27. April 2017
VdK-Zeitung Archiv

Plötzlich Pflegefall: zeitnahe Beratung ist wichtig

VdK-Pflegeexperte Olaf Christen rät, die Versorgungsmöglichkeiten mit dem Betroffenen abzusprechen und sorgsam abzuwägen

Ein Schlaganfall, ein Sturz oder eine Erkrankung – Pflegebedürftigkeit kann schnell eintreten. Auch für die Angehörigen wird dann vieles anders, denn sie müssen in kurzer Zeit viele weitreichende Entscheidungen treffen.

„Wenn jemand pflegebedürftig wird, ist es wichtig, sich zeitnah beraten zu lassen“, sagt Olaf Christen, Referent für Pflege beim Sozialverband VdK Deutschland. Er empfiehlt, sich an einen Pflegestützpunkt oder an die kommunalen Pflegeberatungsstellen zu wenden. Die Experten geben wertvolle Hinweise, um den Pflegebedarf des Betroffenen richtig einzuschätzen. Allerdings gibt es bei der Versorgung mit Beratungsstellen große regionale Unterschiede. Informationen erteilen auch die Pflegekasse, Verbände der Freien Wohlfahrtspflege sowie die VdK-Kreisgeschäftsstellen. Befindet sich der Angehörige in einer Reha-Klinik oder in einem Krankenhaus, kann das Entlassmanagement des Krankenhauses unterstützen.

Christen rät, möglichst früh einen Pflegegrad bei der Pflegekasse zu beantragen. „Pflegebedürftigkeit wird häufig zu spät erkannt beziehungsweise akzeptiert. Aber nur, wer einen Pflegegrad hat, erhält auch Leistungen der Pflegeversicherung. Pflegebedürftigkeit ist teuer, deswegen ist falsche Scham hier fehl am Platz“, betont er.

Die Pflegekasse beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Ein Gutachter des MDK besucht den Betroffenen zu Hause und überprüft, ob die Voraussetzungen für eine Pflegebedürftigkeit erfüllt sind. Der Besuch wird immer angemeldet. Es ist ratsam, sich auf diesen Termin vorzubereiten und im Vorfeld Notizen zu machen, was der Pflegebedürftige noch selber kann und in welchen Bereichen er Hilfe benötigt. Außerdem sollte man als Angehöriger beim Besuch des MDK ebenfalls anwesend sein.

Wird ein Familienmitglied pflegebedürftig, muss geklärt werden, wie und von wem der Betroffene versorgt werden soll. „Am besten wäre es, wenn das Thema im Vorfeld schon besprochen wird“, sagt Christen. Doch das ist häufig nicht der Fall. Der Pflegeexperte rät, die verschiedenen Möglichkeiten sorgfältig abzuwägen und ehrlich zu sich zu sein: „Das ist ein sehr emotionales Thema. Es besteht die Gefahr, dass Angehörige in eine Pflegesituation reinrutschen, obwohl sie eigentlich damit überfordert sind.“

Entscheidet sich die Familie für häusliche Pflege, empfiehlt Christen, ein Netzwerk zu schaffen: Angehörige, Freunde, Nachbarn und ambulante Dienste können die Pflegeperson entlasten. Er rät, diese Hilfe zu nutzen, denn die Pflege ist ein 24-Stunden-Job. Pflegegeld oder Kombinationsleistungen sollten zeitnah beantragt werden, ebenso wie Rentenpunkte für die Pflege. Die Pflegekasse unterstützt Umbaumaßnahmen in der Wohnung des Pflegebedürftigen mit Zuschüssen und finanziert Hilfsmittel, wie beispielsweise ein Pflegebett. Pflegende Angehörige haben Anspruch auf den Besuch eines Pflegekurses und einen Hausbesuch mit individueller Pflegeanleitung.

Bei ambulanter Pflege geht es um die Auswahl des passenden Pflegedienstes. Dabei gilt es, unter anderem folgende Fragen zu klären: Welche Qualifikationen haben die Pflegenden? Werden alle benötigten Leistungen angeboten? Können individuelle Wünsche und Gewohnheiten des Pflegebedürftigen berücksichtigt werden? Ist der Pflegedienst jederzeit erreichbar? Kann er schnell auf veränderten Bedarf reagieren? Gibt es feste Pflegepersonen und Ansprechpartner? Eine Checkliste für die Pflegedienstauswahl bietet die Weiße Liste auf ihrer Webseite www.weisse-liste.de an.

Entscheiden sich der Pflegebedürftige und die Angehörigen für die Versorgung in einer vollstationären Einrichtung, müssen viele Aspekte berücksichtigt werden. Dazu gehören Lage und Ausstattung des Heims, die Größe des Zimmers, die Qualifikation der Pflegekräfte, Freizeitangebote, medizinische Versorgung, aber auch die Kosten. Ebenfalls wichtig ist, ob der Pflegebedürftige Teile seiner Wohnungseinrichtung mitbringen darf und ob seine spezifischen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Auch hierfür gibt es unter www.weisse-liste.de eine Checkliste.

Mehr Infos und Tipps sowie eine kostenlose Broschüre zum Thema Pflege finden Sie hier auf unserer Website:

Wenn man älter wird, rücken oft neue Themen ins Blickfeld. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des VdK Ressorts „Leben im Alter“ informieren beispielsweise über Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen, alternative Wohnformen und barrierefreies Umbauen. Auch einfachere Alltagshilfen und Hilfsmittel können älteren Menschen den Alltag erleichtern und die Lebensqualität erhöhen. | weiter

Annette Liebmann

Schlagworte Pflege | Pflegefall | Schlaganfall | Pflegeexperte | Pflegedienst

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