28. August 2017
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Die Phobie überwinden und den Python streicheln

Bei einem Seminar im Tierpark Hellabrunn lernen Teilnehmer, ihre Angst vor Spinnen und Schlangen in den Griff zu bekommen

Angst überwunden: Paula, zwischen Seminarleiterin Uschi Riedinger (links) und Tierpfleger Norbert, fasst erstmals eine Schlange an. | © Sebastian Heise


Spinnen und Schlangen verursachen bei vielen Menschen Ängste. Einige fürchten sich so sehr, dass sie sogar bestimmte Räume wie Keller oder Speicher nicht betreten. Der Münchner Tierpark Hella­brunn bietet ein Seminar zur Angstbewältigung an.

Nicht einmal zwei Zentimeter ist die Spinne groß, die plötzlich auf dem Boden krabbelt. Dennoch zieht Carina ihre Füße auf den Stuhl hoch, und Nadja flüchtet weinend ans andere Ende des Seminarraums. Uschi Riedinger unterbricht ihren Vortrag, nimmt ein Blatt, schiebt es unter die Spinne und stülpt ein Glas darüber.

Der unerwartete Auftritt der Spinne kommt eigentlich zu früh. Uschi Riedinger, Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete Tierpflegerin, hat mit dem Seminar zur Angstbewältigung gerade erst begonnen und in das Thema Spinnen- und Schlangenphobie eingeführt. Doch nun zieht sie eine Übung vor. Sie bittet die sieben Teilnehmerinnen im Alter zwischen 20 und 65 Jahren aufzustehen, ruhig ein- und auszuatmen, die Hände auf den Bauch zu legen, um den Atem zu spüren.

Alle beruhigen sich. Auch Carina. Sie hat in der Vorstellungsrunde des eintägigen Seminars im Tierpark Hellabrunn erzählt, wie sehr die Angst vor Krabbeltieren ihr Leben bisher beeinflusst hat. Sie hat sogar schon mal den Urlaub abgebrochen, weil sie es wegen Spinnen im Hotelzimmer nicht mehr ausgehalten hat. Für das Seminar ist sie extra aus dem Rheinland angereist.

Nach dem kurzen Theorieteil und einer Meditationsübung startet Uschi Riedinger noch am Vormittag mit der Annäherung an die gefürchteten Tiere. Sie kündigt an, zunächst Kuscheltiere zu holen. Die Teilnehmerinnen sollen langsam bis ans andere Ende des Raumes gehen, zwischendurch berichten, ob und wo im eigenen Körper sich etwas verändert, auf den Atem konzentrieren, dann weiter gehen und zum Schluss das Stofftierchen anfassen.

Selbst diese Übung kostet einige große Überwindung. Bei der Kuschel-Schlange fängt Christine sogar an zu weinen. Uschi Riedinger beruhigt sie und sagt, es sei gut, dass sie ihren Gefühlen, die sich offensichtlich schon seit Langem aufgestaut haben, nun freien Lauf lässt. Wie die anderen meistert aber auch Christine diesen ersten Schritt.

Als Steigerung legt Uschi Riedinger Plastik-Spinnen und -Schlangen auf den Tisch. „Igitt, die ist ja so wab­belig“, ruft jemand aus und lässt die Spinne vor Schreck fallen. Doch die Scheu lässt immer mehr nach. Auch die getrocknete Spinnen- und Schlangenhaut fassen alle an. Monika, die älteste Teilnehmerin, sagt voller Euphorie: „Ich finde es immer schöner!“

Treffen mit Anna und Houdini


Am Nachmittag folgt der Teil, vor dem alle Angst hatten: das Treffen mit Vogelspinne „Anna“ und Königspython „Houdini“ in der „Entdeckerhöhle“ des Tierparks. Zur Einstimmung legt Tierpfleger Norbert ein wandelndes Blatt und eine Schabe auf den Tisch. Die ursprüngliche Angst weicht recht bald der Faszination für diese Tiere.

Schließlich holt Norbert Vogelspinne „Anna“ aus der Kiste. Sie sitzt ruhig auf dem Tisch. Ganz vorsichtig nähern sich die Teilnehmerinnen dem giftigen Achtbeiner. Nach einigen Minuten liegen die Hände auf dem Tisch, und Anna krabbelt darüber. Jaqueline, die auch wegen ihrer kleinen Kinder den Kurs besucht, ist begeistert: „Das Gefühl ist überwältigend.“

Teilnehmerinnen lassen Vogelspinne „Anna“ über die Hand laufen. | © Sebastian Heise


Alle überwinden ihre Phobie und berühren die ungeliebten Tiere. Auch Christine, die lange Zeit vor der Tür war und mit ihren Gefühlen kämpfte, fasst zum Schluss Python „Houdini“ an. Paula, die vor dem Seminar ebenfalls große Angst vor Schlangen hatte, berührt den Python sogar mit beiden Händen. Wie die anderen auch ist sie sehr zufrieden mit sich. Dass sie am Ende sogar eine lebende Schlange anfasst, hätte sie vor dem Seminar „nie gedacht“.


Info
Das Tagesseminar kostet 130 Euro und findet mehrmals jährlich im Tierpark Hellabrunn statt. Telefon (0 89) 6 25 08-91. Internet: www.hellabrunn.de/seminare. Der Zoo Duisburg bietet auch Seminare gegen Spinnen und Schlangenangst an: www.zoo-duisburg.de

Sebastian Heise

Schlagworte Angst | Seminar zur Angstbewältigung | Phobie | Psychotherapie | Tierpark | Hellabrunn | Uschi Riedinger

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