5. April 2017
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„Ich bin unglaublich dankbar“

Nach hartem Kampf erhält MS-Kranke rückwirkend Erwerbsminderungsrente

Eva Biedler liebt ihren Job. Gerne würde die Kinderpflegerin mehr Zeit im Kindergarten verbringen. Doch die Multiple Sklerose lässt nicht mehr als zwölf Stunden in der Woche zu. Zehn Jahre lang kämpft die Allgäuerin um eine Teilerwerbsminderungsrente, jetzt hat sie mithilfe des VdK Bayern endlich Recht bekommen.

„Ein komplizierter Fall“, sagt Mathias Hochmuth, Kreisgeschäftsführer vom VdK Ostallgäu und Unterallgäu. Denn als bei Eva Biedler während eines Reha-Aufenthalts wegen ihrer Multiplen Sklerose eine verminderte Erwerbsfähigkeit festgestellt wird, erfüllt sie die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen nicht. „Ich habe zwischenzeitlich auf 450-Euro-Basis gearbeitet, aber nichts in die Rentenversicherung eingezahlt“, erklärt die Kinderpflegerin.

Dadurch hat sie von erforderlichen 36 Monaten an Pflichtbeiträgen in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung nur 30 Monate vorzuweisen. „Mir waren die Konsequenzen nicht bewusst“, sagt sie. Nach der Reha arbeitet sie wieder, so viel ihre Krankheit zulässt – und zahlt in die Rentenversicherung ein. Dann, im August 2014, zieht Eva Biedler der bislang schwerste Schub wortwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Zur Erklärung: Man spricht von einem Schub, wenn Nervenfunktionsstörungen auftreten, die mindestens 24 Stunden anhalten.

Nach diesem schweren Schub diagnostizieren Eva Biedlers Ärzte, dass die Multiple Sklerose vom schubförmigen Stadium in die schleichende Form übergegangen ist. Das bedeutet eine langsame Verschlechterung ihres Zustands – ohne zeitweise Verbesserung. Wieder versucht sie, eine teilweise Erwerbsminderungsrente zu erhalten, und scheitert erneut. Sie wendet sich an VdK-Kreisgeschäftsführer Mathias Hochmuth.

„Es kam ausschließlich auf den Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung als Streitgegenstand an“, erläutert er. Das Ziel: den Leistungsfall auf einen späteren, nämlich den schweren Schub im August 2014, zu verlagern und somit die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen doch noch zu erfüllen. Der Kreisgeschäftsführer weiß: „Das gelingt nicht sehr oft.“

Der Kampf lohnt sich

Nach einem Jahr juristischer Höchstleistung gelingt es doch. Eva Biedler hat rückwirkend Anspruch auf eine teilweise Erwerbsminderung. Das sind im Monat immerhin 320 Euro brutto. „Ich bin unglaublich dankbar, dass ich an Herrn Hochmuth geraten bin“, sagt Eva Biedler. „Er hat so für mich gekämpft.“ Auch ihr Hausarzt sei „ganz begeistert“ von dessen Einsatz. Denn der Gesundheitszustand der 48-Jährigen ist eindeutig: Mehr als zwölf Stunden in der Woche kann sie nicht im Kindergarten arbeiten. Gleichgewichtsstörungen, starke Müdigkeit, Gehschwierigkeiten und Rückenschmerzen hindern die Kinderpflegerin daran, Vollgas zu geben.

Obwohl sie das gerne täte. „Ich liebe meinen Beruf so sehr“, schwärmt sie. „Ich will arbeiten, so lange es geht. Und ich bin sehr dankbar, dass ich einen verständnisvollen Arbeitgeber habe, der mich trotz Krankheit unbefristet angestellt hat.“ Obwohl die Mutter von drei Töchtern eigenes Geld verdient, das sie nun durch die Erwerbsminderungsrente aufbessern kann, käme sie ohne ihren Mann nicht über die Runden. „Ich bin froh, dass mein Mann besser verdient als ich.“ Vor allem aber ist sie froh, dass er in allen Phasen der Krankheit an ihrer Seite ist. „Viele Männer verkraften es nicht, wenn sie eine so kranke Frau haben. Ich bin sehr stolz auf ihn.“

Caroline Meyer

Schlagworte So hilft der VdK | Erwerbsminderungsrente

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