12. Juli 2017
VdK-Zeitung Archiv

Pflegende Angehörige sind sozial abgesichert

Pflegeversicherung bezahlt während der Zeit der Pflegetätigkeit Beiträge zur Unfall-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung

Pflegende Angehörige investieren viel Zuwendung, Energie und Zeit in ihre Aufgabe. Oft müssen sie beruflich kürzer treten oder ihren Job ganz aufgeben. Während der Zeit der Pflege sind sie sozial abgesichert.

© imago/Westend61

Nicht nur Pflegebedürftige erhalten Leistungen aus der Pflegekasse. Auch wer einen Angehörigen ab Pflegegrad 2 regelmäßig mindestens zehn Stunden, verteilt auf wenigstens zwei Tage pro Woche, pflegt, hat einen Anspruch. Wichtig ist, dass die Pflege nicht erwerbsmäßig erfolgt, und dass die Pflegeperson neben der Pflege nur bis zu maximal 30 Wochenstunden berufstätig ist.

Die Pflegeversicherung bezahlt während der Zeit der Pflegetätigkeit Beiträge zur Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Das bedeutet, dass der Pflegende nicht nur unfallversichert ist, sondern auch Arbeitslosengeld erhält, wenn er nach der Pflege nicht sofort eine neue Stelle findet. Die Rentenansprüche, die er erwerben kann, hängen vom jeweiligen Pflegegrad und den Pflegeleistungen ab. Nur wer sich um einen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 5 kümmert, der keine Sachleistung oder Kombi-Leistung in Anspruch nimmt, erhält annähernd so viele Rentenpunkte wie ein Arbeitnehmer mit Vollzeitjob und Durchschnittseinkommen.

„Ob es sich lohnt, für die Pflege seine Berufstätigkeit einzuschränken oder ganz zu unterbrechen, lässt sich pauschal nicht beantworten“, sagt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund. „Das ist abhängig von der individuellen Situation und muss für jede Pflegeperson neu beurteilt werden.“ Beantragt wird die Zahlung von Rentenbeiträgen bei der Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen. Manthey rät, den Antrag zeitnah zu stellen, da rückwirkend keine Rentenpunkte mehr erworben werden können.

Rentenpunkte bei Teilrente

Rentner, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben, können ihre Rentenansprüche durch die Pflege eines Angehörigen auch erhöhen. Ermöglicht wird dies durch das „Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand“ (Flexirente), das zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist. Die Regelaltersgrenze ist abhängig vom Geburtsjahrgang des Versicherten und wird derzeit vom 65. auf das vollendete 67. Lebensjahr angehoben.

Mit dem Erreichen der regulären Altersgrenze erhöht sich die Rente aufgrund der Rentenbeiträge der Pflegeversicherung. Die Beitragszahlung endet, wenn der Pflegende eine volle Altersrente bezieht. Wer jedoch weiterhin Rentenansprüche für die Pflege erwerben will, kann sich eine Teilrente zwischen zehn und 99 Prozent der Vollrente auszahlen lassen. Dies ist seit Juli 2017 möglich. „Die Höhe der Teilrente spielt dabei keine Rolle“, so Manthey.

Endet die Pflegetätigkeit, kann jederzeit eine Vollrente bezogen werden. Ob sich ein solcher Teilrentenbezug rechnet, kann vorab in einer persönlichen Beratung geklärt werden. Wer zusätzlich zur gesetzlichen Rente Anspruch auf eine Betriebsrente hat, sollte zudem prüfen, ob sie in diesem Fall weiterhin ausgezahlt wird. Auch Erwerbsminderungsrentner, die einen Angehörigen pflegen, können bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze ihre Rentenansprüche verbessern.

Die Pflegetätigkeit wirkt sich jedoch in der Regel nicht auf die Höhe der Erwerbsminderungsrente, sondern nur auf die spätere Altersrente aus. Diese wird spätestens mit Erreichen der Regelaltersgrenze ausbezahlt. Wer wegen schwerer körperlicher Beeinträchtigungen aus dem Berufsleben ausscheiden musste und eine Erwerbsminderungsrente bezieht, sollte allerdings damit rechnen, dass die Rentenversicherung eventuell die Erwerbsfähigkeit überprüft.

Dabei muss der Betroffene einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand ausfüllen. Nur in seltenen Fällen untersucht ein unabhängiger Gutachter, ob sich der körperliche Zustand des Pflegenden verbessert hat. Ist er wieder gesund, verliert er seinen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente. Wer Fragen zur Rente hat, kann sich gerne bei seiner zuständigen VdK-Geschäftsstelle oder in der nächstgelegenen Auskunfts- und Beratungsstelle der Rentenversicherung beraten lassen.

Annette Liebmann

Schlagworte pflegende Angehörige | Pflegebedürftige | Pflegeversicherung

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