28. August 2017
VdK-Zeitung Archiv

Bayern braucht noch Nachhilfe in Inklusion

Nur 27 Prozent der Schüler mit Förderbedarf besuchen hierzulande eine Regelschule

In Sachen Inklusion besteht in Bayern großer Nachholbedarf. Aktuellen Zahlen und Studien zufolge liegen die Inklusions­bemühungen des Freistaats im Vergleich zu denen anderer Bundesländer teilweise weit zurück.

In Bayern noch vergleichsweise selten: gemeinsamer Schulunterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. | © picture alliance/dpa/Armin Weigel


Die im Jahr 2008 in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland und rund 170 weitere Länder zur Realisierung konkreter Ziele, um Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte und diskriminierungsfreie Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen. Analog zum Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung aus dem Jahr 2011 wurde im Jahr 2013 auch ein bayerischer Aktionsplan beschlossen, der die Schwerpunkte der Landespolitik für Menschen mit Behinderung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention festlegt. Trotz zahlreicher Initiativen im Rahmen dieser Aktionspläne bestehen aus Sicht des Sozialverbands VdK Bayern jedoch nach wie vor deutliche Defizite bei der Umsetzung der Konvention.

Gravierende Unterschiede


Zwar werden in Deutschland durchschnittlich immer mehr Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet. Allerdings gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern gravierende Unterschiede. Das geht aus Zahlen der Bundesländer hervor, die die „Rheinische Post“ ausgewertet hat. Im gesamten Bundesgebiet besuchten im zu Ende gegangenen Schuljahr 2016/2017 im Schnitt 41,1 Prozent aller Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule. Während Bremen mit einer Inklusionsquote von 88,9 Prozent aufwartet, bildet Hessen mit 26,8 Prozent das Schlusslicht. Bayern liegt mit 27,4 Prozent nur knapp davor.

Für Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), ist dies keine Überraschung. Für Kinder mit Behinderung, für Kinder, die eine besondere Förderung brauchen, stünden die Chancen im Freistaat immer noch schlecht, moniert sie. „In Bayern leben derzeit über 74 000 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf – sie und ihre Familien, genauso wie die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen, leiden unter den Folgen einer Politik, die stark im Verordnen ist, aber schwach im Geben.“ Wer Inklusion wolle, müsse auch dafür sorgen, dass es die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen gibt.

In einer aktuellen Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa wurden 501 Lehrkräfte in Bayern zum Thema Inklusion befragt. Einer der Hauptkritikpunkte: Über 80 Prozent der Lehrer sind der Meinung, dass in inklusiven Schulklassen grundsätzlich eine Doppelbesetzung benötigt wird, bestehend aus einer Lehrkraft und einem Sonderpädagogen. In Bayern ist dies derzeit aber nur in 19 Prozent der Schulen der Fall.

Mirko Besch

Schlagworte Inklusion | Schüler mit Förderbedarf | UN-Behindertenrechtskonvention | Teilhabe | bayerischer Aktionsplan | Behinderung | Kinder mit Behinderung

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