23. März 2017
VdK-Zeitung Archiv

Die Philosophie lautet: „Was kann man möglich machen?“

Fast jeder zwölfte Mitarbeiter im Bereich des Polizeipräsidiums Oberfranken ist schwerbehindert – Dafür gab es den „JobErfolg 2016“

„Eine behindertengerechte Tür einzubauen, ist eine Kleinigkeit, wenn man dafür einen Menschen mit Behinderung beschäftigen kann“, sagt Polizeipräsident Reinhard Kunkel. Das Polizeipräsidium Oberfranken beschäftigt 2626 Angestellte und Beamte – 217 von ihnen haben eine Schwerbehinderung. Für dieses Engagement wurde es mit dem Inklusionspreis „JobErfolg 2016“ in der Kategorie „Öffentlicher Dienst“ ausgezeichnet.

Beate Zeidler arbeitet seit elf Jahren bei der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt. Wegen ihr haben viele Kollegen die Gebärdensprache gelernt. | © Liebmann

Beate Zeidler arbeitet seit elf Jahren als Bürokraft in der Polizeiinspektion (PI) Bayreuth-Stadt. Sie verwaltet eingehende E-Mails und verteilt sie an die zuständigen Stellen weiter. Mit ihren Kollegen kommuniziert sie in Gebärdensprache: Zeidler ist seit einer Erkrankung im Kindesalter gehörlos. „Viele Menschen denken, dass Gehörlose nicht intelligent wären und nur einfache Aufgaben erledigen könnten“, weiß sie aus Erfahrung. Diese Barrieren im Kopf hat sie auch selbst zu spüren bekommen, als sie auf Jobsuche war.

In der PI Bayreuth-Stadt hat Zeidler nicht nur eine Anstellung gefunden, sondern auch Kollegen, die sie verstehen. Denn das Polizeipräsidium hat den Beschäftigten angeboten, einen Kurs für Gebärdensprache zu machen. Ihre Kollegin Kristin Reichel hat sofort zugesagt: „Ich wollte mich mit Beate unterhalten können“, sagt sie. Auch die anderen Kollegen können sich verständigen. Für die meisten ist die Gebärdensprache mittlerweile normal.

Steffen Schmidt arbeitet im Erkennungsdienst. Zu seinen Aufgaben gehört die Entnahme von DNA-Proben, das Erstellen von Fotos, Fingerabdrücken und Personenbeschreibungen sowie die Schulung von Kollegen. Der 56-Jährige hat eine inkomplette Querschnittslähmung. Kurze Strecken kann er mit Hilfe von Krücken laufen, für längere Wege benötigt er einen Rollstuhl. Als er vor 20 Jahren im Polizeipräsidium angefangen hat, war er zunächst in der Poststelle beschäftigt. „Gesundheitlich wäre das aber auf Dauer nicht gegangen. Deshalb habe ich mich wegbeworben“, erinnert er sich. Beim Erkennungsdienst hat er nicht nur eine abwechslungsreiche und spannende Tätigkeit, sondern kann auch zwischen Sitzen, Laufen und Stehen abwechseln – für ihn gesundheitlich ideal.

„Unsere Philosophie lautet: Was können wir möglich machen?“, sagt Polizeipräsident Kunkel. „Der Staat sollte Vorbild sein. Aber der Betrieb muss auch funktionieren.“ Er lobt das Engagement von Wilfried Körber, der Vertrauensperson für Menschen mit Behinderung. „Er sorgt dafür, dass alles reibungslos läuft.“ Körber, der Mitglied im VdK ist, hat für Kerstin Schreppl einen Behindertenparkplatz und automatische Türöffner einrichten lassen. Schreppl ist Rollstuhlfahrerin und arbeitet in der Einsatzzentrale im flexiblen Schichtdienst. Dort muss es oft schnell gehen. Bei einem Unfall, Raubüberfall oder anderen Ereignissen werden in Echtzeit Berichte verfasst, die sofort an die zuständigen Dienststellen weitergeleitet werden.

Roland Popp, Leiter der Einsatzzentrale, ist voll des Lobes für seine Mitarbeiterin: „Sie steht in ihrer Leistung den Kollegen in nichts nach“, betont er. „Eine Körperbehinderung ist für mich kein Gradmesser. Die Teamfähigkeit schon.“ Auch Kunkel hat durchwegs nur gute Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung gemacht. „Ich bin stolz darauf, dass wir einen so hohen Anteil an Menschen mit Behinderung beschäftigen.“ Mit 8,3 Prozent liegt das Polizeipräsidium Oberfranken bayernweit an der Spitze.

Annette Liebmann

Schlagworte JobErfolg 2016 | Menschen mit Behinderung

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