1. Juni 2017
VdK-Zeitung Archiv

Perspektivwechsel an der Hochschule

Das Institut für Inklusive Bildung in Kiel qualifiziert Menschen mit Behinderung zu Bildungsfachkräften

Es wird viel ohne sie über sie geredet. Dabei sind Menschen mit Behinderung Experten in eigener Sache. Deshalb hat die Kieler Stiftung Drachensee ein Projekt entwickelt, das weltweit einmalig ist: Das Institut für Inklusive Bildung qualifiziert Menschen mit kognitiven Einschränkungen zu Bildungsfachkräften. An Hochschulen in Schleswig-Holstein unterrichten sie Menschen ohne Behinderung.

Über den Umgang und über die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung wissen diese selbst am besten Bescheid. Diesen Gedanken griffen drei Sozialpädagoginnen an der Fachhochschule Kiel auf. Sie holten die Menschen ins Boot, die mit dem Hochschulwesen zunächst nichts verbindet: Beschäftigte von Behindertenwerkstätten. Von 2008 bis 2012 initiierten sie mit 13 Werkstattbeschäftigten das erste Seminar „Meine Welt“, bei dem diese Studenten ihre Lebenswelt vermittelten.

Ein sehr erfolgreiches Projekt, das aber mit erheblichem Aufwand verbunden war. Die Stiftung Drachensee entschied sich dafür, das Projekt zu professionalisieren. „Im November 2016 wurde das Institut für Inklusive Bildung gegründet“, erzählt Gesa Kobs von der Stiftung Drachensee, Gesellschafterin des Instituts. Angegliedert ist dieses an die Christian-Albrechts-Universität Kiel und wird vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein gefördert.

Im vergangenen Jahr haben die ersten fünf Bildungsfachkräfte ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und werden dauerhaft beschäftigt – auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Auch dieser Aspekt ist ein toller Erfolg des Projekts“, betont Gesa Kobs.

Ausbildung dauert drei Jahre

Aktuell bietet nur das Institut für Inklusive Bildung die dreijährige Qualifizierung an. Diese orientiert sich an einem Modulhandbuch mit verschiedenen Bausteinen, Qualifizierungszielen und Inhalten. Unter anderem lernen die Auszubildenden die Arbeits- und Bildungssysteme kennen, damit sie sich in der Hochschulwelt und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt besser zurechtfinden. Außerdem stehen Themen aus den Bereichen Gesellschaft, Politik und Recht sowie die Vermittlung von Methoden auf dem Lehrplan.

Kernelement ist das Praxismodul – die Hochschule ist schon während der Ausbildung Ort des Geschehens. Lehrveranstaltungen von Bildungsfachkräften können momentan an der Universität Kiel und weiteren schleswig-holsteinischen Hoch- und Fachschulen besucht werden. Zielgruppen sind Studierende, Lehr-, Fach- und Führungskräfte. Eine pädagogische Assistenz steht den Bildungsfachkräften zur Seite. Alternativ arbeitet eine Fachkraft mit einer Lehrperson zusammen.

Je nach Größe oder Schwerpunkt der Lehrveranstaltung kommen bis zu fünf Bildungsfachkräfte zum Einsatz. Sie leiten Seminare in Semesterlänge, Vorlesungen, Workshops und andere Veranstaltungen. „Das Besondere ist, dass Menschen mit Behinderung Menschen ohne Behinderung auf Augenhöhe begegnen“, erklärt Gesa Kobs. „Es findet ein Perspektivwechsel statt.“

Ein Folgeprojekt gibt es bereits in Baden-Württemberg, andere Bundesländer stehen ebenfalls in den Startlöchern. Das große bundesweite und europäische Interesse am Institut für Inklusive Bildung gibt der Idee Recht. „Inklusion ist ein wichtiges Thema an der Hochschule“, betont Gesa Kobs. „Und die Lehrveranstaltungen von Menschen mit Behinderung über Menschen mit Behinderung sind authentisch. Wer könnte einen besseren Einblick in ihre Lebenswelt geben?“

Caroline Meyer

Schlagworte Menschen mit Behinderung | Hochschule | Inklusive Bildung | Inklusion | Stiftung Drachensee

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