27. April 2017
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Aufgeben kommt für Paula Deyerl nicht in Frage

Der Weg zum Aikido-Schwarzgurt war für die 79-Jährige oft schwer – Nach 17 Jahren hat sich für sie ein Traum erfüllt

Paula Deyerl (rechts) darf nach 17 Jahren Training nun endlich die traditionelle Hakama der Schwarzgurte tragen. | © Claus-Jürgen Kocka

„Ich bin niemand, der aufgibt“, sagt Paula Deyerl. Die 79-Jährige aus Augsburg macht seit 17 Jahren Aikido. Obwohl sie im Vergleich zu jüngeren Kampfsportlern mehr Hürden überwinden musste, hat sie immer daran geglaubt, eines Tages den Schwarzgurt zu bekommen. Im Dezember wurde er ihr endlich verliehen.

Paula Deyerl ist zwar nur 1,52 Meter groß, hat es aber faustdick hinter den Ohren: „Die Freunde von meinem Enkel Max nennen mich Aikido-Oma“, sagt die Rentnerin. Mindestens zweimal in der Woche geht sie ins Training und nimmt außerdem regelmäßig an großen Lehrgängen teil. Nur in den letzten Wochen musste sie Ruhe geben, denn Anfang des Jahres hatte sie sich im Training den kleinen Zeh gebrochen. Das fällt der temperamentvollen Frau schwer.

Als sie in Rente ging, hatte sich die ehemalige EDV-Fachkraft ein Hobby gesucht. „Ich habe es mit Wirbelsäulengymnastik probiert, aber das fand ich langweilig“, erinnert sie sich. „Aikido hat mich interessiert, weil man sowohl körperlich als auch geistig gefordert ist. Also habe ich mich über die japanische Kampfkunst informiert und beim Sportverein angemeldet.“ In der Kursausschreibung hieß es zwar, Aikido eigne sich für Teilnehmer jeden Alters. Doch mit ihren 63 Jahren war Deyerl mit Abstand die älteste Teilnehmerin, nicht nur im Verein, sondern im gesamten Verband.

Das war nicht immer einfach: „Ich habe mir alles doppelt erarbeiten müssen“, blickt sie zurück. Der Lernprozess lief bei ihr langsamer als bei Jüngeren, auch der Körper war nicht mehr so beweglich. „Keine einzige Gürtelprüfung habe ich beim ersten Mal bestanden“, berichtet sie. „Ich habe immer mehrere Anläufe gebraucht.“ Doch Aufgeben kam für sie nie in Frage. Sie wollte unbedingt Schwarzgurt werden – egal, wie lange es dauert. „Für mich war eine nicht bestandene Prüfung jedesmal ein Hinweis darauf, dass ich eben noch nicht soweit war.“ Allein zum Braungurt hat sie drei Prüfungen gemacht. Trotzdem hat Paula Deyerl weiter geübt und es immer wieder probiert.

„Das schaffst du!“

Im Mai feiert Paula Deyerl ihren 80. Geburtstag. Ihr schönstes Geschenk hat sie schon auf einem großen Lehrgang kurz vor Weihnachten erhalten: „Bei der Verleihung des Schwarzgurts sind alle aufgestanden und haben geklatscht“, erinnert sie sich. Und nicht nur sie hatte Freudentränen in den Augen – auch viele ihrer Trainingspartner.

Natürlich gab es auch Phasen, in denen sie frustriert war und ans Aufhören dachte. Dann half ihr der Trainer (Sensei) weiter. „Durch Sensei Claus habe ich gelernt, mich nicht mit anderen zu vergleichen, sondern mein eigenes Ding zu machen.“ Denn schließlich sei es mit dem Aikido wie mit dem Nähen, ihrem zweiten Hobby: „Wenn mir etwas nicht gelingen will, dann sage ich zu mir: ,Das schaffst du!‘. Und dann klappt es auch.“

Unterstützt wurde sie auch von ihrem Ehemann, der vor drei Jahren gestorben ist. Hermann Deyerl hatte sie zu allen Lehrgängen gefahren und zum jährlichen einwöchigen Sommerkurs begleitet. Wenn sie vor einer Gürtelprüfung stand, hatte er immer schon den nächsten bunten Gürtel gekauft und solange versteckt, bis Paula bestanden hatte. Nach seinem Tod – Paula Deyerl trug zu diesem Zeitpunkt den Blaugurt – fand sie im Kofferraum seines Autos einen Braungurt.

Selbst für die Schwarzgurt-Prüfung hatte er vorgesorgt: „Er hat meinen Sohn Helmut und dessen Familie beauftragt, mir eine Hakama zu besorgen.“ Eine Hakama ist ein traditioneller japanischer Hosenrock, den Aikidoka erst ab einem bestimmten Können tragen dürfen. Am Abend nach ihrer Graduierung überreichte ihr die Familie das Kleidungsstück. Alle waren stolz auf sie, am meisten aber Enkel Max.

Erst kürzlich wurde Paula Deyerl von Trainer Sensei Claus gefragt, ob sie denn vorhabe, auch mit 90 Jahren noch auf der Matte zu stehen. Eine Frage, bei der es für sie kein Nein gibt: „Ich habe ihm erklärt, dass ich unbedingt weitermachen möchte. Aber mein Aikido wird dann ein anderes sein.“

Annette Liebmann

Schlagworte Aikido | Sport | Paula Deyerl

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