar 2018 starb Ellis Zimmermann an Lungenembolie und Herzversagen. Für ihn war es nicht leicht, so kurz nach ihrem Tod über die Situation zu sprechen. Doch er will, dass andere Menschen nicht in ähnliche Bedrängnis kommen. Deswegen fordert er, Pflegeheime zu verpflichten, immer ein, zwei Zimmer auch für Kurzzeitpflege freizuhalten.

Sebastian Heise

Schlagworte Kurzzeitpflege | Pflege

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