24. Januar 2018
VdK-Zeitung Archiv

Die „RolliGang“ reißt Barrieren ein

Die Münchner Gesangsgruppe spielte schon in den USA und im Europaparlament

Auf der Bühne gibt es für Alexander Eberle kein Halten mehr. „Wennst amoi aufs Gas tretst, konnst nimmer bremsen“, sagt er. Eberle ist Gründungsmitglied der „RolliGang“. Nicht alle der fünf Chormitglieder sitzen im Rollstuhl, aber alle haben eine Behinderung.

Die Mitglieder der „RolliGang“ (von links): Orazio Greco, Gründer René Vollmar, Johannes Maier, Alexander Eberle und Sarah Hadyk. | © Annette Liebmann

Es ist kalt im Proberaum im Bürgerpark Oberföhring, die Heizung ist noch nicht in Betrieb. Vier Mitglieder der „RolliGang“ sind zur Probe erschienen. Rollstuhlfahrer Benny fehlt: Er konnte nicht kommen, weil der Aufzug im Mehrfamilienhaus am Vortag kaputtgegangen ist. Jetzt sitzt er mit dem Elektrorollstuhl in seiner Wohnung im vierten Stock fest. Beim Einsingen wirken die vier wie ein eingespieltes Team. „Sol-mi-fa, sol-mi-fa, sol-mi-fa.“ Dann in umgekehrter Reihenfolge: „Fa-mi-sol, fa-mi-sol, fa-mi-sol.“

Chorleiter René Vollmar will, dass seine Schützlinge beim Singen noch mehr Präsenz zeigen. „Ihr müsst von Anfang an da sein“, mahnt er. „Ihr habt wirklich etwas mitzuteilen – ihr seid eine Band, die Hoffnung und Freude vermittelt.“ Bevor es ans Singen geht, lässt er die Solisten Liedertexte rezitieren.

Gegründet wurde die Gesangsgruppe im Jahr 2001 an der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte in München. Religionslehrer Vollmar hatte damals die Möglichkeit, selbstkomponierte Lieder mit dem Orchester Hugo Strasser aufzunehmen. Für die CD-Produktion rief er einen Chor ins Leben. Das gefiel der Schulleiterin so gut, dass er viele Jahre erhalten blieb. VdK-Mitglied Vollmar hat mittlerweile die Schule gewechselt, aber der Chor ist ihm geblieben.

Aus den Schülern sind Erwachsene geworden. Die drei Solisten sind von Anfang an dabei: Alexander Eberle, Benny Dannecker und VdK-Mitglied Orazio Greco. Verstärkt wird die Gruppe durch die Sängerin Sarah Hadyk und Johannes Maier. Als Bandleader begleitet Vollmar seine Schützlinge zu jedem Auftritt, auf der Bühne stehen aber nur die Sänger. Werner Dasch, ebenfalls VdK-Mitglied, kümmert sich ums Organisatorische sowie um den „Verein zur musikalischen Förderung behinderter Kinder und junger Erwachsener“. Das Repertoire der „RolliGang“ umfasst Klassiker wie „Du entschuldige, i kenn di“, Kirchen- und Weihnachtslieder sowie Lieder, die Vollmar komponiert hat.

Vier- bis fünfmal im Monat treten die Sänger auf, manchmal sogar mehrmals am Tag. „Im Moment läuft’s gut“, sagt Vollmar. Unter anderem war die Gesangsgruppe schon auf Amerika-Tournee und hat im Europäischen Parlament in Straßburg gesungen. Obwohl die Gruppe „RolliGang“ heißt, wird beim Aufbau der Bühne oft nicht an Rollifahrer gedacht. „In der Regel bekommen wir keine Information, ob es eine Rampe gibt“, so Vollmar. Einmal, im Kurhaus in Bad Tölz, musste Benny die Treppe hochkrabbeln, weil er den Lastenaufzug nicht nehmen durfte. Bis der erste Ton erklingt, gibt es auch viele Barrieren in den Köpfen der Zuhörer.

„In dem Moment, in dem die Gruppe auftritt, ändert sich das“, hat Vollmar beobachtet. „Wenn Menschen mit Behinderung alleine auf der Bühne stehen, sagen die Zuschauer, die haben wirklich was drauf.“ Insofern leistet die „RolliGang“ einen wichtigen Beitrag zur Inklusion, ist er überzeugt. Auch wenn es derzeit gut läuft, sorgt sich Vollmar um den Nachwuchs. Das liegt nicht nur daran, dass die Mitglieder selbstständig zur Probe kommen müssen. „Viele Menschen mit Behinderung trauen sich das Singen nicht zu“, glaubt er. Dabei werden die Sänger vor ihrem Eintritt in die „RolliGang“ individuell geschult. Sänger zwischen 18 und 30 Jahren werden gesucht. Kontakt: René Vollmar, Telefon 0176/218 380 22.

Weitere Informationen unter www.rolligang.de

Annette Liebmann

Schlagworte RolliGang | Singen | Chor | Gesangsgruppe | Menschen mit Behinderung

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