28. August 2017
VdK-Zeitung Archiv

Dieses Jahr gibt es so wenig Äpfel wie nie zuvor

Später Frost und nasskalte Witterung sorgen für einen Ausfall von rund 65 Prozent – Bodenseeregion trifft es besonders hart

Diese Apfelernte ist historisch. Leider nicht, weil sie so gut ausfällt – im Gegenteil. Eugen Setz, Geschäftsführer der Obst vom Bodensee Marketinggesellschaft, rechnet mit einem Ausfall von rund 65 Prozent. Für die Apfelbauern ein Desaster. Nicht nur die Bodenseeregion, auch andere Anbaugebiete wie das „Alte Land“ an der Elbe sind betroffen. Die einzig positive Meldung: Frost beeinträchtigt Reife und Geschmack der Äpfel nicht.

Dieses Jahr müssen die Obstbauern am Bodensee und in anderen Anbauregionen die wenigen Äpfel suchen. Wegen Frost und Regen können sie nur ein Drittel dessen ernten, was sonst an den Bäumen hängt. | © picture alliance/dpa/Patrick Seeger


Die Rechnung, dass höhere Preise eine schlechte Ernte ausgleichen, gehe leider nicht auf, sagt Eugen Setz. Denn der Aufwand, den die Landwirte trotz des geringen Ertrags betreiben müssen, stehe in keinem Verhältnis. Wie viel mehr der Verbraucher dann für seine Äpfel im Laden bezahlt, bestimme darüber hinaus der Handel, nicht die Erzeuger. „Wir haben auf den Verbraucherpreis wenig Einfluss“, sagt der Geschäftsführer der Marketinggesellschaft. Teurer würden Äpfel aus Deutschland dieses Jahr zwar bestimmt, mit Wahnsinnspreisen rechne er aber nicht.

Im Vergleich zur durchschnittlichen Ernte gehen Experten dieses Jahr von 400 000 Tonnen weniger deutschen Äpfeln aus. Besonders betroffen ist die Bodenseeregion. Denn nur wenige Betriebe können hier auf eine Frostschutzberegnung zurückgreifen. Durch eine Dauerberegnung vereisen die jungen Blüten bei spätem Frost. Die sogenannte Kristallisationswärme des Wassers hält die Temperatur des Eismantels konstant bei null Grad – die Blüte überlebt. Für eine Frostschutzberegnung braucht es Wasser. Am Bodensee kein Problem, könnte man meinen. Doch bisher zögern die Behörden aus rechtlichen, ästhetischen und ökologischen Gründen sowohl bei der Wasserentnahme aus öffentlichen Gewässern als auch beim Bau notwendiger Rückhaltebecken. An der Elbe, im Anbaugebiet „Altes Land“, gestaltet sich das etwas einfacher. Auch in Südtirol, wo das Wasser vom Berg kommt.

Spätblüher sind besser dran


Johannes Bentele, Demeter-Landwirt aus Tettnang, hat zwar Zugrifff auf Wasser, die Ernte fällt für ihn dennoch miserabel aus. „Ich rechne mit 15 bis 20 Prozent von einer normalen Ernte“, bringt er die bittere Bilanz auf den Punkt. „Die wenigen Äpfel habe ich nur, weil ich zwei von insgesamt 18 Hektar beregnen konnte.“ Auf dieser Fläche habe er so viel Ertrag wie auf der kompletten restlichen. Ohne Beregnung wäre das Ergebnis noch schlechter.

Bio-Obstbauern wie ihn trafen der Frost nach Ostern und die anschließende nasskalte Witterung besonders hart. Ein Grund sind die Apfelsorten, die zum Großteil früh blühen. Und unzählige Blüten, die nicht dem Frost zum Opfer fielen, konnten im Anschluss nicht bestäubt werden. Denn wegen Kälte und Regen sind die Insekten nicht oder nur spärlich geflogen. Spätblühende Apfelsorten hat dies dann etwas weniger beeinflusst.

Bei integrierter Produktion, unter der man eine naturnahe Landwirtschaft versteht, sind die Ausfälle je nach Sorte und Lage geringer als bei Bio-Betrieben. „Ob die Plantage in einer Senke oder am Hang liegt, kann schon einen Unterschied machen“, erklärt Eugen Setz.

Doch wie man es dreht und wendet: Die Apfelernte ist so schlecht wie nie zuvor. Auch andere Anbaugebiete in Europa haben verheerende Ausfälle zu beklagen. „Die Verbraucher müssen aber keine Angst davor haben, dass es irgendwann keine Äpfel mehr gibt. Für die sorgt der globale Markt“, sagt der Geschäftsführer.

Handelsklasse I werden deutsche Erzeuger diese Saison deutlich weniger anbieten können. Viele der Äpfel, die es gibt, haben den ein oder anderen Schönheitsfehler – meist ringförmige Verbräu­nungen an der Schale durch Korkbildung des Gewebes. Der Geschmack, betont Eugen Setz, ist davon aber nicht betroffen. Er ermuntert Verbraucher, trotz kleiner optischer Makel zu den heimischen Äpfeln zu greifen.

Caroline Meyer

Schlagworte Apfelernte | höhere Preise | Verbraucherpreis | Frost | Kälte | Regen | Anbaugebiet

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