30. Mai 2017
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Mobiler Begleitservice bringt Teilhabe ins Rollen

Das kostenlose Angebot der Stadt München hilft Menschen mit Einschränkungen, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen

Hohe Bordsteinkanten, kaputte Aufzüge, fehlende Ansagen: Für Menschen mit Behinderung oder Ältere ist die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oft ein Ding der Unmöglichkeit. Wer in München Hilfe braucht, kann seit zwei Jahren den „Bus & Bahn Begleitservice München“ nutzen. Das Projekt der Stadt hilft nicht nur mobilitätseingeschränkten Menschen, sondern ebnet auch Langzeitarbeitslosen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt.

Ein Lächeln auf den Lippen, ein Funkeln in den Augen: Laszlo Inke ist einer, den man auf Anhieb mag. Als ehemaliger Taxiunternehmer kommt er schnell mit den Leuten ins Gespräch, hat immer ein offenes Ohr. Jahrzehntelang ist er auf Münchens Straßen unterwegs, kennt sie wie seine Westentasche. Dann, wenige Jahre vor der Rente, kommt der Herzinfarkt. „Danach musste ich das Taxi stehen lassen“, erzählt er. Von jetzt auf gleich rutscht er in die Arbeitslosigkeit, findet knapp drei Jahre lang keine passende Stelle.

Bis im Juli 2015 das Telefon klingelt. Laszlo Inkes Jobcenter-Berater ist am Apparat und erzählt von einem neuen Projekt der Landeshauptstadt unter der Leitung des Katholischen Männerfürsorgevereins München (KMFV). Ob er sich vorstellen könne, mit Älteren und Menschen mit Behinderung zu arbeiten. „Klar konnte ich“, sagt er und lacht. „Eine sinnvolle Tätigkeit für jemanden wie mich, der ein leichtes Helfersyndrom hat.“ Und sich in München so gut auskennt.

Wieder teilzuhaben am Arbeitsleben und gleichzeitig anderen Menschen Teilhabe zu ermöglichen, das ist die Idee hinter dem „Bus & Bahn Begleitservice München“. Ein Konzept, das auch Wolfgang Krönner überzeugt hat. Seit Anfang des Jahres ist er als Projektleiter zuständig für das kostenlose Angebot. Gefördert wird der Begleitservice durch das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ). Momentan sind 16 Langzeitarbeitslose angestellt.

„Arbeit ist wie Therapie“

Aus eigener Erfahrung kennt Krönner beide Seiten: die seiner Mitarbeiter und die seiner Kunden. Er weiß, was es bedeutet, wegen Krankheit eine gewisse Zeit lang nicht arbeiten zu können – und mobilitätseingeschränkt zu sein. „Unsere Mitarbeiter blühen hier wieder auf“, sagt er. „Denn sie werden dringend von anderen gebraucht. Gerade im öffentlichen Nahverkehr gibt es viele Situationen, in denen Menschen mit Behinderung, Ältere und Kranke auf Hilfe angewiesen sind.“

Bevor die Helfer Menschen im öffentlichen Nahverkehr begleiten, machen sie ein Blinden- und Rollstuhltraining, einen Erste-Hilfe-Kurs und üben sich in Kommunikation. Wolfgang Krönner und ein Sozialarbeiter stehen ihnen dann im Arbeitsalltag mit Rat und Tat zur Seite. „Arbeit ist wie Therapie“, erklärt der Projektleiter. Wer nicht alleine zum Arzt kommt, weil zu hohe Bordsteinkanten oder nicht funktionierende Aufzüge im Weg sind, kann den Begleitservice montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr nutzen und per Telefon (089/544 918 920), Fax (089/544 918 910) oder E-Mail (bbs@kmfv.de ) einen Termin vereinbaren.

Damit Wolfgang Krönner und sein Team planen können, muss man sich spätestens zwei Werktage vorher anmelden. Der Helfer holt den Kunden dann zu Hause ab, bringt ihn zum Ziel und auf Wunsch wieder heim. An diesem regnerischen Morgen ist Laszlo Inke auf dem Weg zu einer neuen Kundin. Er wirft einen Blick in seine rote Mappe, in der er alle für ihn wichtigen Infos zu der Dame findet: Wo sie wohnt, welche Einschränkung sie hat, wohin sie möchte, den schnellsten Weg zum Ziel, ihre Telefonnummer.

Knarrende Holztreppen führen den Begleiter in den zweiten Stock zur Wohnung der Kundin. „44 Stufen“, sagt sie, als sie vorsichtig mit einer Hand an der Krücke und mit der anderen am Treppengeländer nach unten geht. Wegen einer Hüft-OP ist die 81-Jährige nicht gut zu Fuß. Heute will sie testen, ob sie es mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arzt schafft. „Ohne Hilfe würde ich mich das nicht trauen. Sie hat mir mein Schutzengel geschickt.“ Laszlo Inke schmunzelt und reicht ihr die Hand.

Caroline Meyer

Schlagworte Mobiler Begleitservice | Menschen mit Behinderung

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