24. Januar 2018
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„Mir ging richtig das Herz auf“

Die Montessorischule an der Münchner Balanstraße fördert das Miteinander von Jung und Alt

In der Integrativen Montessorischule an der Balanstraße in München kommen jede Woche ältere Menschen in die Klassen und in den Hort, um ihre Erfahrungen und Kenntnisse mit den Schülern zu teilen. „Werkstatt der Generationen“ nennt sich das preisgekrönte Lernangebot.

Senior-Experte Helmut Piening (hinten, 2. von links) erklärt den Kindern anschaulich die Funktionsweise eines Bechertelefons. | © Mirko Besch

Helmut Piening ist 80 Jahre alt. Der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau hat im Bereich Luft- und Raumfahrt gearbeitet und ging beruflich schon vor über 20 Jahren in den Vorruhestand. So richtig zur Ruhe gesetzt hat er sich bisher aber nicht. Piening ist aktiv – sowohl geistig als auch körperlich. In der Stadt ist er meist mit dem Rad unterwegs, er lernt seit Jahren Italienisch und seit Kurzem auch Polnisch. „Das hält die Zellen ein bisschen fit“, sagt er, während er sich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippt.

Piening ist einer von etwa 45 Ehrenamtlichen, die sich derzeit an der „Monte Balan“ als Senior-Expertinnen oder -Experten engagieren. Diese vermitteln den Schülern in zahlreichen eigenen Projekten vielfältiges Wissen. Die Kinder und Jugendlichen können unter anderem teilnehmen an einer Nähwerkstatt, einem Holzprojekt, an Handarbeit, Origami, Astronomie, Kartografie, politischen Diskussionen, Design, Singen, Deutsch für Ausländer oder Robotik.

Das Thema, das Senior-Experte Helmut Piening in diesem Schuljahr einmal wöchentlich den Kindern der 1. und 2. Klasse nahebringt, lautet „Zauberhafte Physik“. Das von der Berliner Ingenieurin Maren Heinzerling entwickelte Projekt soll die Grundschüler zum Experimentieren anregen und so an die Physik heranführen. Die Versuche können mit einfachen Materialien durchgeführt werden und bringen die Kinder dennoch oft zum Staunen. Entsprechend positiv ist die Resonanz der teilnehmenden Schüler.

„Es gefällt mir sehr gut“, sagt der siebenjährige Alexander, der sich extra für dieses Projekt angemeldet hat, um mehr zu basteln. Leon interessiert sich besonders für Knete. „Damit kann man richtig viel machen“, erzählt der Siebenjährige. Max, acht Jahre alt, verrät: „Es macht Spaß, eigenartige Sachen zu bauen. Und ich finde Experimente schön.“

An diesem Tag werden Bechertelefone gebastelt. Jeweils zwei Becher bekommen Löcher in den Boden und werden mit einer Schnur, die mit einer Büroklammer an den Becherböden fixiert wird, verbunden. Nach getaner Bastelarbeit werden die Telefone gleich auf dem langgestreckten Flur ausprobiert. Einer spricht in den einen Becher, der andere hält sich den zweiten Becher ans Ohr. Es funktioniert. Auch in drei, vier Metern Entfernung lässt sich das Gesprochene deutlich verstehen.

Fester Bestandteil

Die von Eltern gegründete Montessori- Schule an der Balanstraße startete 2008 mit 72 Schülern in den Schulbetrieb. Mittlerweile werden dort rund 250 Kinder und Jugendliche mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf von der 1. bis zur 10. Klasse nach der Lehre der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori (1870 – 1952) unterrichtet. Die „Werkstatt der Generationen“ (WdG) war von Beginn an fester Bestandteil und zugleich das Alleinstellungsmerkmal der Einrichtung.

„Der ursprüngliche Gedanke war: Ein Miteinander von Jung und Alt findet heutzutage immer weniger statt. Es wäre daher schön, einen Rahmen zu finden, der dies wieder regelmäßig ermöglicht“, erzählt WdG-Leiterin Anke Könemann. Das bisherige Fazit nach knapp zehn Jahren fällt positiv aus. Die Projekte werden von den Schülern gut angenommen und gern besucht. Auch den Senioren gefällt’s. Über 100 haben sich bereits als Experten zur Verfügung gestellt. Manche von ihnen empfinden die Arbeit als neuen Lebenssinn, andere freuen sich einfach, im Alter noch gefragt zu sein.

Dafür bekommen die Senioren von den Kindern auch einiges zurück: „Die ungetrübte Begeisterung der Kleinen ist toll“, sagt Piening. „Alle machen mit, sind wissbegierig und neugierig.“ Mit einer Gruppe älterer Schüler hatte er mal ein Segelflugzeug aus Balsaholz gebaut und ihn dann im Park fliegen gelassen. „Die Kinder waren so begeistert. Das hatte ich nicht erwartet. Mir ging richtig das Herz auf.“

Jung und Alt gemeinsam – an der „Monte Balan“ funktioniert das sehr gut. Wer sich ein Beispiel nehmen oder sich als Expertin/Experte melden will, findet weitere Informationen unter www.montessori-muenchen.de/wdg

Mirko Besch

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